Urlaubs-Unterkunft gratis: So geht’s | reisereporter.de

So bekommst du deine Unterkunft im Urlaub gratis

Biete Stadthaus, suche Villa mit Meerblick... Warum ein Hotelzimmer oder ein Ferienhaus mieten, wenn du auch tauschen kannst und die Unterkunft dann kostenlos ist? Klingt cool. Aber ist ein Haustausch tatsächlich eine lohnende Alternative zum Hotelurlaub?

Ein Familie röstet am Lagerfeuer Marshmallows
Entspannter Familienurlaub: Klappt das mit Haustausch? (Symbolfoto)

Foto: imago/Westend61

Der Sommerurlaub von Familie Kischke wird ein Mix aus Billigurlaub und Abenteuer: Sie tauschen ihr Haus in Berlin für mehrere Wochen mit einer Familie auf Bali. Für ihre Unterkunft zahlen sie keinen Cent und tauchen ein in den Alltag und die Umgebung der anderen. Zuhause bei Fremden.

Gefunden hat die Berliner Familie – Papa Andreas, Mama Katrin und die beiden Söhne Ben (11) und Pepe (8)  – ihre Ferienunterkunft im Internet. Auf Portalen wie „Haustauschferien“, „Homelink“, „Home for Home“ und „invented city“ können registrierte Mitglieder Fotos und Steckbrief ihres Hauses und sich selbst hochladen sowie bevorzugte Reiserziele angeben. Dann geht's auf die Suche nach Haustauschpartnern.

Eine Mitgliedschaft kostet bei „Haustauschferien“ beispielsweise 130 Euro pro Jahr. Wenn sich ein Tauschpartner findet, kommt nichts mehr drauf. Das heißt: Gezahlt werden müssen An- und Abreise sowie Verpflegung, die Unterkunft ist gratis. Und da ist es dann auch egal, ob es ein Studenten-Apartment ist, ein Einfamilienhaus oder gar eine Luxusvilla mit Pool, Sauna und Personal. „Wir hatten zum Beispiel in Frankreich ein ganz tolles Landhaus: riesig, an der Küste und mit Pool“, erinnert sich Andreas Kischke.

Familie Kischke im Stadion
Die Kischkes sind inzwischen echte Haustausch-Profis. Foto: privat

Das Prinzip Haustausch hat viele Fans: So hat das Portal „Haustauschferien“, die deutschsprachige Seite von „Homeexchange“, inzwischen mehr als 1.400 Mitglieder, weltweit machen knapp 70.000 Mitglieder aus 149 Ländern mit. Im Durchschnitt tauscht jedes deutsche Mitglied 2,5 Mal pro Jahr das Haus mit anderen Mitgliedern. 

Andreas und seine Familie liegen drüber, in diesem Jahr seien insgesamt vier Haustausche angedacht. Sie sind inzwischen fast schon Haustausch-Profis. „In den vergangenen zwei Jahren waren wir schon in Spanien, Frankreich, Österreich, Dänemark und Brasilien“, erzählt Andreas. 

Früher hat die Familie Hotelurlaub gemacht oder Apartments gemietet. „Heute machen wir praktisch nur noch Urlaub per Haustausch“, erzählt Andreas. Eine wichtige Rolle spiele dabei selbstverständlich das Finanzielle. „Eine Unterkunft für eine vierköpfige Familie ist normalerweise wahnsinnig teuer, vor allem in den Ferien, auf die wir angewiesen sind. Gefühlt sparen wir sparen pro Urlaub 40 bis 50 Prozent“, erzählt Andreas. Dann schmunzelt er und fügt hinzu: „Am Jahresende kommen wir aber bei plus minus Null raus, denn wir machen seit wir Häuser tauschen häufiger Urlaub.“

Neben des finanziellen Arguments gibt es für Andreas noch einen Punkt, der für den Haustausch spricht: Das Beste sei eigentlich, dass sie an Orte reisen, die sie vorher gar nicht auf dem Schirm hatten. „Die Tauschhäuser stehen oft nicht in touristischen Regionen, sondern da, wo die Einheimischen tatsächlich leben.“

Jeder sollte sich bewusst sein, dass er seine Privatsphäre freigibt.

Andreas Kischke

Die Tauschpartner bereiten einander eine Mappe mit Tipps zu Sehenswürdigkeiten, Lokalen und wichtigen Telefonnummern vor. „Da sind oft tolle Empfehlungen bei. In Italien waren wir in Pizzerien, die ich in keinem Reiseführer gefunden habe“, so Andreas. In Brasilien seien sie gleich bekocht worden – als Überraschung am ersten Abend. 

Dieses Erlebnis sei eine lustige Anekdote, erzählt Andreas: „Er kam abends mit einigen vollen Tüten zu uns und ging gleich ans Werk. Eine halbe Stunde später standen sage und schreibe 100 Austern auf dem Tisch. Meine Kinder haben jeder genau eine davon probiert. Meine Frau hat fünf geschafft. Ich habe mir wirklich viel Mühe gegeben, aber mehr als 20 waren einfach nicht zu schaffen.“ Andreas lacht. Den Freund des Hausbesitzers schien es nicht zu stören. Er nahm die Reste mit – „da haben sich seine Kinder sicher schon auf auf ein leckeres Austern-Menü gefreut.“

Dass gleich auch die Freunde der Hausbesitzer mitgetauscht werden, ist eher selten. Aber Autos, Fahrräder und sogar Haustiere sind keine Seltenheit. Ganz wichtig sei daher: loslassen können. „Denn jeder sollte sich bewusst sein, dass er seine Privatsphäre freigibt.“

Damit habe er aber kein Problem. „Uns gibt es eher ein gutes Gefühl, wenn wir wissen, dass da jemand in unserem Haus ist, während wir verreisen. Es steht nicht einfach wochenlang leer.“ 

Im Hotel schläft man ja auch in Betten, die schon etliche Fremde zuvor benutzt haben. Wo ist der Unterschied?

Silke Maria Schneider

Das sieht Silke Maria Schneider aus Hamm ähnlich. Sie hat bereits dreimal ihr Haus getauscht – jedes Mal Holland. „Für Menschen, die krampfhaft an ihrem Hab und Gut festhalten, ist das nichts“, sagt sie. Ihre Freunde sagten immer: „Tolle Sache, aber ich selbst würde das nicht machen.“ Eine häufige Frage sei: Die schlafen dann ja auch in deinem Bett, ist das nicht komisch? Darüber mache sie sich keine Gedanken, erklärt Silke Maria. „Im Hotel schläft man ja auch in Betten, die schon etliche Fremde zuvor benutzt haben. Wo ist da der Unterschied?“

Wer Lust auf dieses Abenteuer hat, sollte ein paar Kriterien erfüllen: „Man sollte neugierig sein, Lust auf ein Abenteuer haben und flexibel sein“, sagt er. Außerdem bedeute ein Haustausch mehr Planungsaufwand als ein Pauschalurlaub – Profilpflege, Kontakt mit potenziellen Tauschpartnern aufnehmen, Bewertungen checken, eine Vertrauensbasis schaffen. 

Was tun für die Sicherheit im Haus?

Doch bei allem Vertrauen, dass sich die Tauschpartner entgegenbringen sollten: Der Abschluss einer Tauschvereinbarung ist ratsam. Entsprechende Formulare gibt es auf den Websites der Tauschorganisationen.  „Das Thema Sicherheit nehmen wir sehr ernst und wir verfügen über ein spezielles Trust & Safety-Team“, so Susanne Dahn, Sprecherin von „Haustauschferien“.

Beide Tauschpartner sollten außerdem eine Hausrat- und Haftpflichtversicherung haben. Die Portale selbst haften nicht. „‚Haustauschferien‘ ist eine Online-Vermittlungs-Plattform für Haustausche. Das heißt, sie vermittelt nur die Tausche zwischen den Mitgliedern und kann deswegen keine Haftung übernehmen“, erklärt Dahn. Jedoch versuche das Portal im Fall von Problemen zu vermitteln und Lösungen zu suchen.

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