Bald ist Merijn Tinga an seinem Ziel, der Rheinmündung an der Nordsee, angekommen. Dann hat er innerhalb von einem Monat 1.200 Kilometer von der Rheinquelle in Konstanz bis zum Meer auf seinem Board zurückgelegt. Etwa 50 Kilometer pro Tag, sechs bis acht Stunden täglich. Und währenddessen fischt er immer wieder Plastikmüll aus dem Wasser. Später möchte er die Teile an die Produzenten zurückschicken. Nestlé heißen diese unter anderem, Coca-Cola oder Unilever.

Merijn Tinga hat als Plastic Soup Surfer nämlich eine Mission: Er möchte, dass die Menschen – Konsumenten und Produzenten – ein Bewusstsein für die Vermeidung von Müll entwickeln. Denn Plastikmüll ist nicht nur ein Problem der Weltmeere, sondern auch ein europäisches. „Jeder lebt in Europa in der Nähe eines Flusses“, ist sich der Biologe sicher.

Alleine durch den Rhein würden jährlich 31 Tonnen Müll mit dem Strom fließen. Deshalb müsse jeder wissen, wie schädlich Plastik in Flüssen und Meeren ist. 

„Jetzt haben wir noch die Möglichkeit, das zu ändern“, sagt Merijn Tinga, der aus den Niederlanden kommt. Prognosen würden die These aufstelle, dass 2050 soviel Plastik im Wasser ist wie Fische dort leben. Schon jetzt würden in vielen Fischen Plastikpartikel gefunden werden. 

Dabei setzt der 44-Jährige noch nicht mal die „Ihr sollt gar kein Plastik nutzen“-Brille auf. Schließlich lässt sich Plastik recyceln. Das beweist er unter anderem mit seinem SUP-Board: Es wurde aus den Deckeln von Plastikflaschen gefertigt. Er habe schon immer Boards aus recyceltem Plastik gesurft, erklärt er. So zum Beispiel im vergangenen Jahr als er auf seinem Board und mit seinem Kite nach England gesurft ist. Auch das sei aus recyceltem Material gewesen. 

Merijn Tinga paddelt auf dem Rhein von seiner Quelle bis zur Mündung in die Nordsee.
Merijn Tinga paddelt auf dem Rhein von seiner Quelle bis zur Mündung in die Nordsee. Foto: Eelke Dekker

Auf das Problem mit dem Plastikmüll selbst ist Merijn Tinga im Jahr 2013 aufmerksam geworden. „An meinem Stammstrand (in der Nähe von Leiden, Anmerkung der Redaktion) habe ich Plastik gefunden“, erklärt er. Das sei dann der Auslöser gewesen, sich mit dem Problem näher zu befassen. 

Und seine Tour auf dem Rhein gibt ihm Recht: Er sammelt tatsächlich viel Plastik aus dem Rhein und trifft am Ufer des Flusses immer wieder Menschen, die ihn bei seiner Mission unterstützen wollen. So hat er an einem Bootsanleger in Bonn zum Beispiel Nick Nuttall, den Pressesprecher des Sekretariats der Klimarahmenkonvention (UNFCCC), getroffen. 

Durch die Rückschick-Aktion an die Unternehmen will Merijn Tinga nach seiner Tour in den Dialog mit den Unternehmen kommen. Mit ihnen zusammen möchte er Lösungen erarbeiten. Zum Beispiel: Wie könnte ein Pfandsystem für Plastik aussehen oder wie lässt sich bei Verpackungen sparen. „Konsumenten kaufen Verpackungen, die ihnen Unternehmen anbieten“, sagt Merijn Tinga. „Es ist sowohl die Verantwortung von denjenigen, die die Sachen verkaufen, als auch von denjenigen, die sie kaufen.“