In punkto Hygiene ist Lehrerin Emmanuelle Gombert so streng wie eine viktorianische Gouvernante. „Wenn ihr eure Finger abgeleckt habt, dürft ihr gleich zum Waschbecken gehen und die Hände waschen“, sagt die Pariserin. Und die Versuchung, gleich von den Fingern zu kosten, ist groß an diesem Nachmittag, an dem in der gemütlichen Schulküche bei „Cook’n with Class“ ein aufsehenerregendes französisches Dessert nach dem anderen entsteht.

Emmanuelle Gombert erklärt, warum die braune Butter für die „Financiers“, kleine, goldbarrenähnliche Gebäckstücke, gut gerührt werden muss, warum die Bäckercreme auf der Schokotarte nicht ohne Gelatine auskommt und wie man die großen Spritzbeutel handhabt, ohne die gesamte Küche zu verwüsten. 

 

Emmanuelle liebt ihren Job in der englischsprachigen Kochschule im Stadtteil Montmartre. Bei „Cook’n with Class“ genießt sie das lockere, internationale Ambiente und den Austausch mit den Kochschülern aus aller Herren Länder. Heute stehen die Australierin Shiobhan Hegarty, Iris Tsang aus Hongkong und die Taiwanerin Nancy Hsien am Küchenarbeitstisch, um die Zubereitung von Crème brûlée, Schokocreme und Passionsfruchtsoufflé zu lernen. Das Soufflé sei in ihrer Heimat sehr begehrt – und sehr teuer, erzählt Nancy Hsien, und Iris Tsang nickt zustimmend.

Auch die Crème brûlée mit ihrer Haube aus geschmolzenem Zucker sei in asiatischen Städten gefragt – nicht zuletzt wegen der Film-Pariserin Amélie, die den knusprigen Karamell auf ihrem Dessert so gerne mit dem Löffel zertrümmert. 

Macarons: Kleine Kunstwerke selbst gemacht

Damit die Süßigkeiten sicher gelingen, steht Emmanuelle mit einer Fülle hilfreicher Tipps zur Seite. „Du musst den Souffléteig gut schlagen“, weist sie Nancy Hsien an, die ihren Schneebesen daraufhin noch schneller schwingt. „Sobald der Teig dick ist, stellst du den Topf zurück auf den Herd, bis der Teig Blasen schlägt.“

Pürierte Passionsfrucht und Banane geben der Mischung das besondere Etwas, bevor Shiobhan Hegarty den Teig mit routinierten Bewegungen in die ofenfesten Förmchen füllt. In ihrer Heimatstadt Perth arbeitet sie in einer Bar, wo auch kleine Snacks und so Exotisches wie Wodka mit Speckgeschmack angeboten werden. Für ihren Besuch bei Freunden in Paris hat sie sich den Kochkursus im Internet gebucht. „Ich koche einfach wahnsinnig gerne für Freunde.“   

 

Die Neugier auf original französische Leckereien hat auch die Amerikanerinnen Karin Gahr, Liz Wesseling und Susan Turnquist in die Pariser Kochschule geführt. Sie wollen lernen, wie man Macarons zubereitet. Die zarten, quietschbunten Kunstwerke liegen schon seit einigen Jahren im Trend.

Die Zubereitung braucht Zeit, bis die Füllungen vorbereitet, die Zutaten gesiebt, der Teig bis zur richtigen Konsistenz gerührt und die kreisrunden Teigkleckse auf das Blech gespritzt sind. Am Ende stehen vor den Kochschülerinnen aber wahre Kunstwerke mit einer aromatischen Füllung aus Karamell, Beeren oder weißer Schokolade zwischen knusprigen Teighälften.

Paris, eine einzige Verführung

Dass die mit gekauften Macarons durchaus mithalten können, zeigt ein Besuch beim berühmten Hersteller Ladurée, wo allerdings weitaus mehr Geschmacksrichtungen angeboten werden – bis hin zu den fast schwarzen Lakritzmacarons. Gleich neben dem Geschäft in der Rue Royale lockt der traditionelle Teesalaon von Ladurée, der schon wegen seines Interieurs einen Besuch wert ist. Unter den Ölgemälden und dem goldenen Stuck aus der Belle Époque fühlt man sich regelrecht aus der Zeit gefallen.

Auch einer anderen Köstlichkeit aus dem Bereich der süßen Leckereien sollte man beim Parisbesuch seine Aufwartung machen: der Schokolade. Am besten geht das im Schokoladenmuseum, das praktischerweise ebenfalls in Montmartre beheimatet ist. Dort wird in Englisch, Französisch und Spanisch die Geschichte der Schokolade erzählt: von den ersten Anfängen des Kakaos bei den Maya über die Kultivierung des Schokolade-haltigen Getränkes bei den Adeligen im Barock bis hin zur modernen Pralinenindustrie – Naschen inklusive.