Beim letzten Mal war’s am einfachsten: Wochenlang plante ich meinen Kurztrip nach Freiburg, komplett mit Lunch in der Freiburger Markthalle, Dinner im Hotel Zum Löwen, einem Stadtspaziergang am Münster und einer Wanderung den Schauinsland hinauf.

Der Berg und ich, wir hatten da noch eine Rechnung offen.

Also eigentlich zwei. Denn zweimal war ich den Berg bereits hinauf gestiegen, als ich noch in Freiburg lebte. Und beide Male ging das nicht so richtig gut. Deshalb überließ ich diesmal nichts dem Zufall, plante alles durch, flog nach Freiburg und ... wurde so krank, dass ich die Seilbahn zum Gipfel nehmen musste. Tja.

Isabell Prophet bei ihrem Wanderausflug im Schwarzwald zum Freiburger Schauinsland
reisereporterin Isabell Prophet auf dem Weg zum Gipfel Foto: Isabell Prophet

1.284,4 Meter ist der Schauinsland hoch. Wer oben ist, der schaut auf Freiburg, drumherum erstreckt sich der Schwarzwald, die Alpen erheben sich, der Mont Blanc ist manchmal auch zu sehen. Von Freiburg aus sind es etwa 14 Kilometer Weg – eigentlich auch hervorragend ausgeschildert. Wer die Günterstalstraße nach Süden läuft, kommt kurz hinter der Türkenlouisstraße links an eine kleine Straße, da rauf, links am Haus vorbei – voilá:

Hier geht’s nach oben.

Ein kleiner Pavillon markiert den Start, ein Schild sagt an: noch zwölf Kilometer. Klingt einfach? Nach zehn Minuten sehe ich das etwas anders. Willkommen bei meinem zweiten Versuch, diesen Berg hinauf zu kommen. Er beginnt mit einem Pfad durch den Wald – etwa einen Kilometer lang steil bergauf.

Ich trage ein T-Shirt, die Sonne scheint, die Welt ist in Ordnung, es ist absurd anstrengend, der Schwarzwald saugt mich direkt ein. Gut, man passiert auf dem Weg zum Gipfel auch mal ein paar Windräder. Doch die Natur ist hier oben noch lang nicht bezwungen. Meine Begleitung und mich überholen: Mountainbiker, Menschen mit kleinen Kindern, Schmetterlinge, Jogger.

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Wir passieren den Kybfelsen, dann geht es ein gutes Stück des Weges auf einem Bergkamm entlang. Das ist schön, weil die Aussicht über Hügel, Berge und kleine Dörfchen gleitet. Vielleicht hätte ich mich nicht ablenken lassen sollen. Denn obwohl ich sonst auf meinen inneren Kompass schwöre: Im Badischen hat er noch nie funktioniert. Mein Begleiter wird später sagen: „Ich hab mich schon gewundert, warum du am Hinweisschild so zielstrebig vorbei marschiert bist.“ Aber: „Ich dachte, du weißt, was du tust.“

Wusste ich nicht. Und als er das sagt, sind wir weit ab von jeder wandertouristischen Beschilderung. Wir sind einfach im blätterbedeckten Nichts, etwas später dann angekommen zwischen Fichten und im knietiefen Schnee. GPS? Funktioniert. Hilft uns ohne Internet-Empfang aber auch nicht weiter.

Bergauf kann ja aber nicht falsch sein, denke ich mir. Schließlich ist der Schauinsland zumindest im Umkreis einiger Kilometer der höchste Berg. Außerdem: So weit können wir auf keinen Fall gekommen sein, das sage ich laut. Innerlich überlege ich mir, ob wir wohl die Nacht überleben, falls wir hier oben bleiben müssen. Die Sonne versinkt hinter dem nächsten Bergkamm. Langsam wird es kälter.

Stur bergauf laufen funktioniert tatsächlich. Etwas später – sehr verfroren und mit schneenassen Füßen – erreichen wir das Plateau. Von hinten kommen wir an, vorbei am Sonnenobservatorium. Aufatmen. Und wir kriegen sogar noch die letzte Seilbahn.

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Oben angekommen genieße ich Spätzle mit dem vermutlich schlimmsten Wildragout aller Zeiten – egal, hier oben schmeckt wirklich alles. Und der Beilagen-Salat ist fantastisch, also was soll’s. Ich bestelle immer wieder das gleiche, seit ich das erste mal auf den Gipfel kroch, nachdem ich anderthalb Stunden lang Downhill-Rollern ausgewichen war.

Und das kam so:

Als ich gerade ein paar Monate in Freiburg wohnte, wollte ich unbedingt diesen Berg hinauf. Ich lebte am anderen Ende der Stadt in einer vergleichsweise flachen Gegend, hinter uns ein paar Weinhügel, aber sonst war’s eher unspannend. Wandern? Ich? Pah! Aber ich dachte mir, ich probiere es aus.

So fuhren wir eines Tages mit der Stadtbahn 2 bis Günterstal, dann mit dem Bus weiter bis nach Horben. Dort ist die Talstation der Schauinslandbahn. Für eine Einsteiger-Wanderung erschien mir das ganz klug: An der Talstation starten, die ist dann ja gar nicht so weit weg vom Gipfel. Weniger Strecke, weniger Höhenmeter, guter Plan.

Wäre es doch nur so einfach gewesen.

Der Weg ist eigentlich nicht übermäßig komplex. Man braucht ja nur den Schildern zu folgen; die Route von der Talstation gehen viele. Man überwindet allerdings die gleichen zwölf Kilometer und über 600 Höhenmeter, wie von Freiburg aus auch. Und man ist nicht allein. Da sind ja auch noch die Rollerfahrer.

Auf deren Strecke haben wir als Wanderer natürlich nichts zu suchen, folglich nichts verloren. Und ich kann bis heute nicht sagen, was schiefgelaufen ist. Das heißt: Wir sind schiefgelaufen. Wir hätten zurückgehen sollen, als uns der erste Rollerfahrer fast vom Weg rollerte.

Diese Roller dürft ihr euch nicht wie die kleinen Straßenflitzer vorstellen. Denkt mal zurück, als ihr so acht, neun Jahre alt wart: zwei Räder, ein tiefer Steg –  solche Roller sind das. Und wir standen zwischen ihnen und ihrem Ziel. Wie gesagt: Wir hätten umdrehen sollen. Was wir stattdessen taten: Wir hofften, die Wege müssten sich doch jederzeit nochmal überschneiden. Jetzt bald. Also gleich. Jetzt aber wirklich. Nein? Schade.

Verkürzt haben wir die Strecke durch unseren Abstecher auf die fremde Route – glücklich wurde dabei aber niemand. Wir nicht, weil der Weg verdammt steil ist und es wirklich nervenaufreibend ist, wenn hinter jeder Ecke ein Rollerfahrer hervorschießen könnte. Und die Rollerfahrer nicht, weil es wirklich nervenaufreibend ist, wenn hinter jeder Ecke ein idiotischer Wanderer stehen könnte. Also ich.

Und: Die Strecke der Rollerfahrer ist steil. Wirklich, wirklich steil. Soll ja auch so sein – soll ja Spaß machen. Wir dagegen kletterten durch den Matsch. Schlammverschmiert erreichten wir unser Ziel, direkt unter den Augen der nächsten Rollerfahrer, die sich oben bereit zur Abfahrt machten. Ich senkte den Blick. Ja, ich hab’s ja verstanden.

Und die Seilbahn? Ganz ehrlich – die ist super. 20 Minuten dauert die Fahrt mit der Schauinslandbahn von Horben auf den Gipfel; runter kommt man natürlich auch. Als ich erst einmal gen Gipfel schwebte, unter mir die Tannen des Schwarzwaldes, hinter mir der Himmel, vor mir der Berg, fühlte sich die Tour auch nicht mehr wie völliges Versagen an. Freiburg, ich komm’ nochmal wieder, ich hab da noch drei Rechnungen offen.

Isabell Prophet fotografiert die Schatten der Seilbahn bei ihrem Wanderausflug im Schwarzwald zum Freiburger Schauinsland
Die Seilbahn wirft Schatten auf das Land Foto: Isabell Prophet

Freiburg: Tipps für den Abend nach dem Aufstieg

Markthalle: Beim Perser-Stand gibt’s freitags und samstags Hähnchen mit Berberitzen und das ist möglicherweise das leckerste, was man mit Geflügel tun kann.

Unicafé: Klingt studentisch, ist es auch, aber das Essen ist spitze – Wein und Flammkuchen oder an kühlen Tagen eine wärmende Suppe.

Gasthaus zum Löwen in der Herrenstraße: Ein dunkles Ganter, Elsässer Wurstsalat und Brägele oder Zander oder Chateaubriand… Es ist einfach der badisch-kulinarische Himmel. Reservieren!