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Tour in Buenos Aires: Jorge, mein Freund auf Zeit

Buenos Aires ist eine großartige Stadt – aber zugleich auch eine sehr große. Da ist es pures Glück, wenn man sozusagen einen Freund, einen Insider, einen Einwohner an der Hand hat. Unser reisereporter war mit einem dieser Locals unterwegs.

Das traditionelle Bar-Cafe Dorrego im Künstlerviertel San Telmo.
Das traditionelle Bar-Cafe Dorrego im Künstlerviertel San Telmo.

Foto: imago stock&people

Der Trend, fremde Städte mit einem Local zu erkunden, nimmt zu. Einer dieser professionellen Freunde auf Zeit in Buenos Aires ist Jorge. Er selbst bezeichnet sich als Kulinarischen Concierge. Er ist mein Freund auf Zeit.

Jorge hat die Welt bereist und weiß, wie man ein gutes argentinisches Steak grillt: Ganz laaaaangsam, mit wenig Kohle. Er wurde in Argentinien geboren und ist dort aufgewachsen. Nach Online- oder telefonischer Buchung (mehr dazu am Ende dieses Textes) zeigt er dir, wo du in seiner Heimatstadt Buenos Aires abseits der Touristen-Fallen authentisch essen und trinken kannst. Was immer mehr Reisende als Hauptmotivation für ihren Urlaub nennen.

Die Philosophie von Jorge und seinen Kollegen lautet: Du wirst erleben und erschmecken was die argentinische Küche von denen der anderen lateinamerikanischen Länder unterscheidet. Du wirst in den ausgewählten Stadtvierteln High-Class-Restaurants neben den einfachen Grill-Lokalen für die arbeitende Bevölkerung finden. Du wirst das essen und trinken, wofür Argentinien zu Recht in der ganzen Welt berühmt ist: Fantastisches Rindfleisch und ausgezeichneten Wein.

In San Telmo kannst du gut drinnen und draußen essen.
In San Telmo kannst du gut drinnen und draußen essen. Foto: imago/Danita Delimont

Angeboten werden drei Touren in drei der beliebtesten Stadtviertel von Buenos Aires: La Boca, San Telmo und La Recoleta. Entweder mittags oder abends. Die Gruppen werden bewusst in einem kleinen, familiär-freundlichen Rahmen gehalten.

Wir haben uns in eine „San Telmo“-Tour am frühen Abend bei Jorge eingeklinkt. Außer uns sind noch dabei: Das dänische Ehepaar Martha und Christian aus Aarhus, das zum Tango tanzen nach Argentinien gekommen ist. Das australische Ehepaar Dave und Diane aus Canberra samt ihrer Teenager-Tochter Cheryl. Und Pablo, ein junger Programmierer aus Peru, der viel in Miami arbeitet, aber gern mal ein Wochenende in Buenos Aires abhängt.

San Telmo liegt in der Nähe des Hafens und ist auf südamerikanische Art und Weise hip. Heißt: Es sind viele Touristen in dem schönen, schattigen Viertel unterwegs. Es leben aber auch viele Hipster hier, die sich jedoch vornehmlich im Hintergrund (und sehr schön renovierten und gestylten Hinterhöfen) aufhalten.  Wir treffen uns an der Ecke der Straßen Defensa/Carlos Calvo und starten ins Leben – Weinprobe im „Tierra Mendocina“, einer Vinothek und Weinhandlung.

San Telmo ist auf südamerikanische Art und Weise hip. Heißt: Es sind viele Touristen in dem schönen, schattigen Viertel unterwegs...

Jorge überlässt hier das Reden den Inhabern und Betreibern, die uns ausgesuchte Weine aus ihrer Heimatregion Mendoza vorstellen, begleitet von einfachen, aber hervorragenden Tapas. Dazu musst du wissen: Es gibt viele gute und sehr gute Weine in Argentinien. Vor allem Rote. Vor allem von der am weitesten verbreiteten Rebsorte Malbec. Und viele davon kannst du in jedem größeren Supermarkt (Carrefour, Jumbo oder Disco) kaufen.  Zumindest von bekannten  Weingütern wie Catena, Rutini, Luigi Bosca, Terrazas. Doch es gibt eben noch so viel mehr zu entdecken. Und deshalb hat uns Jorge hierher geführt...

Wir probieren zwei Weißweine, einen Rosé, fünf Rote. Von kleinen Gütern, die nur Insider aufspüren können. Hören dazu die Stories der Weine und ihrer Macher. Und lernen uns Schluck für Schluck besser kennen.

Wie eine kleine Freundes-Clique machen wir nach eineinhalb Stunden einen Abstecher in die Markthallen an der  Bolivar. Klaro, die kann sich zu den Öffnungszeiten jeder anschauen. Vorteil Jorge: In gutem, flüssigem Englisch (leider immer noch eine Seltenheit in Buenos Aires!) erzählt er uns die Geschichte des Mercado San Telmo, und erklärt uns an einer Fleischtheke den für Nicht-Argentinier unbekannten Schnitt der verschiedenen Rindfleischstücke, dazu die unterschiedlichen Würste und Innereien.

Vor dem Grill-Spaß kommt der Einkauf. Zum Beispiel auf dem Markt in San Telmo.
Vor dem Grill-Spaß kommt der Einkauf. Zum Beispiel auf dem Markt in San Telmo. Foto: imago/Xinhua

Nun sind wir bereit für den Praxistest: Im rustikalen Steak-Lokal „Don Ernesto“ ist ein langer, eingedeckter Holztisch für uns reserviert. An den vollgekritzelten Wänden hängen argentinische Flaggen und Bilder aus alten Zeiten. Der Laden ist gemütlich, laut und seit Generationen in Familienbesitz. Hier wird zu moderaten Preisen die klassische argentinische Fleischküche zelebriert.

Küche heißt in diesem Fall: Grill! Und da geben wir uns das volle Programm: Gegrillter Provolone-Käse, Grillwurst (Chorizo), Blutwurst, Asado (so eine Art Rinderrippchen, die es leider in Deutschland nicht gibt) und Ribeye, dazu Salat und Pommes Frites Provencal (mit Petersilie und Knoblauch). Ah, und natürlich: Wein. Rotwein. Malbec. Mmmmmmmhhhhhhhh!

Don Ernesto

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Manchmal nimmt Jorge übrigens auch Gäste mit zu sich zum Grillen nach Hause. In seinen Garten. Einschließlich vorherigem Fleisch-Einkauf bei seinem Lieblings-Metzger. Der, wenn mal wieder der Strom ausfällt (leider immer noch keine Seltenheit in Buenos Aires), das Fünf-Kilo-Asado mit der Handsäge zuschneidet...

Jetzt aber führt uns Jorge zu einem kleinen Verdauungsspaziergang durch San Telmo. Erläutert die Historie von Kirchen und anderen Gebäuden, weist uns auf äußerlich unscheinbare Häuser und Lokale mit überraschendem Innenleben hin, und erzählt kleine Anekdoten aus seinem Leben.

Schließlich sind wir an der  Plaza Dorrego angelangt, lassen uns zu einem finalen Absacker nieder. Während der Kellner aus dem „Dorrego Cafe“ eiskaltes Quilmes-Bier und einheimischen Whisky (Breeder’s Choice) mit viel Eis über den Platz balanciert, schauen wir wechselnden, meist jungen Paaren, beim Tango-Tanzen zu. Okay: Es ist ein Klischee, aber ein sehr sehr schönes. 

Im Viertelstunden-Rhythmus macht ein neues Paar den Platz mit den schönen, großen Gomeros (Gummibäumen!) zu seiner Bühne. Stellt eine Bluetooth-Box auf und speist Tangomusik vom Smartphone ein. Mal klassisch (zum Beispiel „Por una Cabeza“ von Carlos Gardel), mal nuevo (Astor Piazzolla), mal elektronisch (Gotan Project). Und zieht seine Show ab für das Kleingeld, das wir zu geben bereit sind.

Die Augen meiner dänischen Tango-Freunde leuchten. Sie überlegen, noch weiterzuziehen, in eine der angepriesenen Tango-Bars im Viertel. Doch Jorge weiß: Dort laufen – gut gemachte – Aufführungen für Touristen. Allerdings weit entfernt vom Ursprung der einheimischen Tango-Szene. Die Wahrheit liegt hier, auf dem Platz.  

Falls du jetzt auch mal Lust hast: Touren mit Jorge kannst du unter www.bafoodtours.com buchen.

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