Weltreise: Leo Bartsch in Indonesien | reisereporter.de

Weltreise-Tagebuch: Insel-Hopping in Indonesien

Sie ist Sängerin, Songwriterin – und jetzt auch reisereporterin: Leonore „Leo“ Bartsch (28), bekannt unter anderem als Mitglied der Girl-Group „Queensberry“, ist vor kurzem zu einer Weltreise aufgebrochen. Hier der zweite Teil ihres persönlichen Reise-Tagebuchs.

West-Sumbawa: Atemberaubende weiße Sandstrände mit kristallklarem Wasser.
West-Sumbawa: Atemberaubende weiße Sandstrände mit kristallklarem Wasser.

Foto: Leo Bartsch

Vor etwa vier Jahren, kurz nachdem ich beschloss, dem Musikgeschäft vorerst den Rücken zu kehren, wünschte ich mir einen 60-Liter-Rucksack zum Geburtstag, schnappte mir meine beste Freundin und flog nach Bali. Diese Insel hatte sich als Sehnsuchtsziel in meinen Kopf geschlichen, genau wie der Wunsch, Surfen zu lernen.

Der Trip nach Bali damals hat wohl für immer mein Leben verändert, denn seitdem bin ich nicht nur süchtig nach Wellen, sondern auch infiziert mit dem Reisefieber. Auf dem Heimflug notierte ich in mein Tagebuch, dass ich eine Weltreise machen würde.

Hipster-Hochburgen und überall gab es Quinoa-Bowls... Da hätte ich auch in Berlin bleiben können.

Indonesien war also für meinen Trip um die Welt fest gesetzt und ich hatte hohe Erwartungen – vielleicht zu hohe. Als ich auf Bali ankam, erkannte ich die Insel fast nicht wieder. Orte, die vor einem halben Jahrzehnt noch ursprünglich und verträumt waren, hatten sich in Hipster-Hochburgen verwandelt und überall gab es Quinoa-Bowls... Da hätte ich auch in Berlin bleiben können.

Etwas verstört versuchte ich Bali dennoch zu genießen. Für zwei Wochen genoss ich dann tatsächlich ein paar Annehmlichkeiten, die in Sri Lanka schwer zu finden waren: Guten Kaffee, hübsche Läden und Parties, auf denen man sich nicht wie auf einer Underground-Techno-Veranstaltung in den 90ern fühlt.

 

Trotzdem fühlte sich meine Weiterreise auf Balis Nachbarinsel Lombok befreiend an: endlich ein Stückchen authentisches Indonesien! Daran, dass man das auf Lombok noch finden kann, hatte ich schon fast nicht mehr geglaubt. Zwar sprechen die Leute immer davon, dass Lombok so sei wie Bali vor zehn Jahren – nur mit einem Direktflug für zwanzig Euro zum neuen, internationalen Flughafen in der Tasche erschien mir das irgendwie unrealistisch.

Aber mal wieder durfte ich mich vom Reisen überraschen lassen: Auf Lombok fand ich fast paradiesische Zustände. Kuta (nicht zu verwechseln mit der Partymetropole auf Bali) ist ein kleines Städtchen im Süden Lomboks, das neben leeren Stränden, perfekten Wellen, einer unglaublichen Landschaft und freundlichen Locals auch sonst alles bietet, was man sich als Backpacker wünscht.

 

Ein bisschen Yoga, ein bisschen Surfinfrastruktur, ein bisschen westliches Essen, aber vor allem sehr schlechte Straßen, schlechtes WLAN und Herden von Wasserbüffeln, für die man mit dem Scooter anhalten muss. Aber eben auch die entspannteste Atmosphäre, die man sich vorstellen kann.

Rückblickend kann ich sagen, dass meine fünfzehn Tage auf Lombok wohl zu den glücklichsten der Reise bisher zählen. Dort habe ich zu viele Kokosnuss-Shakes getrunken, den Sonnenuntergang von meinem Surfboard aus beobachtet, Yoga mit dem besten Blick aller Zeiten gemacht, mich von einem Heiler behandeln lassen und mir auf meinem Roller den Fahrtwind und die Freiheit um die Ohren pusten lassen.

Wenn die Leute also sagen, Lombok sei wie Bali vor zehn Jahren, kann ich nur hoffen, dass es nicht dieselbe Entwicklung durchmacht.

 

Wer es noch ein Stück ursprünglicher möchte, muss den Trip eine Insel weiter östlich, nach West-Sumbawa, auf sich nehmen – das nimmt zwar einen halben Tag in Anspruch, dafür bekommt man im Tausch aber einen Ort geboten, der sich anfühlt wie der Schauplatz eines Abenteuerromans. 

Hier kann man versteckte Buchten, türkisfarbene Wasserfälle und ursprüngliche Dörfer erkunden, trifft auf langen Strandspaziergängen garantiert keine Menschenseele und fragt sich zwischendurch, wie es um alles in der Welt noch so wunderschöne, unberührte Plätze geben kann. 

Beseelt und versöhnt kehrte ich dann nach Bali zurück, um der Insel der Götter noch eine Chance zu geben, und das hat sich gelohnt: Im Nord-Westen der Insel fand ich endlich das Bali, das ich mir gewünscht habe.

 

Im Fischerörtchen Medewi lebt es sich langsam, aus dem schwarzen Sand ragen Palmen hoch in den Himmel, die Bauern bestellen ihre Felder, die Kinder lassen daneben selbstgebastelte Drachen fliegen und winken einem begeistert zu, denn viele Touristen bekommen sie dort nicht zu Gesicht. Bali kann es also doch noch... 

Nach sechs Wochen bin ich immer noch und wieder völlig verliebt in Indonesien. Manchmal muss man sich beim Reisen von den eigenen Erwartungen lösen, dann werden sie vielleicht sogar noch übertroffen. 

Ich werde garantiert zurückkommen, um Indonesiens weitere 17.505 Inseln zu erkunden...

Eure Leo

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