Gepäckverlust: Was jetzt zu tun ist | reisereporter.de

Glücksgefühle, wenn der Koffer ankommt

Und absolutes Pech, wenn nicht. Bis zu zwei Reisende pro Flug stehen anschließend ohne Koffer am Rollband in der Flugzeughalle. Das hat jetzt der SITA Baggage Report 2017 herausgefunden.

Fluggäste am Kofferband
Diese latente Angst, dass der eigene Koffer vielleicht nicht am Zielort angekommen ist ...

Foto: imago/Rust

Statistisch gesehen bin ich also eine von zwei Personen, die ihren Koffer nicht gleich mitnehmen konnten. Denn wie der SITA Baggage Report 2017 wissen lässt, werden zwar immer weniger Koffer verloren (etwa 5,73 pro 1.000 Fluggäste im weltweiten Durchschnitt), aber zwei Passagiere eines Flugs trifft es in der Regel schon.

In Europa liegt der Schnitt sogar noch höher als in Asien und Nordamerika. 8,06 Gepäckstücke werden pro 1.000 Passagiere verloren. Ob da vielleicht zwei Berliner Flughäfen die Statistik versauen?

Was soll ich machen, wenn der Koffer verloren geht?

Mitten in der Nacht stand ich also am Flughafen Tel Aviv und war erstmal verdutzt. Umso mehr kann ich die statistischen Angaben des Baggage Reports nachvollziehen: Wer seinen Koffer vom Rollband wuchten kann, empfindet Glücksgefühle. Der Körper schüttet Endorphine aus. 88 Prozent seien dann glücklich. Ich gehörte zu den anderen zwölf Prozent.

Die Glückshormone blieben aus. Stattdessen war ich innerlich kurz vor einem Heulkrampf, nach außen natürlich mega cool. In Sichtweite war der Lost-an-Found-Schalter. Ich reihte mich brav in die Schlange.

Zuerst der Mann am Schalter so: „Keine Ahnung, wo Ihr Koffer ist.“

Ich so: „Häh?“

Er so an seinem Rechner: Klick, klick, klick, scroll, scroooooooolll, klick.

Ich: „Ja, was denn nun?“

Er: „Ist Ihr Koffer grün?“

Ich: „Jaaaaaa!“ (Glückstränen bahnten sich ihren Weg)

Er: „Ich weiß nicht, wo er ist, aber wir haben ihn im System.“

Ich: „Häh?“ 

Letztendlich stieg ich mit einem Zettel, auf dem eine Telefonnummer, einer E-Mail-Adresse und eben die Vorfallnummer meines Koffers standen, in ein Taxi in Richtung Innenstadt. Ob ich meinen Koffer jemals wiederbekommen würde? Erstmal egal. Stattdessen kreierte ich innerlich eine Liste, was in Zukunft alles ins Handgepäck kommt. Frische Unterwäsche zum Beispiel. Gleichzeitig schwor ich mir: Nie wieder gibst du ein Gepäckstück auf!

Ich hatte es nämlich fast schon geahnt. Am Schalter in Hannover fragte mich die Airline-Mitarbeiterin: „Wollen Sie den Koffer wirklich aufgeben? Das ist doch Handgepäck.“ Ich überlegte kurz, ein bisschen unwohl war mir. Aber doch, ich wollte. Denn darin waren Make-up-Utensilien mit mehr als 500 Milliliter Flüssigkeit. Und außerdem musste ich umsteigen und überhaupt, wenn ich schon für den Service zahle, dann will ich ihn auch nutzen ... 

Deshalb geht dein Koffer verloren

Tja, damit ist mein Koffer-Gate der absolute Normallfall: 47 Prozent aller verlorenen Koffer weltweit gehen nach Angaben des SITA Baggage Reports flöten, wenn der Passagier umsteigt – so wie ich in München. Ansonsten liegt es entweder an der falschen Etikettierung oder an der Sicherheitskontrolle (15 Prozent). Auch schön: 16 Prozent der Trolleys und Rucksäcke werden erst gar nicht ins Flugzeug geladen. Zehn Prozent werden durch Streik, Wetterbedingungen sowie Zoll- und Platzbeschränkungen verursacht.

In welchem Rahmen haftet die Fluggesellschaft?

In Tel Aviv schrieb ich fast stündlich E-Mails, ob es etwas Neues in Sachen Koffer gebe und checkte den Online-Status meiner Vermisst-Meldung. Ohne Erfolg. Mit jeder Stunde wurde ich nervöser und pöbelte die Fluggeselleschaft via Twitter an. Die nüchterne Antwort: Ich solle mir das Nötigste an Hygieneartikeln und Kleidung kaufen. Die Fluggesellschaft werde dafür aufkommen.

Wer jetzt innerlich schon zur Shopping-Queen mutiert ...  Ist nicht. Die Haftungsansprüche der Fluggesellschaft sind auf 1.213 Euro gedeckelt. Außerdem ist eine zwingende Voraussetzung, dass der Verlust sofort gemeldet wird. Also hielt ich auch ich mich zurück: Ein Hose, ein T-Shirt, Unterwäsche und ein bisschen Make-up.

Wie der SITA Baggage Report ergeben hat, tauchen 95 Prozent der Gepäckstücke innerhalb von 48 Stunden wieder auf. 48 Stunden können verdammt lang sein ... 

In Zukunft wird dein Gepäck getrackt

Damit das in Zukunft nicht mehr passiert, soll ab Juni 2018 das Gepäck wie Pakete getrackt werden. Heißt: Beim Check-In, bei der Beladung des Flugzeugs, bei eventuellen Transfers und bei der Ankunft sowie am Förderband wird geprüft, ob das Gepäckstück da ist. 

P. S.: Mein Koffer kam ziemlich genau 48 Stunden später an. Nach Angaben des Kofferschilds war er in Frankfurt (WTF). Mehr zum Koffer-Gate habe ich bis heute nicht erfahren. Meine Auslagen erstattete mir die Fluggesellschaft ohne Nachfragen.

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