Lermoos, ein winziger Ort mit knapp 1000 Einwohnern, der vor der gewaltigen, durch die Zugspitze gekrönten Alpenkulisse noch kleiner wirkt, als er eh schon ist. Ein typisches Stück Tirol, rustikal, gemütlich – und dennoch modern und sportlich.

Es ist die Ausgangsbasis für die Eroberung der Alpen durch zwei optimistische Erwachsene und ihre zum Teil etwas skeptischen Mitreisenden (fünf Jahre und ein Jahr alt). „Heute erleben wir etwas Besonderes“, verkündet der Vater seinen Kindern am Morgen. „Wir gehen auf die längste Hängebrücke der Welt“, sagt er stolz. „Das wird toll, Kinder. Richtig, richtig toll“, überschlägt sich seine Stimme in Euphorie. Der Kleine hört erst gar nicht zu, macht nur „brumm brumm“. Und die Große setzt sofort mit diesem Nadelstich zum Konter an: „Ich will an den Pool.“ Punkt.

Highline 179 – die längste Hängebrücke der Welt

Schnell wird klar, dass ein tiefer Gripp in die Trickkiste nötig ist, um zumindest einen Hauch von Begeisterung in die kindlichen Gemüter zu zaubern. Die Vorzüge der Highline 179, der die Tiroler Fernpassstraße B 179 in über 100 Metern Höhe überspannt, müssen einfach kindgerechter präsentiert werden. Die technischen Daten, die für Erwachsene durchaus beeindruckend sind, taugen nicht dafür. Dass die Konstruktion seit 2012 über stolze 406 Meter und somit als längste Hängebrücke der Welt ein Tal überspannt – geschenkt.

Aber dass sie die Ruine Ehrenberg mit dem Fort Claudia verbindet – das ist spannend. „Kann der Prinz jetzt zur Prinzessin?“, wird gefragt. „Wohnt da Dornröschen? Und wo ist Cinderella?“ „Äh, bestimmt“, ist die gestammelte Antwort. Und das Signal zum Aufbruch. Ab ins Auto und hoch zum Parkplatz auf der Seite der Burg Ehrenberg.

In gerade noch kleinkindgerechter Entfernung und nach 20 Minuten Fußweg liegt sie vor uns – und schwingt sich majestätisch hinab ins Tal und wieder hinauf auf die andere Seite. Dass wir die Kinderkarre nicht mitnehmen können, ist eine gefundene Ausrede für den nicht ganz schwindelfreien oder aber schlafenden Teil dieser Familie.

Zugspitze: In 15 Minuten auf den Gipfel

Vater und Tochter dagegen machen sich auf den Weg, den der Prinz und die Prinzessin bestimmt auch gehen, wenn sie sich heimlich treffen. Na klar. Was aus der Distanz noch nach sehr viel Überwindung aussieht, wird schnell zum gemütlichen Spaziergang in luftiger Höhe. Der Mensch gewöhnt sich an alles – auch an das leichte Schwingen dieser gewaltigen Stahlkonstruktion. Mit der richtigen Geschichte als Motivation ist das erste Abenteuer erlebt. Und wo wir gerade bei Prinzessinnen und Burgen sind: Schloss Neuschwanstein ist nur 20 Kilometer von hier entfernt.

In Tirol geht es überall hoch hinaus – und die Highline 179 kann nur das Aufwärmprogramm gewesen sein. Denn natürlich führt kein Weg vorbei an der Zugspitze (2962 Meter), deren Gipfel mit der Tiroler Zugspitzbahn in nur 15 Minuten zu erreichen ist.

Bei gutem, sonnigem Wetter wähnen wir uns an diesem höchsten Punkt Deutschlands auf einem mächtigen Podest über den Alpen. Bei guten Wetterbedingungen haben Besucher vier Länder gleichzeitig im Blick: Deutschland, Österreich, Italien und die Schweiz. Dabei ist die Zugspitze umzingelt von Bergen, die noch deutlich höher sind – dem Großglockner (3.798 Meter) im Osten oder der Wildspitze (3.772 Meter) und dem Piz Bernina (4.055 Meter) im Süden. Und doch ist es gewaltig, was so hoch oben errichtet wurde. Dort, wo Österreich und Tirol auf Deutschland und Bayern treffen.

Zugspitze: Ein beeindruckender Berg  

Empfehlenswert ist hier durchaus, sich einer Führung anzuschließen, um mehr über den Bau der Seilbahnen und der miteinander verbundenen Bergstationen auf beiden Seiten der Zugspitze zu erfahren, über den beeindruckenden Berg mit der höchsten Forscherdichte der Welt und den Gipfel mit der Kapelle, die einst von Kardinal Ratzinger gesegnet wurde – dem späteren Papst Benedikt. Eine Belohnung für die Kinder, die tapfer durchhielten, ist hier oben auch drin – mit einer Bratwurst oder einer Brezel im höchsten Biergarten Deutschlands.

Und wieder unten? „Ich will in den Pool“, hören wir auch am Ende eines solch ereignisreichen Tages wieder. So ganz ohne geht es dann doch nicht. Aber nach so einem Tag in Tirol haben wir uns die Entspannung auf der Liege und den Spaß im Wasser auch wirklich redlich verdient. Erst recht die Kinder.

Hotel Alpenrose ist eine der besten Adressen

Lermoos zählt zu den wichtigsten Tourismusgebieten Österreichs. Pro Jahr verzeichnet die kleine Gemeinde rund eine halbe Million Übernachtungen. Auch Johann Wolfgang von Goethe gehört zur langen Liste der Besucher; der Dichter machte am 20. März 1790 auf dem Weg nach Italien halt in Lermoos. Wo er damals übernachtete, ist nicht überliefert. Heute zählt das Hotel Alpenrose für Familien zur besten Adresse am Platze. Ein All-inclusive-Kinderhotel, das zu den besten im ganzen Land zählt – und seinen Preis hat. „Dabei war es ursprünglich eine kleine Pension mit gerade mal 34 Betten“, erzählt Hotelchef Ernst Mayer.

Von seinen Schwiegereltern übernahmen er und seine Frau die Pension in den Siebzigerjahren. „Aber eigentlich nur widerwillig. Ich wollte nicht 365 Tage im Jahr arbeiten und am Ende doch kein Geld in der Tasche haben“, sagt Mayer und lacht. Dann kam ihm die Idee mit dem Kinderhotel – „wir wollten weg vom Rentner-Image“ – und der Erfolg kam fast von selbst. Heute hat das Hotel 90 Zimmer, Apartments und Suiten. Mehr als 130 Mitarbeiter verwöhnen die Gäste oder betreuen die Kinder in großzügig gestalteten Räumen mit Riesentrampolin, Piratenland, mehreren Pools und viel Platz zum Toben, Spielen oder einfach nur Entspannen.