Der Countdown zeigt noch knapp zehn Minuten – dann weiß ich, wohin meine Reise geht. Wird’s ein Traumurlaub oder ein totaler Flop? Ich bin wirklich aufgeregt, das hätte ich vorher nicht gedacht. Mein Herz klopft heftig, meine Handflächen sind schwitzig. Worauf hab ich mich da nur eingelassen?

Airlines bieten schon seit Längerem Überraschungsflüge an, andere Anbieter spielen mit dir Hotel-Roulette. Und jetzt gibt’s auch Unternehmen, die dir kurzerhand eine komplette Reise zusammenstellen. Bei blookery habe ich testweise eine Reise gebucht, von der ich nicht weiß, wohin sie mich führt.

Ja, ich habe Lust auf ein kleines Abenteuer. Und eine blind gebuchte Reise ist genau das: ein Abenteuer. Okay, mit Sicherheitsnetz. Denn wie viel Mut tatsächlich in dir steckt, entscheidest du selbst. Du kennst zwar das Ziel der Reise bei der Buchung nicht – aber wie bei Tinder (nach rechts wischen ist top, links ist flop) kannst du beim Blind Booking deine Vorlieben auswählen und wegklicken, was dir nicht gefällt.

Wann will ich erfahren, wohin es geht? Eine Woche oder einen Tag vor Abflug? Ach komm, ich bin mutig. 24 Stunden reichen doch zum Koffer packen…

Im Klartext: Hast du 200, 300, 500 Euro oder mehr Budget? Hast du Bock auf Sightseeing, Nightlife oder Romantik? Soll es in die nördliche, mittlere oder südlichere Region gehen? Du kannst tatsächlich auch einfach angeben, falls du auf bestimmte Länder partout keine Lust hast. Bist du ganz mutig, dann verzichtest du auf das Sicherheitsnetz und lässt alles offen. 

Ich bin mittel-mutig: Für mich darf’s Norden oder Süden sein. Und ich hätte gern ein Einzelzimmer, Gemeinschaftsbad ist auch okay. Und dann kommt das Spannendste: Wann will ich erfahren, wohin es geht? Eine Woche oder einen Tag vor Abflug? Ach komm, ich bin mutig, denke ich. Zumindest für diesen Testlauf. Also klicke ich auf einen Tag vor Abflug. 24 Stunden reichen doch zum Koffer packen…

Bunte Throne auf den Mosebacketerrassen in Stockholm
Auf den Mosebacketerrassen gibt's bunte Throne, von denen aus du royal den Ausblick genießen kannst. Foto: privat

Knapp acht Tage später: Der Countdown, der mir nach der Buchung zugeschickt wurde, zählt immer weiter runter. Jetzt noch vier Sekunden. Drei. Zwei. Eins. Null!

„Willkommen in Stockholm!“, steht auf dem Bildschirm. Yes! Ein echter Glücksgriff für mich – ich war noch nie in Stockholm und habe richtig Lust darauf, die Stadt zu erkunden. Wohnen werde ich auf einem Schiff, das zu einem Hotel umgebaut wurde. Verrückt. 

Bildschirme blookery stockholm
Glücksgriff! Ich fliege nach Stockholm :) Foto: Maike Geißler

Die Nervosität der vergangenen Tage fällt von mir ab, mich durchströmt plötzlich pure Vorfreude auf den Städte-Trip, pardon, den Tinder-Trip. Ich checke schnell den Wetterbericht. Nochmal: Yes! Ich brauche keine dicke Jacke, dafür Sonnenbrille und Sonnencreme.  

Eine Sache muss ich mir dann doch noch selbst organisieren: Die Zugfahrt zum Düsseldorfer Flughafen sowie den Transfer vom Airport Arlanda nach Stockholm. Geht aber alles problemlos (nur mit dem Sparpreis wird's so kurzfristig schwierig...) und 20 Stunden später sitze ich tatsächlich im Flieger.

Planlosigkeit kann ein wirklich erfrischendes Gefühl sein.

Jetzt weiß ich zwar, wo das Flugzeug landet. Ich weiß aber überhaupt nicht, was ich dort machen werde. Ein Novum – normalerweise lese ich vorher Reiseführer, checke Top-Restaurants und Bars. Und dennoch: Planlosigkeit kann ein wirklich erfrischendes Gefühl sein, stelle ich langsam fest.

Ich habe Lust, mich einfach durch Schwedens Hauptstadt treiben zu lassen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Nach dem Einchecken ins Hotel frage ich eine junge Frau (eine waschechte Stockholmerin!) nach ihren liebsten Orten in ihrer Heimatstadt.

Und so erlebe ich drei wunderbar entspannte Tage in Stockholm. Ich gönne mir natürlich Sehenswürdigkeiten wie Schloss, Gamla stan, Junibacken, Skyview und das Fotografiska (ein Fotomuseum). Ich fahre Achterbahn im Gröna Lund Tivoli, trinke Bier mit typischen Stockholmern und chille in Parks. Meine persönliche Bestenliste habe ich euch auch zusammengestellt. 

Mein Fazit: Blind Booking passt zu mir. Ein Überraschungsei für Menschen mit Fernweh – und ich liebe Schokoeier und habe chronisches Fernweh. Vor allem für Städtereisen würde ich es jederzeit wieder machen.

Das „Nicht-wissen-wo-es-hin-geht“ hat dazu geführt, dass ich viel spontaner war, viel entspannter. Ich habe mich einfach auf alles eingelassen, was kam und habe so viel mehr von der „echten“ Stadt gesehen, als mir je ein Planet Lonely hätte geben können.