Air Berlin pleite: Ist der Flug sicher? | reisereporter.de

Insolvenz von Air Berlin: Was ist mit meinem Flug?

Air Berlin ist pleite, das Insolvenzverfahren von der zweitgrößten Airline Deutschlands ist am 1. November eröffnet worden. Die Lufthansa kauft große Teile, Ende Oktober stellte Air Berlin den eigenen Flugbetrieb ein. Was Kunden der Airline jetzt wissen müssen.

Flugzeuge von Air Berlin auf dem Flugfeld in Tegel.
Die Langstreckenflieger von Airberlin bleiben ab dem 15. Oktober am Boden (Symbolfoto).

Foto: imago/foto2press

Die aktuelle Lage bei Air Berlin

Das Insolvenzverfahren von Air Berlin ist am 1. November vom Amtsgericht Charlottenburg eröffnet worden, dem Antrag von Air Berlin auf Eigenverwaltung wurde stattgegeben. Lufthansa kauft große Teile von Air Berlin, außerdem übernimmt easyJet 25 Maschinen. Den eigenen Flugbetrieb stellte Air Berlin ab dem 28. Oktober komplett ein.

Zunächst war nur das Langstreckenangebot gestrichen worden. Der letzte Langstreckenflug ging am 15. Oktober 2017 aus den USA nach Düsseldorf – der Pilot verabschiedete sich mit einem spektakulären Flugmanöver, das Folgen hatte.

Diese Rechte haben Passagiere, wenn der Flug gestrichen wird

Grundsätzlich ist es so: Wenn eine Airline einen Flug streicht, dann steht Reisenden im Normalfall entweder der Ticketpreis zu oder sie können sich auf einen anderen Flug umbuchen lassen.

Kunden stehen laut der EU-Fluggastrechteverordnung Entschädigungen zwischen 250 und 600 Euro zu. Die Ausnahme: Wenn der Flug aufgrund eines Streiks oder schlechtem Wetter gestrichen wird – das gilt als außergewöhnlicher Umstand.

Insolvenz von Air Berlin: Bekommen Passagiere ihr Geld zurück? 

Allerdings: Wenn die Insolvenzmasse von Air Berlin nicht mehr ausreicht, den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten, sieht es anders aus. Was ist dann mit dem Geld fürs gebuchte Ticket, gibt's das zurück? „Das kommt drauf an“, sagt Paul Degott, Anwalt für Reiserecht dem reisereporter. „Wenn der Flug Teil einer Pauschalreise ist, können Kunden beruhigt sein.“

Dann gibt es eine gesetzliche Absicherung, der Reiseveranstalter steht in der Verantwortung. Er muss dafür sorgen, dass die Beförderung sichergestellt ist. „Und es ist gesetzlich festgelegt, dass sich jeder Pauschalreiseveranstalter gegen Insolvenz und Zahlungsunfähigkeit absichern muss“, so Degott. So sei auch das Kundengeld sicher.

Weniger Hoffnung macht er Passagieren, die ihren Flug direkt bei Air Berlin​ gebucht haben. Denn hier gibt es diese gesetzliche Absicherung nicht. „Das Geld wäre dann vermutlich weg“, so Degott. Denn Kunden stünden in der Gläubigerkette hinter Arbeitnehmern und Banken. Das gelte normalerweise auch, wenn Passagiere einen Flug über Portale wie Opodo oder Expedia buchen. „Denn das sind nur Vermittler, der Vertragspartner ist Air Berlin“, so Degott.

Air Berlin hat die Auszahlung von Entschädigungen eingestellt

Alle Tickets (auch für einen Langstreckenflug), die vor der Stellung des Insolvenzantrages am 15. August 2017 gebucht wurden, seien nicht mehr erstattbar, teilt die Airline mit. Das habe insolvenzrechtliche Gründe.

So sieht es bei Entschädigungsansprüchen im Falle eines Flugausfalls oder einer Verspätung aus: Alle Entschädigungsforderungen auf Flügen, die vor dem 15. August 2017 durchgeführt worden sind, können nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu einer Insolvenztabelle angemeldet werden – derzeit befindet sich Air Berlin noch in einem vorläufigen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. 

Eurowings-Flüge, die von Air Berlin durchgeführt werden

Mehr als 30 Maschinen samt Personal von Airberlin fliegen für die Lufthansa-Töchter Eurowings und Austrian Airlines. Für diese Flüge besteht keine Gefahr: Die Flugzeuge wurden in die Gesellschaft Air Berlin Aeronautics verlagert, damit sie nicht in die Insolvenzmasse fließen.

Allerdings kam es bei Air Berlin und Niki (die Airline bedient haupstächlich Urlaubsziele rund ums Mittelmeer) bereits vor der Insolvenz im Jahr 2017 schon verstärkt zu Annulierungen und Verspätungen. Der Grund dafür waren unter anderem Engpässe beim Personal und dem Bodendienstleister. 

Stefanie Müller, Sprecherin des Fluggastrechte-Portals „Flightright“, nennt ein Beispiel: „Allein an Pfingsten 2017 waren bei Air Berlin 26 Flüge von Verspätung oder Annullierung betroffen. Das entspricht Entschädigungsansprüchen in Höhe von schätzungsweise einer halben Million Euro.“

Müller sagt: „Die Probleme bei Air Berlin kommen auch bei uns an.“ Seit Beginn 2017 bis Anfang Juni haben sich zahlreiche Kunden an Flightright gewendet, die Ansprüche auf Entschädigung haben. „Das sind doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres.“

Behalten Gutscheine ihre Gültigkeit?

Gutscheine können nicht mehr eingelöst werden, auch das Geld dafür wird nicht mehr ausgezahlt. Der Insolvenzverwalter entscheidet nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens, ob das für die Gutscheine bezahlte Geld in die Insolvenzmasse fließt. Und dann würde das gleiche wie für direkt gebuchte Flüge gelten: Es wäre schwierig, überhaupt nur einen Teil der Kosten dafür erstattet zu bekommen.

Was ist bei Air Berlin eigentlich los?

Air Berlin schreibt mit einer Ausnahme seit 2008 rote Zahlen, die Schulden der Airline liegen bei mehr als einer Milliarde Euro. Eine Kooperation vom Tuifly und Air Berlins Schwesterunternehmen Niki platzte. Seit Ende März verschärfte sich die Lage mit Umstellung auf den Sommerflugplan. Dann hatte Hauptaktionär Etihad erklärt, keine weitere finanzielle Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Daraufhin hat Air Berlin am 15. August 2017 den Insolvenzantrag gestellt.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
#Trending
Zur
Startseite