Kuriose Urteile: Wenn der Urlaub vor Gericht endet

Dreiste und kuriose Beschwerden von Urlaubern, heftige Urteile: Hier kommen einige wirklich lesenswerte Fälle, in denen die Reise vor Gericht endete.

Frau sitzt bei Regen am Strand unter einem Sonnenschirm
Regen am Urlaubsort ist kein Grund für Schadenersatz. Dies ist nur eins von vielen kuriosen Reiseurteilen. (Symbolbild)

Foto: imago/robertharding

Kuriose Urteile zu Flugreisen

Flugverbot für stinkenden Passagier

Ein Passagier wurde auf Hawaii vor Abflug aus dem Flugzeug von British Airways geworfen. Der Grund war sein strenger Körpergeruch. Ein Flugbegleiter bat ihn, sein Hemd zu wechseln. Das konnte der Passagier aber nicht, das Gepäck war im Frachtraum. Die Airline hat die Beförderung von Reisenden mit „extremen Körpergeruch“ in den Geschäftsbedingungen ausgeschlossen. Der Betroffene klagte vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf auf 2.200 Euro Schadensersatz. Am Ende bekam er die Kosten für eine zusätzliche Hotelübernachtung zurück, 260 Euro.
(OLG Düsseldorf, AZ: I-18U 110/06)

Bordeaux statt Porto: Pech gehabt

Eine undeutliche Aussprache im Reisebüro kann teuer enden, das musste eine sächsisch sprechende Kundin feststellen. Sie wollte nach Porto fliegen, artikulierte aber den gewünschten Zielort dialektbedingt nicht klar. Die Mitarbeiterin des Reisebüros buchte einen Flug nach Bordeaux. Die Sächsin weigerte sich, die 294 Euro für den Flug nach Frankreich zu zahlen. Das Reisebüro forderte vor dem Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt den Reisepreis ein. Der Richter gab dem Büro recht: Ein Kunde sei dafür verantwortlich, dass er im Reisebüro richtig verstanden werde.
(AG Stuttgart-Bad Cannstatt, Az.:12 C 3263/11)

Schnarchen im Flugzeug

Die anderen müssen damit klarkomen, du kannst weiterschnarchen. In einem Fall vor dem Amtsgericht Frankfurt ging’s um einen schnarchenden Sitznachbarn auf einem Langstreckenflug nach Südafrika. Der genervte Fluggast erhielt kein Schmerzensgeld. Denn: Lärmende Fluggäste seien nur eine Unannehmlichkeit und kein Reisemangel, so das Gericht. 
(AG Frankfurt, Az.: 31 C 842/01-83)

Betrunken pöbeln im Flugzeug

Zunächst einmal kann es passieren, dass du gar nicht erst ins Flugzeug kommst. Zum Beispiel steht in den Beförderungsbedingungen von Air Berlin, dass die Fluggesellschaft die Beförderung oder Weiterbeförderung eines Fluggastes ablehnen oder vorzeitig abbrechen kann, wenn „Anweisungen der Besatzung, insbesondere in Bezug auf das Rauchen und den Konsum von Alkohol, missachtet werden“.

Sprich, im schlimmsten Fall landet das Flugzeug zwischen, wenn ein betrunkener Passagier pöbelt oder randaliert. Und so ein Zwischenstopp kann den Betrunkenen schon mal 100.000 Euro kosten. Inklusive ist der Aufenthalt bei der Polizei, weil der Betrunkene gegen die Luftsicherheitsvorschriften verstoßen hat.

Für die anderen Fluggäste besteht in einem solchen Fall übrigens kein Recht auf Entschädigung. Denn betrunkene Pöbler gelten als außergewöhnlicher Umstand. 
(AG Frankfurt am Main, Az.: 32 C 4265/14).

Neun Jahre Haft fürs Rauchen auf der Bordtoilette

Für einen britischen Passagier begann die Reise mit Drinks an der Flughafenbar und endete im Gefängnis. Er hatte während des Fluges auf der Flugzeugtoilette geraucht, die noch brennende Zigarette in den Mülleimer geworfen und damit einen Brand ausgelöst. Weil die Crew diesen zunächst nicht löschen konnte, setzte der Pilot zur Notlandung an – an Bord waren rund 200 Menschen. Ein Passagier, der Feuerwehrmann ist, konnte das Feuer schließlich löschen. Der britische Passagier muss neuneinhalb Jahre ins Gefängnis.

Anschnallpflicht im Flugzeug

Ein Pilot darf Passagiere, die sich nicht anschnallen wollen, aus dem Flugzeug werfen. Eine Gruppe von 146 Personen weigerte sich, sich während des Starts hinzusetzen und anzuschnallen. Der Flugkapitän brach den Start deshalb ab und schmiss die Gruppe raus. Die Gruppe wollte Schadensersatz, weil sie Ersatztickets kaufen musste. Das Gericht sagte: Gibt's nicht. Die Passagiere hätten durch ihr Verhalten eine vertragsgerechte Beförderung verhindert. Es gelte beim Start und bei der Landung eine Anschnallpflicht. Der Pilot sei für die sichere Beförderung verantwortlich und habe luftpolizeiliche Hoheitsgewalt.
(OLG Frankfurt, Az.: 13 U 231/09)

Kuriose Urteile zum Reiseort

Wenn’s regnet: Pech gehabt

Im Urlaub hast du keinen Anspruch auf Sonnenschein. Auch nicht am Roten Meer, wo es in manchen Regionen nur alle zehn Jahre mal regnet. Ein Urlauber hatte trotzdem Pech, es war ihm zu kalt und zu verregnet. Er forderte vom Reiseveranstalter Geld zurück. Die Richter vom Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt wiesen die Klage ab – für Regenwetter gibt es keinen Ersatz. 
(AG Stuttgart-Bad Cannstatt, Az.: 10 C 801/96)

Affen sind in Afrika normal

Wenn ein Urlauber in Kenia mit einer Banane in der Hand rumläuft, darf er sich nicht wundern, wenn ein wilder Affe ihn beißt. Ja, dieses Urteil gibt's wirklich. Der Kläger hatte die gelbe Frucht vom Frühstücksbuffet mitgenommen. Diese erregte das Interesse eines Affen, der auf dem Hotelgelände herumlief. Er schnappte nach der Banane und biss den Hotelgast in den Finger. Die Folge: Die Wunde entzündete sich und musste behandelt werden. Der Tourist klagte gegen den Reiseveranstalter, der ihn vor einer möglichen Gefahr durch wilde Affen hätte warnen müssen. Pech für den Kläger, das Gericht hatte wenig Verständnis. In Kenia müssten Urlauber nun mal mit wilden Affen rechnen.
(AG Köln, Az.: 138 C 379/10)

Einheimische am Urlaubsort

Ein Paar hatte ernsthaft geklagt, weil sie sich den Strand ihres Urlaubsortes auf Mauritius mit Einheimischen teilen mussten. Der Mann und seine Frau hatten sich gestört gefühlt, unter anderem deshalb wollten sie den Reisepreis mindern (zudem sei das Essen am Hotel-Buffet ungenießbar gewesen). Klar: Das Gericht wies die Klage ab. 
(AG Aschaffenburg, Az.: 13 C 3517/95)

Ratte im Hotelzimmer ist kein Reisemangel

Eine Ratte im Hotelzimmer. Angenehm ist anders. Aber ein Reisemangel ist das nicht, entschied das Amtsgericht Köln. Die Kläger hatten während eines Mallorca-Urlaubs tierischen Besuch. Die Balkontür stand zum Lüften auf, eine Ratte lief durch die Tür ins Zimmer. Die Familie wollte den Reisepreis um 50 Prozent mindern und verklagte den Reiseveranstalter. Das Gericht wies die Klage ab. Hotels müssten zwar dafür sorgen, dass grundsätzlich kein Ungeziefer in den Zimmern lebe. Aber: In südlichen Urlaubsländern, vor allem mit Massentourismus, seien Ratten keine unübliche Erscheinung. Mit ihnen müsse daher gerechnet werden, auch wenn das Hotel auf Sauberkeit und Hygiene achte. 
(AG Köln, Az.: 142 C 78/15)

Auch Russen sind kein Reisemangel

Eine deutsche Familie wollte den Reisepreis mindern, weil sie sich in ihrem Hotel in der Türkei von „unmöglichen“ und „rüpelhaften“ russischen Gästen belästigt fühlten. 80 Prozent der Gäste seien Russen gewesen. Das Landgericht Düsseldorf wiegelte ab: Mit anderen Nationalitäten in einem Hotel müssten Reisende nun mal rechnen. Auch das Benehmen der russischen Gäste sei von den deutschen Gästen rein subjektiv bewertet worden.
(LG Düsseldorf, Az.: 22 S 93/09)

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Die Autorin
Maike Geißler ist Redakteurin, Afrika-Fan, Abenteuer-Suchende. Seit sie zwei Monate in Namibia für eine Zeitung gearbeitet hat, ist Fernweh ihr ständiger Begleiter. Hat keine Lust ... mehr
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