Antonia hatte einen Job als Redakteurin beim Radio, eine schöne Wohnung, viele Freunde. „Eigentlich ein supertolles Leben, aber ich habe mich irgendwann gefragt: Bin ich wirklich glücklich?“, sagt sie. 

„Ich habe Radio machen geliebt und gelebt – und dementsprechend auch meine gesamte Energie reingesteckt. Irgendwann hat sich mein Körper gemeldet und gesagt: Hey, Stop! Du überarbeitest dich, das geht nicht mehr lange gut“, erzählt sie dem reisereporter. Sie habe das Gefühl gehabt, nur fürs Wochenende zu leben. „ Aber ich will mich nicht immer von meinem Leben erholen müssen. Von einem glücklichen Leben muss man sich nicht erholen. Ich will jeden Tag aufstehen und einen tollen Tag haben.“ 

Annie steht vor einer Bilderwand
Annie war schon viel unterwegs. Jetzt ist sie auf Europareise. Foto: privat

Also wagte sie einen radikalen Schritt und ließ alles hinter sich, um zu reisen. Antonia kündigte ihren Job und ihre Wohnung, verkaufte alle Möbel, um alleine zwei Monate durch Europa zu reisen. Nur sie und ihr Rucksack. Am meisten freue sie sich auf all die Menschen und Geschichten, die sie auf ihrem Trip kennenlernt. Ihre Erfahrungen teilt sie als „Miss Annie“ auf Youtube. „Ich will meine eigenen Botschaften an diese Welt senden, selbst etwas erschaffen. Ich will kein ‚Reiseführer‘ im klassischen Sinne sein und ganz viele Bilder von den Orten zeigen. Sondern ich will eher sowas wie ein ‚Lebensführer‘ sein und meine Gedanken, meine Entwicklung und meine Emotionen teilen.“

Antonia hat keine Reiseroute

Seit Anfang Mai ist Antonia unterwegs. Einen richtigen Plan, wo es hingeht, hat sie bis auf die ersten drei Ziele – Leipzig, München, Zürich – nicht. „Dann macht man sich selbst doch wieder nur Druck, ich würde einfach nur weiter machen wie bisher. Ich mache einfach das, worauf ich Bock habe.“

Aktuell ist sie in Lyon. Und dann? „Vielleicht fahre ich danach nach Paris und fliege dann nach Dublin. Das überlege ich mir noch. Auf jeden Fall will ich in die Provence und nach Spanien. Beenden würde ich die Reise gerne in Portugal am Meer.“

Angst vor dem, was nach der Reise kommt, habe sie nicht. „Am meisten Angst haben wir Deutschen davor, unsere Sicherheit zu verlieren. Ich hatte das auch. Aber irgendwann habe ich mir mal die Frage gestellt: Wozu bin ich auf dieser Welt? Um viel Geld zu haben? Um ein teures Haus zu bauen und ein Auto zu kaufen? Nein! Ich bin einfach nur auf dieser Welt, um das zu tun, was mich glücklich macht.“

Was nachher kommt? Alles offen. „Wenn nach meiner Reise mein Geld aufgebraucht ist, bin ich jederzeit bereit, alles mögliche zu machen. Kellnern oder andere kleine Jobs. Gute Leute werden überall gesucht – und wie gesagt: Viel Geld zum Leben brauche ich nicht...“