Elektro-Festival World Club Cruise ????| reisereporter.de

Die größte Party auf dem Mittelmeer

Mit Robin Schulz & Co auf hoher See: Knapp 2000 Urlauber feiern beim ersten Elektro-Festival auf einem Kreuzfahrtschiff.

DJs legen am Pooldeck des Kreuzfahrtschiffs auf
Party am Pooldeck mit „Gestört aber GeiL“ bei der World Club Cruise.

Foto: World Club Cruise

Obwohl Michael Düsseldorfer ist, feiert er eigentlich anders. Dass er nun inmitten seiner Männertruppe den Korken einer Flasche Champagner knallen lässt, kommt zumindest eher selten vor. Und dass sie für ihre diesjährige Sause einen schwimmenden Club ausgesucht haben, gab es sowieso noch nie. „Wir arbeiten hart für all das hier“, sagt der 35-Jährige und hebt das Glas – Cheers!

Einmal im Jahr ist es zum guten Ritual geworden, dass die sechs langjährigen Freunde zusammenkommen, um richtig Spaß zu haben. Ein Kumpelding halt. Was würde sich da besser eignen als die größte Party auf dem Mittelmeer – auf einem Kreuzfahrtschiff. Vier Tage Ausnahmezustand. Für Michaels Crew. Für die Schiffscrew. Eigentlich für alle.

Fans auf der „World Club Cruise“
Ausnahmezustand: Diese Jungs lassen einmal im Jahr die Sau raus. Foto: Tim Lüddecke

Mit an Bord: Robin Schulz und Gestört aber GeiL

Normalerweise geht es bei so einer Kreuzfahrt ja vorrangig um Erholung. Aber was ist auf dieser „World Club Cruise“-Jungfernfahrt von „Mein Schiff 2“ schon normal? Insgesamt 207 Stunden elektronische Musik gibt es an Bord auf die Ohren, international bekannte DJs wie Robin Schulz, Dimitri Vegas & Like Mike, W&W, Alle Farben oder Gestört aber Geil legen in den unterschiedlichsten Winkeln des Schiffs auf: im Theater, auf dem Pooldeck, in der Schau Bar oder etwa in der Himmel & Meer Lounge.

45 Tonnen allein an Equipment garantieren an den vier Tagen satte Bässe, atemberaubende Licht- und Nebeleffekte und musikalische Unterhaltung, die eigentlich für mehr als acht Tage reichen würde. 1922 Gäste sind dabei auf der Route von Palma de Mallorca über Barcelona nach Ibiza – und zurück. Es ist der erste Tui Cruise dieser Art, nachdem sich der „Full Metal Cruise“ bereits als Erfolgsmodell in sechster Auflage etabliert hat. Die Premiere ist ausverkauft.

Ein Hauch von Wunderland

Wo sonst zumeist dunkel gekleidete Musikfans ihre Köpfe wild kreisen lassen, wippen nun eben vor allem lässige Sonnenbrillenträger zum Beat – praktischerweise meistens unterstützt von etwas Seegang. Die Flipflops auf dem Pooldeck bleiben nicht am Bier – wie bei den Metallern –,  sondern an einem Gemisch aus Red Bull und hartem Alkohol kleben.

Manch einer mag’s optisch auch etwas extravaganter im Glücksbärchi-Kostüm oder unter einer Affenmaske. Im Pool treibt ein aufblasbares Einhorn vor sich her, auch ein Dino hat es auf’s Schiff geschafft. Der Hauch vom Wunderland, den (normale) elektronische Festivals mit Vorliebe vermitteln, hält auch an Board dieses Party-Luxusliners Einzug, zusammen mit einer frischen Mittelmeerprise.

„Das ganze hier ist schon sehr nahe dran an der perfekten Location“, sagt Marcel Stephan von Gestört aber GeiL, „da kommt auf jeden Fall Urlaubsfeeling auf.“ Nico Wendel, die zweite Hälfte des DJ-Duos, erklärt: „Auch für die Leute ist es cool, dass sie mal näher an uns herankommen. Sonst müssen wir gleich zum nächsten Auftritt weiter.“

Und während die meisten ihre Smartphones für ein Selfie zücken, hat Dennis Konrad (43) mit seinem roten Edding alles, was er braucht, damit ihm Stephan wenig später die Glatze signieren wird. Es ist der bereits vierte Auftritt, zu dem er den DJs in diesem Jahr gefolgt ist. „Die Reise hat sich jetzt schon gelohnt!“, jubelt der Hannoveraner. Da wusste er noch nicht, dass sich auch DJ-Superstar Robin Schulz nur einen Act später ebenfalls auf seinem Schädel verewigen würde. Zumindest für den Rest der Reise. Denn duschen? Das wolle er erstmal nicht mehr.

Robin Schulz gibt Autogramme
Autogramm fürs Köpfchen: Dennis Konrad lässt sich die Glatze von DJ-Superstar Robin Schulz signieren. Foto: Tim Lüddecke

Schluss mit dem verstaubten Kreuzfahrt-Image

Kein Wunder. „DJs sind die Popstars der Neuzeit“, sagt Oliver Franke vom Mitveranstalter BigCityBeats, der für das musikalische Programm verantwortlich zeichnet. „Der Künstler genießt den totalen Fokus – und die Masse folgt ihm. Eine riesige Show!“ Events dieser Art, vor allem Festivals, wie der von BigCityBeats veranstaltete World Club Dome, ziehen inzwischen weltweit – und sollen nun auch für ein Kreuzfahrtschiff salonfähig gemacht werden.

„Die jungen Leute denken immer noch, eine Kreuzfahrt sei langweilig, nur etwas für alte Leute“, sagt Godja Sönnichsen vom Veranstalter Tui, „wir wollen dem ein neues Image verpassen, indem wir eine neue Geschichte erzählen.“ Dafür werden die eigentlichen Gesetzmäßigkeiten an Board auch schon mal außer Kraft gesetzt.

„Wir wissen, dass das Hauptanliegen der Gäste nicht auf dem Essen liegt“, erklärt Hotel-Manager Achim Koch, warum es zwei Drittel weniger Restaurantbesucher als sonst gibt. Die meisten gehen ans Buffet. Neben einem Mitternachtsangebot werden zudem die regulären Essenszeiten nach hinten verlegt. Logisch, dass auch das Durchschnittsalter an Bord von 52 Jahren klar unterboten wird; diesmal liegt es bei 35. 

Harmonisches Zusammenspiel der Generationen

Freimuth Vizethum fällt da mit seinen 63 Jahren ziemlich aus dem Rahmen. Doch der Mannheimer gibt zu verstehen:

Ich kann die Hitparaden im Radio nicht mehr hören. Das hier, von Deep bis House, ist einfach ein ganz anderes Lebensgefühl.

Freimuth Vizethum (63)

3.11 Uhr, das Publikum in der Schau Bar ist überschaubar geworden, die Stimmung dafür umso besser. Die Leute pfeifen, und jubeln dem Saxophonisten und der jungen Dame an der Geige, die ein Set von Dre Guazzelli mit Liveelementen ergänzen, entfesselt zu. Vizethum hält es für einen geeigneten Zeitpunkt sein Smartphone rauszuholen, um diesen „Moment des Glücks“, wie er sagt, festzuhalten. „Ich verstehe Helene-Fischer-Fans, die ihren Text brauchen, um voll mitgehen zu können – aber das selbe Gefühl gibt’s hier ohne“, erklärt er später zufrieden bei einem Drink.

Aber: Alt und jung, wie sie zusammen Party machen – funktioniert das überhaupt? Respektvoll, offen, bisweilen sogar harmonisch gehe es zu, versichern mehrere Vertreter älterer Semester unisono. Trotz des Aufeinanderpralls verschiedener Generationen. Trotz unterschiedlicher Interessen.

Goldene Hochzeit neben Robin Schulz

Das Hamburger Ehepaar Peter und Marlies Hansen ist eigentlich eher Fan der Musik der 60er- und 70er-Jahre, Elton John oder etwas Jazz darf’s auch mal sein; dennoch hat es sich im World Club Cruise eingebucht. Obwohl man sie im Reisebüro eindringlich gewarnt hätte. Doch zu ihrem 50. Hochzeitstag wollten sie es sich auf einem Schiff gut gehen lassen – und eine andere Tour hatte es zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben.

Sie kommen gerade aus dem Restaurant, haben gut gegessen am Abend ihrer Goldenen Hochzeit, doch eine Sache liegt ihnen noch auf dem Herzen. „Wir sind auf dem Weg zur Rezeption, wollen erfragen, ob wir die ältesten hier an Board sind“, sagt Peter Hansen. Tatsächlich, mit seinen 74 Jahren, die er einen Tag nach Ende der Reise erreicht, führt er die Liste an, vor seiner Frau mit 72 Jahren. Die beiden freuen sich. Vor dem Gang ins Bett („Maybritt Illner läuft noch!“) wollen sie aber noch kurz bei einem Gig vorbei schauen, erklärt Herr Hansen. „Wäre ich 25, würde ich da noch ganz anders mitfeiern.“

Ehepaar bei der „World Club Cruise“
Jubilare: Peter und Marlies Hansen verbachten ihren 50. Hochzeitstag an Bord des Party-Luxusliners. Foto: Tim Lüddecke

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