Checkliste für die Reiseapotheke | reisereporter.de

Arzt packt aus: Das muss in die Reiseapotheke

Im Urlaub krank werden ist unangenehm. Noch unangenehmer wird's aber, wenn du dann nicht die richtigen Medikamente parat hast. Ein Reisemediziner sagt dir, was unbedingt in die Reiseapotheke muss. Und auch, worauf du verzichten kannst.

Eine Frau sitzt am Strand und putzt sich die Nase.
Wer im Urlaub krank wird, ist froh, wenn er die passenden Medikamente dabei hat.

Foto: imago/Sabine Gudath

Durchfall und Erbrechen gehört zu den Haupterkrankungen während eines Urlaubs. Der Weg zur Apotheke kann dann ziemlich unangenehm bis ätzend werden. Dann wirst du dankbar sein, die Medikamente schnell zur Hand zu haben, indem du sie aus deinem Koffer holst.

Außerdem ist nicht überall direkt eine Apotheke um die Ecke. Und selbst wenn doch: „Warum sollte man im Urlaub in der Apotheke kaufen, was man ohnehin zu Hause hat“, sagt Dr. Christian Schönfeld (59). Er arbeitet als Reisemediziner am Tropeninstitut der Charité Berlin.

Schönfeld weiß: Selbst den besten (auch ihm!) passiert es, dass sie Medikamente zu Hause vergessen werden. Im Fall eines Falls werden sie dann schmerzlich vermisst. Daher verrät er dem reisereporter, was unbedingt eingepackt werden sollte. Welche Medikamente du brauchst und wie viel. Das hängt auch von deinem Reiseziel und der Reisedauer ab. Eine Wandertour im Gebirge erfordert andere Medikamente als ein Badeurlaub in Spanien oder Ägypten.

Checkliste: Das gehört in die Reiseapotheke

  • Mittel gegen Durchfall
    1. Elektrolytlösung: gleicht Elektrolytverlust aus, kuriert akute Schwächezustände
    2. Loparamid: Der Wirkstoff entkrampft den Darm
    3. Perenterol: enthält Hefetypen, die den Darm zur Selbstheilung anregen
  • Mittel gegen Kopfschmerzen und Fieber
    Ibuprofen, Paracetamol oder ASS: Für Erwachsene Tabletten, für Kinder am besten Saft (*siehe Ergänzung Schmerzmittel in Mückengebieten)
  • Mückenschutz 
    Mückenspray mit DEET (*siehe Ergänzung tropische Gebiete)
  • Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen
    Zäpfchen, Kaugummi oder Pflaster gegen Reisekrankheit
  • Salbe gegen Augenreizungen
    zum Beispiel Panthenol
  • Desinfektionsmittel 
  • Pflaster und Verband
    eventuell: Salbe für Prellungen
    eventuell: Blasenpflaster
  • Mittel gegen Sonnenbrand
    leichtes Hydrocortison-Gel 0,25% (Panthenol) und Après-Sun-Lotion
  • Pinzette
    zum Entfernen von Splittern und Zecken
  • Herpescreme (für die, die ab und an welche brauchen)
  • Medikamente, auf die du auch zu Hause angewiesen bist 

Ergänzung: Reisen in subtropische oder tropische Regionen

Je nachdem, wo du Urlaub machst, musst du dich auch auf tagaktive Mücken einstellen. Die Tigermücke, die unter anderem das Dengue-Fieber überträgt, kommt ursprünglich in süd- und südostasiatischen Tropen sowie den Subtropen vor. 

Und das sorgt nicht nur für Symptome wie Kopfschmerzen und grippeähnlichen Symptome wie Gliederschmerzen, sondern kann auch die Blutgerinnung durcheinander bringen. Ibuprofen und ASS zeigen blutverdünnende Effekte. Im schlimmsten Fall kann das bei Dengue zu Blutungen führen.

Inzwischen gibt es sie allerdings auch immer mehr in Europa, zum Beispiel in Italien oder Südfrankreich. Schönfeld rät daher bei einer Reise in diese Gebiete: „Die Kleidung mit Mückenschutz imprägnieren.“

Wenn du in ein Malariagebiet reist, dann erfolgt die Malariavorsorge nach Rücksprache mit einem Arzt. Ein Malaria-Notafallset sollte in deiner Reiseapotheke vorhanden sein.

Ergänzung: Schmerzmittel in Mückengebieten

Ob du Ibuprofen, Paracetamol oder ASS in die Reiseapotheke packst, sei nicht von der Wärme im Reiseland abhängig, sagt Schönfeld. Von einem anderen Faktor aber schon: In Gegenden, in denen tagaktive Mücken (wie etwa die Tigermücken, siehe oben) leben, nimm lieber Paracetamol mit.

Das gehört nicht in die Reiseapotheke 

  • Antibiotika
    bei einer Krankheit, die ein Antibiotikum erfordert, solltest du ohnehin zum Arzt
  • starkes Cortison

Hitze, Kälte und Medikamente: Geht das gut?

Bei Tabletten seien die Temperaturen am Urlaubsort eigentlich kein Problem, sagt Schönberg. „Kapseln und Zäpfchen sind da kritischer zu betrachten. Die können sich ab Temperaturen von mehr als 25 Grad verformen und ihre Wirksamkeit verlieren“, sagt der Reisemediziner. Sein Tipp: Kurz vor der Abreise aus dem Kühlschrank nehmen und in Styropor und/oder Alufolie wickeln und nach der Ankunft im Hotel wieder möglichst kühl lagern.

Ganz anders ist es zum Beispiel bei Insulin: Das kann Kälte, Temperaturen unter null Grad, nicht haben. Zwar ist es in den meisten Frachträumen von Flugzeugen wärmer als null Grad. Aber der Arzt rät: Auf Nummer sicher gehen und Insulin im Handgepäck transportieren.

Wann du dringend zum Arzt solltest

Kurz gesagt: Bei jeder ernsthaften Erkrankung.

Denn Selbstbehandlung ist schön und gut. Aber: „Man sollte nicht zu lange selbst an sich rumdoktern. Wenn zum Beispiel der Durchfall nach 24 Stunden nicht besser ist, dann sollte man definitiv einen Arzt aufsuchen.“ Das gelte insbesondere für Kinder, ältere Menschen und Schwangere.

Du bist umgeknickt oder gefallen und hast starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen? Dann ab zum Arzt. 

Zudem solltest du dringend zum Arzt, wenn du in einer Region mit Malariarisiko bist und Fieber sowie grippeähnliche Symptome hast. 

So bleibt die Reiseapotheke kompakt

Der beste Trick, um die Reiseapotheke möglichst kompakt zu halten ist, keine ganzen Packungen mitzunehmen. Je nach Länge deiner Reise reicht ein Blister. Bei Durchfall gilt es zum Beispiel, die ersten zwei bis drei Tage überbrücken zu können. Dauern die Beschwerden länger an, solltest du ohnehin einen Arzt aufsuchen.

Salben solltest du nicht in der großen Tube mitnehmen, sondern am besten in kleine Döschen umfüllen. Bei Desinfektionssprays gibt es zum Beispiel auch kleine Reisegrößen. 

Packe deine Medikamente nicht in eine Kosmetiktasche, die sind meist sperrig. Ein Zipbeutel reicht völlig aus und er lässt sich leicht verstauen – und damit kommst du auch durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen.

Medikamente ins Handgepäck oder in den Koffer?

Schönberg rät, die Medikamente nicht komplett in den aufgegebenen Koffer zu packen. Das Aufteilen auf Handgepäck und Frachtgepäck minimiere das Risiko, dass du beim Verlust eines Gepäckstücks am Ziel plötzlich ohne wichtige Medizin dastehst.

Regeln fürs Handgepäck: Medizin darf in fester Form unbeschränkt im Handgepäck mitgenommen werden. Bei Salben oder anderer flüssiger Medizin gelten die gleichen Regeln wie für alle Flüssigkeiten im Handgepäck: Pro Behälter sind maximal 100 Milliliter erlaubt, insgesamt ein Liter.

Eine Bescheinigung vom Arzt über die mitgeführten Medikamente brauchst du in der Regel nicht, sagt Schönberg. Wenn du Insulin nehmen musst oder HIV-Medikamente und eine längere Reise planst, dann ist es jedoch ratsam: „Eine Bescheinigung dabei haben sollten Reisende, die größere Mengen an Medikamenten mitführen.“

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