DIE Packliste für deine Wanderung | reisereporter.de

Die „No Bullshit“-Packliste für deine Wandertour

Wer wandert, der sorgt gern für die Apokalypse vor. Dummerweise wiegt das Überlebenskit in der Regel so viel, dass man vielleicht lieber den Fluchtwagen kommen lassen sollte. Unsere Tipps fürs kluge Packen.

Ein Wanderer läuft mit seinem Rucksack durch das Riesengebirge.
Ein Wanderer läuft mit seinem Rucksack durch das Riesengebirge.

Foto: imago/Thomas Eisenhuth

Das Schlüsselbund meines Begleiters hat in etwa die Ausmaße eines Handballs und damit ist eigentlich alles gesagt. Unfassbar, was ein einzelner Mensch alles für vier Tage Wandertour einpacken kann. Etwas ungläubig starre ich auf den dicken Roman, den er mir beim Wühlen in die Hand drückt. Glaubt der ernsthaft, der wird heute Nacht irgendwas anderes tun als schlafen? Ich balanciere seine 1,5-Liter-Trinkflasche auf dem Buch, hänge mir das Schlüsselbund an den kleinen Finger und das Frottee-Handtuch über den Arm. Wenn ich jetzt einen Hustenanfall vortäusche, könnte ich alles unauffällig in den Fluss werfen…

Ich hab natürlich meinen Mund gehalten, niemand mag Klugscheißer. Wie alle grund-vorsichtigen Menschen habe ich das Thema Packen schon öfter gegoogelt – doch in der Regel findet man im Netz elend lange Listen, mit immer noch einer Idee und noch einer Idee und klar, wer den Planeten WIRKLICH liebt, der nutzt Glasflaschen. Uff. Natürlich. Entschuldigung, aber dafür bin ich wirklich nicht stark genug.

Regel Nummer eins: Egal, wie praktisch etwas ist – wenn ihr es nicht braucht, dann bleibt es zuhause. Bye, bye, integriertes Teller-Gabel-Messer-Salatschleuder-System. Hier kommen deshalb die Einsteiger-Packtipps der reisereporter, minimalistisch, aber nicht bis ins Elend hinein. Bitte verteilt sie großzügig an Bedürftige. 

Was man immer braucht

Socken: Socken sind das Wichtigste! Nehmt nur die besten mit, die ihr besitzt. Neu, passend gepolstert. Bevor ihr die zweitbesten Socken anzieht, wascht lieber ein Paar der erstbesten mit der Hand aus.

Unterwäsche: Genug für jeden Tag, ist klar, ne? Hier helfen Wäschesäcke, die kann man tagsüber auch mal an den Rucksack hängen. Ladies, Sport-BHs sind eure neuen besten Freunde, glaubt mir.

Kleidung: Ihr braucht nicht für jeden Tag etwas Neues. Wer auch mal wäscht oder auslüftet, der spart Gewicht. Wichtig: Nehmt verschiedene Lagen mit, vor allem für Bergwanderungen. 

Zahnpasta, Duschgel und Co.: Sprecht euch ab! Nicht jeder muss alles tragen. Außerdem gibt es in Drogerien meist kleine Probier- und Reisegrößen. Kein Grund, die 300-Milliliter-Shampoo-Flasche mit zu schleppen, wenn ihr in der Woche nur zweimal die Haare wascht. Praktisch sind auch die kleinen Tütchen aus Zeitschriften. PS: Sonnenschutz ist dein Freund. Niemand mag Hautkrebs.

Flipflops, Schlappen: Oder ganz weiche Ballett-Schuhe, ihr wisst schon, die aus der Grundschule. Am Abend brauchen die Füße die Luft der Freiheit. Gönnt sie ihnen.

Mülltüte: Müll in der Natur zurücklassen ist a) uncool und b) zunehmend verboten.

Leichtes Essen: Ja, Müsliriegel sind absurd ungesund – sie sind aber auch schnell verfügbare Energie. Und sie matschen dir nicht den Rucksack voll. Auch gut: Kekse, Obst, Nüsse, vielleicht eine Hand voll Brötchentüten, damit ihr euch an den Frühstückstischen gut bedienen könnt. Übrigens: Alles, was ihr mit der Hand essen könnt, braucht kein Geschirr.

Taschenlampe: Wenn’s mal wieder länger dauert, hilft eine kleine Lampe. Wählt eine leichte mit LEDs, da halten die Akkus am längsten. Und bitte, löst euch von diesem dummen Mythos namens Stirnlampe. Stirnlampen sind Mist. Es gibt wirklich nichts schlimmeres, als von seinem Wandergefährten unabsichtlich geblendet zu werden. Ein Blick ins Feuer verdirbt die Nachtsicht.

Dinge für den Notfall: Und jetzt alle: BLA-SEN-PFLAS-TER! BLA-SEN-PFLAS-TER! BLA-SEN-PFLAS-TER! Sandalenerprobte Frauen gehen sowieso nie ohne aus dem Haus. Eine dicke Blase hat schon so manche Tour ruiniert – wer anfängt, in Schonhaltung über den Berg zu schleichen, dem tun ganz schnell auch die Knie weh. Auch gut: Schmerztabletten für unerwartete Überlastungen, Kompressen und hautfreundliches Klebeband für Abschürfungen, Sicherheitsnadeln, ein kleines Nähset, Mückenschutz und etwas gegen den Juckreiz.

Was man nie braucht

Schlüsselbund, große Handtücher, Bücher. Vergesst es, echt. Im Film „Wild“ wird die beste aller Fragen gestellt: Kannst du ohne dieses Teil die nächsten Tage nicht überleben? Ist die Antwort Nein, dann lass es daheim. Jeden Schlüssel, jede unnötige Flasche werdet ihr tagelang auf dem Rücken tragen.

Auch bei der Öko-Frage solltet ihr euch selbst die Nächsten sein: Klar sind Glasflaschen toll. Aber die labberige Pfandflasche könnt ihr genauso jederzeit auffüllen und sie wiegt nur so viel wie ein Brief. Je heißer, desto mehr Flaschen braucht ihr. Rechnet mal damit, etwa doppelt so viel zu trinken, wie an einem gammeligen Bürotag. Und Handtücher? Ganz ehrlich, bitte spart euch die Handtücher. Zu groß, zu sperrig, zu schwer – und sie trocknen viel zu langsam. Im Sportgeschäft bekommt ihr kompakte Tücher aus Mikrofaser, die könnt ihr ausschlagen und wieder einpacken. 

Was nützlich sein könnte

Leichte Karabiner: Braucht nicht jeder, kann aber beim Transport nasser Sachen oder stinkiger Socken helfen. Manchmal ist man doch froh, etwas nicht in den Rucksack stopfen zu müssen.

Regenzeug: In diesem heißen Sommer mag das absurd klingen, aber die Investition in eine leichte, knüllbare Regenjacke kann sich lohnen. Es gilt: Wetterbericht checken, vom Schlimmsten ausgehen. Ich bin auch schon mal vier Tage lang in Regenjacke und Hose gewandert. Man ist nass und gleichzeitig trocken, ein wunderbares Gefühl. Übrigens bin ich kein Fan mehr von Softshell-Jacken. Schick in der Stadt, für harten englischen Regen empfand ich sie als absolut ungeeignet. Das Gewicht hätte ich mir echt sparen können. Cooler: ein großes Regencape. Übrigens lohnt sich auch die Investition in eine wasserfeste Hülle für den Rucksack. Klamme Unterwäsche ist der Teufel!

Tütchen: Tüten oder kleine Frischhaltebeutel schützen Smartphone und Co. im Regen.

Powerbank: Große, leistungsstarke Powerbanks sind natürlich toll – kleine leichte aber auch. Checkt mal, wie viele Ladungen ihr im Ernstfall für euer Smartphone braucht. Wer nachts in eine Pension geht, der dürfte selbst nach einem verirrten Tag mit zwei-drei Ladungen auskommen. Wer zelten will, braucht mehr.

Strick- oder Stretchrock: Das ist mein ultimativer Geheimtipp. An kühlen Tagen passt der Rock über jede Hose, ich ziehe ihn mir hoch bis über die Nieren. Wärmer kann man sich gar nicht fühlen, gleichzeitig gibt’s keinen Hitzestau. Perfekt. 

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