Ich habe in den letzten fünf Jahren zwei Kinder bekommen und war ganz viel an der Nordsee. Ist schön da. Aber ich musste mal wieder ganz weit weg, mein Fernweh wurde langsam richtig nervig, vor allem für meinen Mann. Also habe ich geduldig den fünften Geburtstag meines Sohnes abgewartet und kurz danach zwei Returntickets nach Hongkong gebucht. Mitte Mai, kurz bevor in China die Regenzeit einsetzt, ist es dann endlich soweit – ich fliege mit meinem Sohn ans andere Ende der Welt.

Sheung Sze Wan („Schäng-Tsi-Huan“) heißt die Gegend, die für die nächsten 14 Tage unsere Base in Hongkong sein wird. Sie liegt ganz im Osten von Hongkong in der Nähe von Clearwater Bay, eine Tatsache, die mich China-Neuling bei den ersten Taxifahrten eindeutig rettet.

Je ländlicher es in Hongkong wird, desto weniger Englisch sprechen die Taxifahrer; und sie können es auch nicht lesen oder verstehen. Ehemalige britische Kronkolonie hin oder her, ein Notizzettel mit der Adresse in lateinischer Schrift nützt da leider überhaupt nichts. Und so wird der Heimweg durch die vielen Kreisverkehre immer wieder ein kurvenreiches Erlebnis. Please turn right here. Heeeeere! RIIIIIIIGHT! NOOOOOOW!!!! THIIIIIIIIS WAY. YEEEEEES. Yes. Thank you. 

Der Blick von der Dachterrasse unserer deutschen Gastfamilie ist beeindruckend. Hongkong kann nicht nur Skyline und Smog, es kann auch viel Meer.
Der Blick von der Dachterrasse unserer deutschen Gastfamilie ist beeindruckend. Hongkong kann nicht nur Skyline und Smog, es kann auch viel Meer. Foto: Julia Kloppe

Wer über einen guten Orientierungssinn verfügt, wird zu Fuß wenig Probleme haben in Hongkong, denn die Beschilderung ist in der ganzen Stadt zweisprachig: Englisch und Kantonesisch. Unser Dreh- und Angelpunkt ist die MTR Station Hang Hau, von der wir etwa 30 Minuten in die Innenstadt benötigen.

Hang Hau gehört zu den New Territories, ist Start und Ziel mehrerer Schulbusse und verfügt über zwei feine Shopping Malls mit einem MUJI Store, Cotton On, Stradivarius, UNIQLO – sprich allem, was ich mag und in Hamburg nicht habe. Ich dachte ja, Hongkong sei sehr teuer und daher zum Einkaufen eher unattraktiv (für mich). Tja, so kann man sich irren.

Öffentliche Verkehrsmittel in Hongkong: Alles easy

Da die Geduld eines fünfjährigen Jungens beim Einkaufen aber endlich ist, waren wir nur zweimal kurz in der Mall und sind ansonsten direkt in die Bahn Richtung Innenstadt („Central“) gestiegen. Über passendes Kleingeld mussten wir uns in Hongkong fast nie Gedanken machen. Die praktischen Octopus Cards können an jeder MTR Station und jedem Seven Eleven gekauft werden. Aufgeladen wird jeweils mit 100 Hongkong-Dollar (oder 200, 300 und so weiter), das sind umgerechnet etwa 11,50 Euro. Und damit kannst du ziemlich häufig hin- und her- und quer fahren.

Kinder zahlen natürlich weniger als Erwachsene und bekommen eine eigene Octopus Card – sehr zur Freude von Luis. Genau wie ich es aus London kenne, müssen wir mit unseren Karten durch Schranken gehen, die sich mit einem Piep öffnen und das verfügbare Guthaben auf der Karte auf einem kleinen Display anzeigen.

In Hongkong wird übrigens niemand in einen vollen Zug gequetscht, wie wir das wahrscheinlich alle schon einmal von Tokio gehört haben. Die Bahnen fahren meist im Zwei-Minuten-Takt und es gibt genügend Platz, auch zu den Stoßzeiten. In North Point müssen wir die Tseung Kwan O Line verlassen und in die Island Line (Hongkong Island) steigen. Alles ist sehr gut ausgeschildert, das Verlaufen und Umherirren wird einem quasi unmöglich gemacht.

Eine U-Bahnfahrt in Hongkong ist sehr entspannend. Die Chinesen reden wenn nur leise miteinander, die meisten beschäftigen sich still mit ihren Smartphones. Wir haben nie einen Hund gesehen, niemand hat gegessen oder getrunken. Alles sauber und rein, fast schon steril.
Eine U-Bahnfahrt in Hongkong ist sehr entspannend. Die Chinesen reden wenn nur leise miteinander, die meisten beschäftigen sich still mit ihren Smartphones. Wir haben nie einen Hund gesehen, niemand hat gegessen oder getrunken. Alles sauber und rein, fast schon steril. Foto: Julia Kloppe

Unternehmungen in der Innenstadt 

 1. The Peak, der höchste Punkt Hongkongs

Wer sehr gut zu Fuß ist (auch bei knapp 30 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit), kann von Central aus zur Peak Tram laufen und mit einer besonderen Straßenbahn zum höchsten Punkt Hongkongs fahren. (Achtung: Vorher auf der Karte den Weg heraussuchen, denn dieser ist ausnahmsweise nicht gut ausgeschildert) 

Die Skyline ist atemberaubend – findet auch Luis, der seinen Fotoapparat gar nicht mehr von seiner Nase wegnimmt.

Luis und ich haben uns abends für die einfachere und schnellere Variante entschieden und sind zum großen Bus Terminus gelaufen. Von dort aus fährt die Linie Nummer 15 direkt zum Peak und so ein klimatisierter Doppeldeckerbus ist schließlich auch ein Erlebnis für Jung und Alt, vor allem für den, der oben ganz vorn sitzen kann.

Auf dem Peak angekommen, musst du für den Aussichtsturm mit Dachterrasse wieder anstehen – und bezahlen. Als wir die Spitze erreichen, ist es bereits nach 20 Uhr und mein Sohn zählt normalerweise um diese Uhrzeit Schafe. Die Wartezeit ist auf Tafeln angegeben und wird auf zwei Stunden geschätzt und so machen wir ein paar Fotos links und rechts des Gebäudes. Leider sind ein paar Wolken im Anmarsch, trotzdem ist die Skyline atemberaubend – findet auch Luis, der seinen Fotoapparat gar nicht mehr von seiner Nase wegnimmt.

Vom Peak hat man einen fantastischen Blick auf die Skyline Hongkongs. Kleiner Tipp: Auf der Rückseite des Gebäudes gibt es öffentliche Toiletten und davor ist eine Treppe, die den Berg herunter zur mittleren Station der Peak Tram führt. Von der Treppe aus lassen sich ganz passable Fotos machen.
Vom Peak hat man einen fantastischen Blick auf die Skyline Hongkongs. Kleiner Tipp: Auf der Rückseite des Gebäudes gibt es öffentliche Toiletten und davor ist eine Treppe, die den Berg herunter zur mittleren Station der Peak Tram führt. Von der Treppe aus lassen sich ganz passable Fotos machen. Foto: Julia Kloppe

Im Aussichtsturm gibt es unten ein Café, das Hongkong Eggelettes (eine Art Waffel) mit Tee-Eiscreme verkauft und da Zucker bekanntlich gegen Müdigkeit hilft, darf Luis diese Spezialität trotz des frechen „Touristenpreises“ (7,50 Euro!) gern probieren. Und ja, es schmeckt köstlich. Für die Rückreise vom Peak entscheiden wir uns für ein Taxi, als wir die Schlange an der Busstation entdecken. Taxifahren in Hongkong ist zum Glück sehr erschwinglich. Für die gut 50 Minuten nach Hause zahle ich rund 20 Euro. 

Das Café Eggelette im Erdgeschoss des Aussichtsturms.
Das Café Eggelette im Erdgeschoss des Aussichtsturms. Foto: Julia Kloppe

2. Straßenbahn fahren in Hongkong

Mein Sohn steht total auf Züge, Busse, Fähren, Flugzeuge und alles, was sich bewegt und kein langweiliges Auto ist. In Hongkong gibt es nicht nur Doppeldeckerbusse, sondern auch Doppeldeckerstraßenbahnen. Das hatten wir bereits zu Hause recherchiert und Luis’ Vorfreude auf eine Fahrt mit diesen hübschen bunten Waggons ist ansteckend. Seit 1904 verbinden die Straßenbahnlinien den Westen mit dem Osten der Stadt, von früh morgens bis Mitternacht, und an Bord kann man in aller Ruhe Hongkong entdecken. Neu für uns: Wir steigen hinten ein und zahlen vorn beim Aussteigen. Preislich bewegen wir uns immer im Cent-Bereich und machen einen ganzen Nachmittag nichts anderes als hin- und herzufahren. 

Zwischendurch steigen wir aus, um ein paar Pommes zu essen und ein bisschen durch die kleinen Gassen abseits der Hauptstraßen zu bummeln. Luis sucht sich eine Kinderuhr für umgerechnet 2 Euro aus und ich kaufe uns als Souvenir zehn bunte Kugelschreiber mit Hongkong-Schriftzug. 

Die großen, rumpelnden Schienenfahrzeuge mit den bunten Werbebotschaften stehen nicht nur bei fünfjährigen Deutschen hoch im Kurs. Hier sehen wir viel mehr offensichtliche Touristen (wie uns) als in der U-Bahn.
Die großen, rumpelnden Schienenfahrzeuge mit den bunten Werbebotschaften stehen nicht nur bei fünfjährigen Deutschen hoch im Kurs. Hier sehen wir viel mehr offensichtliche Touristen (wie uns) als in der U-Bahn. Foto: Julia Kloppe

3. Mit der „Star Ferry“ fahren

Was kommt nach den Straßenbahnen? Na klar, die Fähren! Die „Star Ferry“-Fahrt nach Tsim Sha Tsui (auf der anderen Seite des Victoria Harbour) dauert nur zehn Minuten und ist eine wunderbare Alternative zur MTR. Ähnlich günstig wie die Straßenbahn und sehr regelmäßig getaktet, sind die Fähren ein ebenso beliebtes Transportmittel.

Das Wetter ist zwar keine Wucht aber hey, wir sind Hamburger...

Wieder sind wir abends unterwegs, um die Lasershow auf Hongkong Island vom gegenüberliegenden Kowloon aus zu betrachten. Um 20 Uhr ist es dann soweit und wir haben unerwartet viel Platz zum Fotografieren. Ja, das Wetter ist keine Wucht aber hey, wir sind Hamburger. Für uns sind 23 Grad und leichter Nieselregen fast schon hochsommerlich. 

Hongkong ist die teuerste Stadt der Welt. Für eine zentral gelegene, familientaugliche 4-Zimmer-Wohnung auf Hongkong Island fällt eine Miete von 7.000-8.000 Euro/Monat an, ein kleines Paket irische Butter kostet 3,80 Euro, eine Packung Actimel gut 9 Euro.
Hongkong ist die teuerste Stadt der Welt. Für eine zentral gelegene, familientaugliche 4-Zimmer-Wohnung auf Hongkong Island fällt eine Miete von 7.000-8.000 Euro/Monat an, ein kleines Paket irische Butter kostet 3,80 Euro, eine Packung Actimel gut 9 Euro. Foto: Julia Kloppe

Gut gelaunt und kein bisschen müde (welcher Jetlag?) machen wir uns auf den Rückweg. Vorher haben wir uns noch ein paar Prospekte aus dem Kowloon Visitor Centre direkt am Star Ferry Pier mitgenommen. Neben vielen Einkaufstipps gibt es hier unter anderem eine detaillierte Karte von Hongkong. Mit Blick auf Luis wird uns das Science Museum empfohlen und wir nehmen uns vor, bald wieder nach Kowloon zu schippern. Für heute sagen wir der Megacity erst einmal Gute Nacht.