Im Nachbarland Kroatien boomt der Tourismus dank des riesigen Küstenabschnitts von Istrien bis nach Dubrovnik schon seit Jahren, Bosnien ist dagegen ein Geheimtipp. Noch.

198 Quadratkilometer groß ist zum Beispiel ein wunderschönes Fleckchen Erde ganz im Westen des Landes. Der Nationalpark Una, größter von insgesamt drei Nationalparks in Bosnien-Herzegowina, ist benannt nach dem gleichnamigen Fluss. Er durchzieht den Park auf einer Länge von etwa 200 Kilometern. Prädikat: Absolut sehenswert.

Der Unac-Wasserfall bei Martin Brod eignet sich für Wassersportler und bietet mit seinen steilen Felswänden einen beliebten Anlaufpunkt für Kletterer.
Der Unac-Wasserfall bei Martin Brod eignet sich für Wassersportler und bietet mit seinen steilen Felswänden einen beliebten Anlaufpunkt für Kletterer. Foto: Christian Fecke

Nordwestlich der Stadt Drvar beginnt der Nationalpark, er verläuft unmittelbar entlang der kroatischen Grenze. Vorbei am wunderschönen Ort Martin Brod mit seinem serbisch-orthodoxen Kloster Rmanj aus dem Jahr 1443, vorbei an früheren osmanischen Grenztürmen oder imposanten Burgruinen bis hin zur Ortschaft Ripac nahe der Universitätsstadt Bihac. 

2008 gegründet, entwickelt sich der Nationalpark Una, auch dank europäischer Fördergelder, rasant. Neue Wegweiser, mehrsprachige Hinweisschilder, Parkranger, die darauf achten, dass Parkgesetze eingehalten werden. All das ist neu.

Holzstege führen seit kurzem vorbei an den schönsten Naturschauspielen wie den atemberaubenden, 26 Meter hohen Wasserfall „Strbacki buk“. Rast- und Ruheplätze werden genutzt für mehrstündige Pausen, manchmal auch für einen ganzen Tagesaufenthalt. Der Nationalpark Una bietet mittlerweile mehrere, vor allem private Übernachtungsmöglichkeiten.   

Der weitläufige Nationalpark bietet jede Menge unberührte Landschaft.
Der weitläufige Nationalpark bietet jede Menge unberührte Landschaft. Foto: Christian Fecke

Der Park ist ein besonderes Naturerlebnis. Die Artenvielfalt sucht in Europa ihresgleichen. Viele vom Aussterben bedrohte Tierarten leben in dem dünn besiedelten Gebiet. Wildtiere wie Wolf, Bär, Wildschein, Rotwild und Luchs fühlen sich hier heimisch, genauso wie der See- und Steinadler, der Wanderfalke sowie weitere gut 120 Vogelarten. In den drei Parkflüssen Unac, Una und Krk schwimmen 15 Fischarten. Bestimmte Reviere mit besonderen Auflagen sind zum Fischen freigegeben worden. 

Vorbild des Nationalparks Una ist das nur gut 50 Kilometer entfernt gelegene Unesco-Weltnaturerbe, der Nationalpark Plitvice auf kroatischem Gebiet. Gut eine Million Besucher zählt Plitvice Jahr für Jahr. Davon ist das bosnische Pendant noch weit entfernt. 

Dafür aber bietet der Nationalpark Una weit mehr als sein berühmtes kroatisches Vorbild – zumindest bei den Freizeitmöglichkeiten. In bestimmten Zonen bieten gleich mehrere Anbieter Rafting-  oder Kajaktouren an. Schwimmen, tauchen oder Höhlentauchen sowie Mountain Bike-Touren sind ebenfalls möglich. 

Wildwasser-Rafting am Wasserfall Strbacki buk in Bosnien
Wer sich auf eine Wildwasserrafting-Tour im Nationalpark einlässt, dem werden Nervenkitzel und Action geboten. Foto: Christian Fecke

Gejagt werden darf im Übrigen auch. Im bewaldeten Gebiet befinden sich Reviere mit privaten Jagdhütten. Das Revier rund um den Ort Kulen Vakuf ist bei Fliegenfischern bekannt. Wer es gemütlicher mag, kann auch einfach nur campen oder das Gebiet zu Fuß erkunden. 

Auf den neuen Holzwegen können Besucher den Park entdecken.
Auf den neuen Holzwegen können Besucher den Park entdecken. Foto: Christian Fecke

Eine einmalige Natur zu erhalten und zu schützen: Das ist das begrüßenswerte, ursprüngliche Ziel bei der Planung des Nationalparks Una. Von diesem Ziel sind die Macher bis heute nicht abgerückt. Wer mal dort war, kommt wieder. Garantiert! Ich kann ein Lied davon singen …