Menschen zu treffen, den Horizont zu erweitern, aus anderen Kulturen zu lernen und neue Dinge zu versuchen, das seien die wahren Schätzen einer Reise, ist sich Alice Forrest sicher. „Es gibt viele schöne Orte zu erkunden“, sagt Alice. „Jeder sollte das Gefühl kennenlernen, irgendwo anzukommen, wo er neu ist und die Sprache nicht spricht.“ Der beste Ort zu wachsen, sei außerhalb der Komfortzone. Sich persönlich hat sie aber noch eine ganz besondere Aufgabe gestellt: Sie reist und kämpft gleichzeitig gegen die Umweltverschmutzung. 

So war sie auf Henderson Island, um auf der unbewohnten Insel Vögel und Ratten zu untersuchen. Eigentlich habe sie ein Paradies erwartet. Sie dachte während der langen Anreise, die vier Flüge und drei Tage auf einem Schiff dauerte, an Kokosnüsse, blaues Wasser und lange Sandstrände. 

„Es brach mir das Herz bei der Ankunft“, erinnert sich Alice. „Die Sandstrände waren mit Müll bedeckt, unter Wasser wickelte sich der Müll um Korallen.“ Sie hätte nie gedacht, dass auf einer Insel, die seit Tausenden Jahren nicht bewohnt ist, so viel Abfall liege. Also dokumentierte das Forscher-Team auch das. 

Sie fanden Plastikflaschen aus der ganzen Welt, wie die Etiketten verrieten. Fahrradpedale und Klobrillen. Im Ozean löst sich Kunststoff nicht auf, es zerbricht in nur immer kleinere Teile und gelangt auf diese Weise in die Fische und somit auch auf den Essenstisch. 

Seit 2011 kämpft Alice gegen die Meeresverschmutzung. Damals schloss sie sich einer Gruppe „Öko-Tauchern“, wie sie sie selbst nennt, an. Ihre Aufgabe war es, unter Wasser aufzuräumen. Zuerst war es eine Art Ausrede, um länger abzutauchen. Aber dann machte sie auch bei dem Projekt „Two hands“ mit, das die Strände reinigt.

„Ich war schockiert“, erinnert sich Alice. „Egal, wie oft wir die Strände vom Plastikmüll befreit hatten, es wurde nicht weniger Müll.“ Er sei überall, wenn der Blick erstmal sensibilisiert sei. „Sobald du anfängst, danach zu suchen, wirst du fassungslos sein, wie viel da rumliegt“, berichtet die junge blonde Frau. 

Für sie war das der Moment, ab dem sie anfing, sich mit dem Thema mehr zu beschäftigen. So leistete sie unter anderem einen Freiwilligendienst bei der australischen Seabird-Rettung. „Ich habe Schildkröten voller Müll gesehen“, berichtet Alice. Plastik lasse sich überall finden, in der Tiefsee-Antarktis genauso wie in Tieren. Ihr sei bewusst geworden, dass hier etwas total schief laufe. Egal wie viele Strohhalme sie aus dem Sand sammelte, es würde nie aufhören. 

Das hat Alice dazu gebracht, mehr über die Umweltverschmutzung zu lernen, zu erforschen und zu lesen. Und sie möchte bei anderen Menschen ein Bewusstsein für Müll und dessen Vermeidung schaffen. Denn es gebe Lösungen, kaum bis keinen Müll zu produzieren, das müsse aber auch genutzt werden. Es fange im Kleinen an mit Tragetaschen aus Baumwolle statt der Plastiktüte. „Menschen haben das Problem geschaffen, wir sind aber auch in der Lage, es zu beheben“, ist sich Alice sicher. Frankreich sei da ein gutes Beispiel, indem das Land unter anderem Plastiktüten verboten habe. 

Alice selbst geht deshalb an Schulen und bringt schon den Jüngsten einen verwantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt bei. „Kinder sind die Zukunft“, sagt Alice. „Sie werden dafür verantwortlich sein, unser Chaos aufzuräumen.“ Sie setzte sich dafür ein, dass keine Strohhalme benutzt und das Mehrwegflaschen sowie Stoffbeutel genutzt werden. Ihr größter Erfolg sei es bisher gewesen, die Menschen dazu zu bewegen, ihre Gewohnheiten zu ändern. 

Aktuell untersucht Alice, Plastik in Fischen, die aus dem Südpazifik kommen. Bald wolle sie die Studie veröffentlichen. Aber wirklich wichtig sei es, dieses Wissen zu nutzen, um eine Veränderung zu initiieren. Das mache den Unterschied.  

Ihr nächste Stop ist Tonga. Dort arbeitet sie in einem Projekt mit, um in einem kleinen Dorf aus Müll Baumaterial herzustellen.