Der Fall des US-Studenten Otto Warmbier, der kurz nach seiner Freilassung aus Nordkorea gestorben ist, sorgt derzeit für Aufsehen. Das US-Außenministerium warnt vor Reisen in das Land. Und auch das Auswärtige Amt schreibt auf seiner Webseite: „Von nicht erforderlichen Reisen in die Demokratische Volksrepublik Nordkorea wird dringend abgeraten“ – auch, wenn eine konkrete Gefährdung deutscher Staatsbürger bislang nicht gesehen werde (Stand: 20. Juni 2017).

Aber: Reisen nach Nordkorea sind nicht unmöglich. Das Land steht zwar für Überwachung und Abschottung, gleichzeitig öffnet es sich aber auch für den Tourismus.

Welche Regeln müssen Reisende beachten? Welche Einschränkungen gibt es? Und wie läuft so eine Reise in das Land eigentlich ab? Wir haben bei Harry Reingruber, Inhaber der Agentur „German Travel Network“ (GTN), nachgefragt. Sie bietet seit zehn Jahren Nordkorea-Reisen an und wird dies auch weiterhin tun. „Wir ziehen keine Konsequenzen aus dem aktuellen Vorfall“, so Reingruber.

Der Experte schätzt: „Maximal 200 deutsche Touristen reisen pro Jahr nach Nordkorea.“ Offizielle Zahlen von der nordkoreanischen Regierung gebe es nicht.

So läuft eine Reise nach Nordkorea ab

Touristen, die in das Land reisen wollen, müssen eine Pauschalreise buchen – eine komplette Tour mit Wagen und Reiseleiter. Sie brauchen außerdem ein Visum. Die Organisation übernimmt der Reiseveranstalter, er fordert auch das Visum über die Botschaft an. „Die Zusammenarbeit mit den Behörden ist einfach, einfacher als mit vielen anderen Ländern“, sagt Reingruber.

Auf eigene Faust frei bewegen, das geht nicht“

Harry Reingruber, „German Travel Network“

In Pjöngjang werden die Reisenden am Flughafen empfangen – und sind ab diesem Zeitpunkt praktisch nicht mehr allein: „Es sind immer zwei Begleiter dabei. Auf eigene Faust frei bewegen, das geht nicht“, erklärt Reingruber. Nicht machbar sei es zum Beispiel, abends spontan noch etwas trinken zu gehen. „Das Hotel in Pjöngjang sollte man nicht verlassen, ohne dass es mit den zwei Begleitern abgesprochen ist.“ 

Was sollten Touristen in Nordkorea unterlassen?

Wenn Touristen in Nordkorea unterwegs sind, gilt es einiges zu beachten.

  • Das Fotografieren von Soldaten und militärischen Anlagen ist verboten.
  • Kritische Nachfragen zum Land sind nicht gern gesehen. „Auch tiefschürfende Nachfragen wird keiner beantwortet bekommen“, so der Reingruber.
  • Auch unkontrollierte spontane Unterhaltungen mit Nordkoreanern könnten die Angesprochenen in Schwierigkeiten bringen, heißt es beim Auswärtigen Amt.

Es gibt zudem Dinge, die sollten Touristen nicht mit ins Land bringen: „Pornografie etwa oder deutsche Zeitungen, die sich kritisch mit Nordkorea befassen“.

Diese Einschränkungen gibt es für Touristen in Nordkorea

Vom Internet müssen sich Reisende für die Zeit in Nordkorea verabschieden. „Mobiles Netz gibt es nicht“, erklärt der Experte. Nach Deutschland telefonieren könne man aber. Im Hotel. „Die Anrufe müssen angemeldet werden, das klappt aber meist problemlos.“

Mit Kreditkarte zahlen oder Geld abheben klappt in Nordkorea ebenfalls nicht. „Es gibt keine Geldautomaten“, so Reingruber. Touristen müssen Bargeld mitbringen, bezahlt werden kann aber überall in Euro oder US-Dollar. Mit der einheimischen Währung, dem nordkoreanischen Won, kommen sie nicht in Berührung. 

Mit Strom- und Wasserausfällen müssen Touristen ebenfalls rechnen, so das Auswärtige Amt. 

Welche Orte sehen Touristen – und welche nicht?

„Die nordkoreanische Regierung fördert den Tourismus in ihrem Land“, sagt Reingruber. Aber sie bestimmt auch, was Touristen besichtigen. „Orte, die Nordkoreaner gern zeigen, sind zum Beispiel ein großes Staudammprojekt. Außerdem werden Touristen gern zur demilitarisierten Zone zur Grenze mit Südkorea gefahren. Inzwischen kann man auch an den Strand, viele Touristen wollen in die Berge“, sagt Reingruber. 

Was Touristen hingegen nicht sehen sollen: Militärische Anlagen und die Armut im Land. 

„Das hat immer etwas Bizarres. Manchmal lüftet sich der Vorhang und man merkt, dass es eine Inszenierung ist, die man dort sieht“, sagt Thomas Reichart, Leiter des ZDF-Studio-Leiter Peking, über seine Besuche in Nordkorea. In einem Facebook-Live-Video schilderte er seine Eindrücke aus dem Land: