Bleiben Flugtickets von Airberlin gültig?

Die Sommersaison läuft noch. Viele Passagiere sind verunsichert und fragen sich, ob ihr Flug in den Urlaub mit Airberlin tatsächlich stattfindet. Die Airline wirbt um Vertrauen: Der Flugbetrieb solle weitergeführt werden, teilt das Unternehmen mit. Alle Flüge von Airberlin und Niki würden weiterhin stattfinden, gebuchte Tickets seien nicht bedroht. Es können auch weiterhin Tickets gebucht werden, betont ein Sprecher. Die Bundesregierung hilft mit einem Übergangskredit von 150 Millionen, das soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

Eurowings-Flüge, die von Airberlin durchgeführt werden

Mehr als 30 Maschinen samt Personal von Airberlin fliegen für die Lufthansa-Töchter Eurowings und Austrian Airlines. Für diese Flüge besteht keine Gefahr: Die Flugzeuge wurden in die Gesellschaft Air Berlin Aeronautics verlagert, damit sie nicht in die Insolvenzmasse fließen.

Allerdings kam es bei Airberlin und Niki (die Airline bedient haupstächlich Urlaubsziele rund ums Mittelmeer) bereits vor der Insolvenz im Jahr 2017 schon verstärkt zu Annulierungen und Verspätungen. Der Grund dafür waren unter anderem Engpässe beim Personal und dem Bodendienstleister. 

Stefanie Müller, Sprecherin des Fluggastrechte-Portals „Flightright“, nennt ein Beispiel: „Allein an Pfingsten 2017 waren bei Airberlin 26 Flüge von Verspätung oder Annullierung betroffen. Das entspricht Entschädigungsansprüchen in Höhe von schätzungsweise einer halben Million Euro.“

Müller sagt: „Die Probleme bei Airberlin kommen auch bei uns an.“ Seit Beginn 2017 bis Anfang Juni haben sich zahlreiche Kunden an Flightright gewendet, die Ansprüche auf Entschädigung haben. „Das sind doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres.“

Diese Rechte haben Passagiere, wenn der Flug gestrichen wird

Grundsätzlich ist es so: Wenn Airberlin einen Flug streicht, dann steht Reisenden im Normalfall entweder der Ticketpreis zu oder sie können sich auf einen anderen Flug umbuchen lassen.

Kunden stehen laut der EU-Fluggastrechteverordnung Entschädigungen zwischen 250 und 600 Euro zu. Die Ausnahme: Wenn der Flug aufgrund eines Streiks oder schlechtem Wetter gestrichen wird – das gilt als außergewöhnlicher Umstand.

Insolvenz von Air Berlin: Bekommen Passagiere ihr Geld zurück? 

Allerdings: Wenn die Insolvenzmasse nicht mehr ausreicht, den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten, sieht es anders aus. Was ist dann mit dem Geld fürs gebuchte Ticket, gibt's das zurück? „Das kommt drauf an“, sagt Paul Degott, Anwalt für Reiserecht dem reisereporter. „Wenn der Flug Teil einer Pauschalreise ist, können Kunden beruhigt sein.“

Dann gibt es eine gesetzliche Absicherung, der Reiseveranstalter steht in der Verantwortung. Er muss dafür sorgen, dass die Beförderung sichergestellt ist. „Und es ist gesetzlich festgelegt, dass sich jeder Pauschalreiseveranstalter gegen Insolvenz und Zahlungsunfähigkeit absichern muss“, so Degott. So sei auch das Kundengeld sicher.

Weniger Hoffnung macht er Passagieren, die ihren Flug direkt bei Airberlin gebucht haben. Denn hier gibt es diese gesetzliche Absicherung nicht. „Das Geld wäre dann vermutlich weg“, so Degott. Denn Kunden stünden in der Gläubigerkette hinter Arbeitnehmern und Banken. Das gelte normalerweise auch, wenn Passagiere einen Flug über Portale wie Opodo oder Expedia buchen. „Denn das sind nur Vermittler, der Vertragspartner ist Air Berlin“, so Degott.

Behalten Gutscheine ihre Gültigkeit?

Ja. „Gutscheine können noch eingelöst werden“, sagt Degott. Am besten machen das Gutscheininhaber aber so schnell wie möglich. Denn wenn ein Insolvenzverfahren eröffnet wird, entscheidet der Insolvenzverwalter, ob das für die Gutscheine bezahlte Geld in die Insolvenzmasse fließt. Und dann würde das gleiche wie für direkt gebuchte Flüge gelten: Es wäre schwierig, überhaupt nur einen Teil der Kosten dafür erstattet zu bekommen.

News: Was ist bei Airberlin eigentlich los?

Airberlin schreibt mit einer Ausnahme seit 2008 rote Zahlen, die Schulden der Airline liegen bei mehr als einer Milliarde Euro. Eine Kooperation vom Tuifly und  Airberlins Schwesterunternehmen Niki platzte. Seit Ende März verschärfte sich die Lage mit Umstellung auf den Sommerflugplan. Nun hat Hauptaktionär Etihad erklärt, keine weitere finanzielle Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Daraufhin hat Airberlin den Insolvenzantrag gestellt.