Neulich ist eine unbedeutende Kleinigkeit passiert: Ich saß in Köln am Gate und wartete. Ich war früh da, deshalb saß ich ganz vorn, direkt an der Glastür. Mein Flieger würde erst in einer knappen Stunde starten. Ich schaute die Fotos der vergangenen Tage durch, als eine Frau von Ryanair auf mich zukam, ohne Umweg, und einen Schild an meinen Koffer machte.

Ich dachte, es sei einer dieser „Approved Cabin Bags“-Anhänger. Was da gerade passiert war, erkannte ich erst, als der Mann hinter mir lautwütend zu protestieren begann. Mein Koffer war einkassiert. Und der ist wirklich sehr klein. Das Problem: Man kriegt den Koffer auch nicht wieder. Wen es trifft, der muss sich nach der Landung ans Band stellen. Zeitplan? Kannste vergessen. 

Ich kann den hasserfüllten Blick der Ryanair-Angestellten sogar verstehen. Es ist ja jeden Tag das gleiche Problem: Passagiere bezahlen für eine Leistung und bekommen sie dann nicht, was natürlich irgendwo im Kleingedruckten angekündigt war, aber wenn du deshalb am Ende deine Bahn verpasst und deine Kinder vorm Schlafengehen nicht mehr siehst, dann ist das verdammt egal. Noch dazu, wenn du extra früh am Flughafen bist, Ryanair aber nicht, wie angekündigt, die ersten 90 Koffer an Bord lässt, sondern stattdessen die ersten am Schalter aussortiert. Geht ja schneller.

Ich habe schon die absurdesten Dinge gesehen. Eine Rentnerin, die mit Laptop und Kamera in den Händen (!) ins Flugzeug steigen musste. Eine Frau, deren „Koffer“ kaum größer als ein Karton Druckpapier war und trotzdem aufgegeben werden musste. Ein Mann, der nicht aus seinem verspäteten Flieger gelassen wurde, um zum Anschlussflug zu kommen. Weil: „Jetzt steigen erst einmal in aller Ruhe unsere Business-Class-Gäste aus.“ Zwei zerbrochene Koffer – einer Hartschale, einer weich – und in beiden waren die Sachen fremder Leute drin. Und einmal, auf dem Weg nach Manchester, waren mehrere Flugbegleiter betrunken.

Versteht mich nicht falsch: Ich habe schon viel tolles in Flugzeugen erlebt. Einen Flugbegleiter, der ganz viele Passagiere umsortierte, damit jeder mit seinen Liebsten zusammensitzen konnte. Jahrelang immer wieder ein Glas Wasser vor dem Start, als ich noch unter Flugangst litt. Erkennt ihr den Unterschied? Die guten, das sind die Menschen, jedenfalls die, die nicht gerade von ihrem Job aufgerieben werden. Das System ist das Problem. 

Hier ist meine Unterstellung: Die machen das Economy-Fliegen immer unbequemer, damit wir Priority-Tickets buchen. Und ganz ehrlich... Da lass ich mir lieber in der Bahn einen Kaffee bringen.

Korrigiert mich ruhig, aber ich habe den Eindruck, dass so ziemlich alle Angestellten der Bahn ihren Job ganz gern machen. Die sind nett!

Es gibt da nämlich ein Problem, das man bei den Airlines noch nicht ganz verstanden zu haben scheint: Die Bahn will immer besser werden. Bei Flügen häufen sich bestenfalls die Zwischenfälle, schlimmstenfalls die Ausfälle. Bahnfahren hat manchmal seine Tücken, ich weiß. Aber denken wir mal an die normale, kaum der Rede werte Zugreise: Bequeme Sitze, echt okaye Beinfreiheit, die Toiletten werden immer sauberer und korrigiert mich ruhig, aber ich habe den Eindruck, dass so ziemlich alle Angestellten der Bahn ihren Job ganz gern machen. Die sind nett!

Neulich ergatterte ich einen Sparpreis von München nach Berlin, 30 Euro – erste Klasse. Das war super. Und für den Preis kann man auch nicht fliegen. Alle 90 Minuten haben wir Schokoriegel bekommen, das Internet ist unbegrenzt, Kaffee kann man sich bestellen, viel Beinfreiheit, gute Sitze und es ist soooo ruhig. Dazu kommt: So viel schlimmer ist es in der zweiten Klasse ja gar nicht. Man sitzt da richtig gut, Kaffee gibt’s auch und das Internet funktioniert zumindest meistens. 

Dagegen zeigte mir ein Bekannter neulich dieses Foto seines letzten Fluges mit Air Berlin. Da kann er noch froh sein, dass die Fluggesellschaft ihn nicht mit dem Bus von Berlin nach Stuttgart geschaukelt hat, 13 Stunden Reisezeit, alles schon vorgekommen.

 

@airberlin Kundenbindungsprogramm Symbolbild. #tegel #berlin #tallguys

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Ich hatte mal eine Praktikantin, die war immer ganz böse, weil ich flog, statt Bahn zu fahren. Natürlich hatte sie Recht: Der CO2-Verbrauch so eines Fluges ist pro Person viel höher. Aber ich war bequem und ich hatte in meinem Vollzeit-Job auch nicht das Bedürfnis, nach der Arbeit noch fünf Stunden im Zug zu sitzen.

Das allerdings war eine idiotische Rechnung: Zur Flugzeit kommen schließlich noch Anreisezeit, Wartezeit, Flug, aussteigen, im Zweifel auf das Gepäck warten, Abreise vom Zielflughafen und all das ist verlorene Arbeitszeit. 

In diesem Sinne: Liebe Inlandsflüge, es war schön mit euch. Aber so bald werden wir uns wohl nicht wieder sehen. Es gibt da jemanden, der ist netter zu mir als ihr.