Flusskreuzfahrt in der Provence für Gourmets

Bei einer Gourmet-Flusskreuzfahrt mit der „A-Rosa Luna“ durch die Provence geht's vor allem um eins: Gutes Essen. Die Passagiere können sogar Gourmet-Papst Paul Bocuse treffen.

Das Schiff „A-Rosa Stella“ unterwegs auf einer Gourmet-Kreuzfahrt in Frankreich.
Das Schiff „A-Rosa Stella“ unterwegs auf einer Gourmet-Kreuzfahrt in Frankreich. Auch die „A-Rosa Luna“ geht auf diese Touren.

Foto: A-Rosa Kreuzfahrten

Gut, dass es Lejla gibt. Pünktlich um 8 Uhr in der Früh steht sie startbereit an der Anlegestelle in Tournus. Neben ihr aufgereiht ein halbes Dutzend blank geputzter Tourenräder. Mit einem Lächeln drückt die junge Ungarin jedem einen Fahrradhelm in die Hand. „Keine Angst, die 40 Kilometer schaffen wir alle ganz locker“, meint die Tourbegleiterin.

Ja, natürlich hatten die Gäste sich extra für diesen morgendlichen Ausflug angemeldet. Einerseits, weil es spannend ist, parallel zum Schiff den Fluss entlang zu fahren und dabei so manches schöne Dorf bis nach Chalon, wo die „A-Rosa Luna“ schon warten wird, aus der Nähe zu betrachten. Andererseits um ein paar Kalorien abzustrampeln. Vorsorglich. 

Kreuzfahrt mit Spitzenköchen

Das ist ein sehr guter Grund: Denn die „Luna“ ist auf einer Themenreise durch das südliche Frankreich unterwegs. „Route Gourmet“ lautet das Motto der Feinschmeckertour – und der Name ist Programm. Auf Rhône und Saône geht es von Lyon zunächst in nördliche Richtung bis Chalon-sur-Saône und dann weiter südlich bis nach Avignon und Arles.

Mit an Bord: Spitzenköche, die die rund 150 Passagiere mit besonderen Köstlichkeiten verwöhnen. Beim Ausflugsprogramm können außer den kulturellen Sehenswürdigkeiten auch die Höhepunkte der Gegend entdeckt werden; zudem gibt es lehrreiche Verkostungen an Deck, bei denen die Reisenden von Experten eine Menge über die jeweiligen exklusiven Zutaten und ihre Zubereitung erfahren.

Das Schiff „A-Rosa Stella“ unterwegs auf einer Gourmet-Kreuzfahrt in Frankreich.
Das Schiff „A-Rosa Stella“ unterwegs auf einer Gourmet-Kreuzfahrt in Frankreich. Auch die „A-Rosa Luna“ geht auf diese Touren. Foto: A-Rosa Kreuzfahrten

So eine Flusskreuzfahrt ist an sich schon eine erholsame wie spannende Sache – vor allem auf der Rhône, die – mit der Donau – zu den beliebtesten Revieren für die Reiseart gehört. Das hat einen guten Grund: Beschauliche Dörfer, attraktive Städte und viele Sehenswürdigkeiten liegen an der Strecke.

Landgänge zu Sehenswürdigkeiten in Frankreich

Die Passagiere können gemütlich im Liegestuhl auf dem Sonnendeck die Landschaft an sich vorbeiziehen lassen, ein Bad im Pool nehmen, eine Runde Shuffleboard spielen oder die zentimetergenauen Manöver von Kapitän Mikael Labrune an den Schleusen beobachten – 20 gibt es davon auf der Strecke. Die spektakulärste ist die Schleuse Bollène ein paar Kilometer hinter Avignon, hier geht es sagenhafte 23 Meter in die Tiefe. 

Außer den klassischen Touristenattraktionen an der Strecke wie dem Kloster Cluny, dem Papstpalast in Avignon, den endlosen Lavendelfeldern in der Ardèche, dem weltberühmten Architektur-Meisterwerk Pont du Gard oder einem Abstecher zu den weißen Pferden in die Camargue richtet sich so manches Ausflugsziel ganz gezielt an Feinschmecker – schließlich ist die „A-Rosa Luna“ auf der „Route Gourmet“. Zum Beispiel auf dem Weg nach Beaune, dem Zentrum des Burgunderweinhandels.

Im Hotel Dieu inmitten der Stadt findet jedes Jahr im Herbst die größte Benefiz-Weinversteigerung der Welt statt. Das ehemalige Krankenhaus aus dem 15. Jahrhundert gehört zu den Touristenattraktionen. Die historische Anlage gibt in ihrem Museumsteil einen eindrucksvollen Einblick in die Krankenpflege der damaligen Zeit. Der Tour dorthin führt entlang der Route Grand Cru – in dem Weinbaugebiet gedeihen die edelsten Tropfen Frankreichs. Niedrig gehaltene Rebstöcke für edlen weißen Chardonnay oder den roten Pinoir prägen die Landschaft.

Köstlichkeiten an Land und an Bord

Dazwischen immer wieder kleine Dörfer, die angesichts der freien Landschaft rundum erstaunlich dicht bebaut sind. Das hat seinen Grund: „Hier gibt es nur wenig Bauland, denn die Weinanbauflächen sind Gold wert“, sagt Touristenguide Nicole. Die Dörfer wirken abweisend. Viele der Häuser, in denen die Winzer wohnen, sind von hohen Mauern aus grobem Stein umgeben, die Fensterläden sind verschlossen, die Straßen menschenleer. „Auch wenn es vielleicht so wirkt: Das sind keine armen Dörfer“, stellt Nicole klar. „Der Reichtum wird hier nur gut versteckt – vor Neugierigen, Dieben und vor allem vor den Finanzbeamten“, ergänzt die Reiseleiterin.

Ob ein Besuch des großen Geflügelmarktes in Louhans, wo die berühmten Bresse-Hühnchen angeboten und verkostet werden, ein Ausflug ins Weinmuseum oder ein Abstecher in die Markthalle in Avignon mit Chefkoch Peter Schulze – edle Tropfen und feine Speisen stehen stets im Mittelpunkt dieser kulinarischen Themenreise.

Das gilt auch an Bord: Trüffel- und Champagnerverkostung, Bouillabaisse-Showkochen an Deck, ein kleiner Kurs in Gewürzkunde oder ein kalorien- wie lehrreicher Vortrag über die perfekte Komposition von Schokolade, Portwein und Dessertwein stehen unter anderem auf dem Programm. Chefpatissier Oliver Edelmann demonstriert bei Letzterem, wie die perfekte „Marquise au chocolat“, eine sündhaft süße Creme aus Kakao, Butter, Sahne und Kuvertüre, gelingt. Dass die „Marquise“ und andere „Kleinigkeiten“ im Anschluss verkostet werden, gehört dazu. 

Sich bei Bordveranstaltungen dieser Art Gedanken über die Folgen für die Figur zu machen, ist keine gute Idee –  du könntest dann vielleicht die abendlichen Fünf-Gänge-Menüs nicht aus vollem Herzen genießen. Die eigens für die Reise engagierten Sterneköche verwöhnen die Passagiere mit so exotischen Kompositionen wie Gänseleber mit Aubergine, Miso, Kaffee und Räucheraal. 

Besuch bei Starkoch Paul Bocuse in Lyon

Eher bodenständig erscheint da der Lunch mit Cassolette vom Hummer und Kalbsmedaillon mit Spinat beim Gourmet-Papst Paul Bocuse. Für viele Passagiere ist der Besuch in seinem Restaurant „L’Abbaye de Collognes“ bei Lyon der Höhepunkt der Reise. Den „Jahrhundertkoch“, der gerade seinen 90. Geburtstag feierte, bekommen sie zwar nicht persönlich zu Gesicht, dafür ist aber das Ambiente mehr als bemerkenswert: Als sich der tiefrote Samtvorhang, der das Foyer vom Speisesaal trennt, teilt, ertönt ein Zirkusmarsch. Gespielt wird er von einer riesigen antiken Jahrmarktorgel an der Stirnwand. Auf der Empore tummeln sich hölzerne Karussellpferde unter einem blauen Sternenhimmel.

Rund um den großen Saal ist in luftiger Höhe eine Leiste angebracht, auf der alle Köche und Köchinnen mit Namen verewigt sind, die einst bei Maître Bocuse ihr Handwerk perfektionierten. Nach dem üppigen Dessert traut sich fast niemand mehr, die süßen Petit Fours zum Kaffee zu genießen – schließlich warten nach der Rückkehr auf das Schiff schon in wenigen Stunden die nächsten feinen Leckereien.

Tipps zur A-Rosa-Kreuzfahrt

Das Schiff: Das Flusskreuzfahrtschiff „A-Rosa Luna“ und die baugleiche „A-Rosa Stella“ sind auf der Rhône und Saône in Südfrankreich unterwegs. Die 126 Meter langen Schiffe bieten Platz für maximal 174 Passagiere. Die Schiffe verfügen über überdurchschnittlich große Kabinen, ein Restaurant, ein Sonnendeck mit Außenpool. 

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Die Autorin
Birgit Jungke, Redakteurin, schreibt seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten leidenschaftlich gerne Reportagen für den Reiseteil. Lieblingsziel? Kein bestimmtes - es kommt ganz auf die ... mehr
Reisereporter
Reiseportal
+ Folgen
#Trending
Zur
Startseite