Lohnt sich Fährwellenreiten in Warnemünde?

Die Welle der Fähre, die aus Dänemark in Warnemünde einläuft, soll die perfekte Einsteigerwelle sein... Aber stimmt das? Und wann musst du im Neoprenanzug und mit Surfboard an welchem Spot sein? Der reisereporter verrät es dir!

Surfer und SUPler auf der Ostsee in Warnemünde
Auf der Suche nach der perfekten Fährwelle am Ostseestrand in Warnemünde.

Foto: Sarah Wahnelt

Das Wellenreiten auf der Fährwelle in Warnemünde bei Rostock ist ein einzigartiges Phänomen, das der Öffentlichkeit noch gar nicht so lange bekannt ist. Dabei ist die Fährwelle quasi „vom Aussterben bedroht“ – und das, obwohl eigentlich nur die Umwelt geschützt werden soll.

Seit 2015 setzt die dänische Reederei Scandlines auf Hybridfähren, die durch die neue Bauweise wesentlich weniger Wasser verdrängen. Dadurch „schieben“ die Schiffe beim Einfahren in den Hafen weniger Wasser vor sich her, das auf den Strand zuläuft und durch die Sandbänke schließlich zu einer Welle wird. 

Seit dem Einsatz der neuen Fähren sind die Wellen zwar nicht völlig ausgeblieben, aber du musst schon wissen, wo der perfekte Spot ist, um die Wellen voll auszukosten. Auch hat bei mäßigen Wetterbedingungen meist nur die erste Welle ausreichend Energie, um dem Wellenreiter genügend Anschub zu verleihen.

Es gibt die Fährwellen also noch, aber du musst zur richtigen Zeit am richtigen Spot sein. Für Surf-Anfänger bedeutet das aber auch, dass sie womöglich nicht genug Chancen erhalten, um eine Welle zu bekommen, auf der sie ihre ersten Stehversuche machen können. Und dann heißt es: zwei Stunden warten.

Wann musst du bereit sein?

In Warnemünde laufen zwischen 8 und 20 Uhr alle zwei Stunden zwei Fähren ein. Die ein kommt aus dem schwedischen Trelleborg (TT Lines) und die andere aus Gedser in Dänemark (Scandlines). Aber nur die dänische Fähre macht die richtige Welle.

Wenn du die Fähre am Horizont erkennen kannst, dauert es auch gar nicht mehr so lang bis die Wellen an den Strand rollen. Also: Spätestens jetzt musst du deinen Neo anziehen und dein Board bereithalten. Dann, wenn die Fähre kurz vor der Mole an der Hafeneinfahrt angelangt ist, musst du eigentlich schon im Wasser sein. Das ist meist gegen 8.20 Uhr, 10.20 Uhr, 12.20 Uhr.... bis 20.20 Uhr.

Die höchsten Wellen gibt es tendenziell zu den Randzeiten, also die frühste und späteste Fähre. Diese fahren etwas zügiger in den Hafen ein und sind auch voller beladen, weil jetzt die meisten Lkws übersetzen. Außerdem musst du dir darüber bewusst sein, dass wirklich nur die ersten paar Wellen (manchmal reduziert sich das Set guter Wellen auch auf eine einzige) gut laufen und über ausreichend Energie verfügen, um dich die Welle reiten zu lassen.

Wo ist der beste Spot?

Die Locals sagen, dass die Wellen früher auch weiter von der Hafeneinfahrt entfernt sehr gut liefen. Zehn Minuten lang sollen wohl auf Höhe des Beach House von Supreme Surf die Wellen gebrochen sein. Seit dem Einsatz der Hybridfähren musst du allerdings so nah wie möglich an die Mole heran. Das heißt, du nimmst am besten den Strandaufgang 1 und hältst dich dann weiter östlich. Hier ist das Wasser sehr flach und du musst ein ganzes Stück hineinlaufen bevor du überhaupt paddeln kannst. Wenn du das Gefühl hast, dass die Welle hier doch nicht so gut läuft, kannst du auch beobachten, wo die Locals auf ihren Surfboards und SUPs ins Wasser gehen.

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Welches Board eignet sich für die Fährwelle?

Wenn du einen Surfkurs bei einer der örtlichen Surfschulen machst, wirst du mit einem Softtop oder Longboard ausgestattet. Da die Welle doch eher zaghaft an den Strand rollt und weniger den riesigen Winterwellen in Portugal gleicht, brauchst du definitiv ein langes Board. Die Softtops bieten außerdem für Einsteiger den nötigen Auftrieb, um auch mit weniger Erfahrung schnell die erste Welle surfen zu können.

Warum solltest du unbedingt mal Fährwelle reiten?

Ja, die Fährwelle ist einzigartig und wenn du in Warnemünde bist, kannst du dir ruhig auch mal einen halben Tag Zeit nehmen. Selbst die zwei Stunden Wartezeit kannst du mit einem Cocktail an der Beach Bar oder mit einem kleinen Stadtbummel am Alten Strom gut verbringen. Dennoch könnten blutige Anfänger auch enttäuscht sein von dem nur kurze Zeit währenden Ereignis.

Nach einer größeren Welle ist der Zauber bei weniger optimalem Wetter (Sturm oder auflandiger Wind) nämlich schon vorbei und eigentlich würdest du am liebsten gleich noch eine halbe Stunde lang weiter den Stand auf dem Board üben.

Für einen reinen Wellenreiten-Urlaub eignet sich Warnemünde also doch nicht. Wenn du hingegen sagst: Klar, einmal probiere ich das Wellenreiten aus, aber danach steige ich auch gerne aufs Skimboarden, Wind- oder Kitesurfen um – dann ist Warnemünde genau das Richtige für dich.

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Die Autorin
Seit sie für ein halbes Jahr in Japan war, ist sie jede freie Minute unterwegs. Ob Wochenendausflug an die Nordsee zum Surfen, Fahrradtour durch Schweden und Estland, Kletterurlaub ... mehr
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