Rundreise durch Japan: Tempel & Moderne | reisereporter

Rundreise durch Japan: Im Reich der Tempel

Von Kyoto über Tokio zum Koyasan: Von Tempeln, neuer und alter Technik in Japan.

Das rote hölzerne Tor am Itsukushima-Schrein ist Unesco-Weltkulturerbe.
Das rote hölzerne Tor am Itsukushima-Schrein ist Unesco-Weltkulturerbe.

Foto: Sabrina Friedrich

Kyoto. Einatmen, ausatmen und dabei den Kopf von allen Gedanken frei machen. Das kann doch nicht so schwer sein. Viele der Besucher, die zu Zenmeister Takafumi Kawakami in den Shunko-in-Tempel in der Kaiserstadt Kyoto kommen, werden vermutlich das Gleiche denken.

Beim Atmen behalten sie vermutlich recht, denn das passiert ganz automatisch. Doch an gar nichts zu denken – und das auch noch, wenn du dich darauf konzentrierst –, ist gar nicht so einfach. Vor allem, wenn du als Reisender in einem so abwechslungsreichen asiatischen Land wie Japan unterwegs bist, das jeden Tag so viele neue Eindrücke bietet. 

Buddhismus für Anfänger

Dabei macht es Kawakami seinen Besuchern so einfach. Der 38-jährige Mönch will ihnen schließlich nicht nur die Meditationstechniken, sondern auch den Buddhismus näher bringen. Ob sie dabei auf der Reismatte Tatami oder einem der niedrigen Stühle Platz nehmen, findet er eher nebensächlich.

Zenmeister Takafumi Kawakami bringt Touristen den Buddhismus näher.
Zenmeister Takafumi Kawakami bringt Touristen den Buddhismus näher. Foto: Sabrina Friedrich

„Bei der Meditation geht es um Achtsamkeit. Ihr Ziel ist es, die Art des Denkens zu ändern und dadurch Glück und Gesundheit zu erlangen“, erklärt Kawakami. Der Mönch muss es wissen, schließlich lebt er mit Frau und Kind in fünfter Generation in dem Tempel aus dem 16. Jahrhundert.

Die Wirksamkeit der Meditation erforscht er ganz nebenbei mit modernster Technik. Damit ist die Brille, die er trägt, ausgestattet. Sie misst Atmung, Augenbewegungen und seine Haltung während der Meditation. 

Sinnbild für Japan: Tradition und Moderne

Der Zenmeister und seine Arbeit sind ein Sinnbild für Japan – wo Tradition und Moderne eine harmonische Einheit eingehen. Besonders gut sichtbar ist das in der Hauptstadt Tokio mit ihren etwa neun Millionen Einwohnern. Zu den bekanntesten Gegenden zählt die Einkaufsmeile Ginza, wo internationale Designer ihre Ware in edlen Boutiquen anbieten. Junge Japaner steuern gern die Takeshita-dori im quirligen Stadtteil Harajuku an, wo Fans des modernen Verkleidungstrends Cosplay voll auf ihre Kosten kommen.

Auch in der Millionenmetropole gibt es Orte der Ruhe. Zum Beispiel den Landschaftsgarten Happo-en. In der akkurat angelegten Anlage mit einem großen Fischteich, in dem Koi-Karpfen ihre Kreise ziehen, steht auch das „Teehaus Muan“. Wir sind zu einer Teezeremonie bei Midori Shindo angemeldet. Die 54-Jährige begrüßt uns mit der in Japan üblichen kurzen Verbeugung und bittet uns dann über die Schwelle des 150 Jahre alten Hauses.

Matchatee in einer Teeschale
Matchatee in einer Teeschale – wird mit einem Teebesen angerührt. Foto: Sabrina Friedrich

Zum Auftakt bekommen wir eine kleine Süßigkeit gereicht, dann rührt die Zeremonienmeisterin uns in einer Teeschale mit einem Teebesen den grünen Matchatee an. Mit drei leichten Schlürfern leeren wir die Teeschalen und loben anschließend die Schönheit des Porzellans – ganz wie es uns Reiseleiter und Japanologe Hartmut Pohling empfohlen hatte. Nur kurz darauf geht es wieder in das Gewimmel der Großstadt.

Sky Tree: Blick vom höchsten Fernsehturm

Den besten Überblick über Tokio bekommen Reisende auf dem Sky Tree. Der mit 634 Metern aktuell höchste Fernsehturm der Welt ist gleichzeitig das zweithöchste Bauwerk der Welt. Der Ausblick aus der Etage in 350 Metern Höhe ist atemberaubend.

Bei gutem Wetter ist sogar der Fuji-san, Japans höchster Berg, in der Ferne sichtbar. Der Andrang ist entsprechend groß – besonders zum Sonnenuntergang. Wer lange Wartezeiten vermeiden will, bucht die Tickets deshalb am besten vorab im Internet. 

Von so hoch oben wirkt die Metropole wie ein Miniaturland. Einige der Attraktionen sind sogar aus der Höhe noch erkennbar. Etwa das Donnertor im Stadtteil Asakusa. Oder die berühmte Kreuzung im Stadtviertel Shibuya, über die während jeder Ampelphase tausende Menschen strömen – in alle Richtungen. 

Die Kreuzung zählt zu den meistfotografierten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ähnlich gern fotografieren Besucher Frauen im traditionellen Kimono. Das sind aber nicht immer Japanerinnen. Geschäftsleute bieten das traditionelle Gewand zum Ausleihen an. „Viele Chinesinnen ziehen die Kimonos gern bei ihrem Japanbesuch an“, verrät Guide Hartmut Pohling.

Selfie vor Weltkulturerbe auf Miyajima

Das meistfotografierte Wahrzeichen des Landes sehen Besucher der Schreininsel Miyajima, südwestlich von Hiroshima. Die heilige Insel durfte früher nur von Priestern und priviligierten Adeligen betreten werden. Heute setzen ganze Scharen von Besuchern mit der Fähre über, um auf jahrhundertealten Pfaden zu wandeln und den Itsukushima-Schrein mit seinem hölzernen roten Tor zu besichtigen. Der Schrein ist Teil des Unesco-Weltkulturerbes. Das im Wasser stehende Torii ist aber bei weitem nicht das einzig Sehenswerte auf der Insel. 

Das rote hölzerne Tor am Itsukushima-Schrein ist Unesco-Weltkulturerbe.
Das rote hölzerne Tor am Itsukushima-Schrein ist Unesco-Weltkulturerbe. Foto: Sabrina Friedrich

Am Fuß des Berges Misen steht die Daisho-in-Tempelanlage, einer der wichtigsten Shingon-Tempel im Westen Japans. 500 Rakan-Statuen, von denen jede einzelne anders als die anderen aussieht, sind nur einer der vielen Höhepunkte.

Wer genug Zeit für den Besuch eingeplant hat, probiert anschließend gegrillte Austern – eine Spezialität der Gegend. Oder Momiji Manju, Gebäck in Form eines Ahornblattes mit verschiedenen Füllungen.

500 Rakan-Statuen stehen am Fuß des Berges Misen am Daisho-in-Tempel.
500 Rakan-Statuen stehen am Fuß des Berges Misen am Daisho-in-Tempel. Foto: Sabrina Friedrich

Dabei sollte man sich allerdings vor den vielen zahmen Rehen auf der Insel in Acht nehmen. Die sind so zutraulich, dass sie den Besuchern nicht nur aus der Hand fressen, sondern auch mal aus der Tasche stibitzen. Das Füttern ist allerdings strengstens verboten.

Japans berühmtester Friedhof

Genauso wie das Fotografieren der Gedenkstätte des Begründers des Shingon-Buddhismus: Kobo Daishi. Das Mausoleum steht auf Japans berühmtestem Friedhof auf dem Tempelberg Koyasan. Der heilige Berg ist seit 2004 Teil des Weltkulturerbes. Jährlich kommen tausende Pilger hierher. Die bis zu 800 Jahre alten Gräber sind umgeben von alten Bäumen. Das ist besonders, wenn sich im Herbst die Blätter verfärben, äußerst sehenswert. 

Japans berühmtester Friedhof auf dem Tempelberg Koyasan, im Herbst besonders schön.
Japans berühmtester Friedhof auf dem Tempelberg Koyasan, im Herbst besonders schön. Foto: Sabrina Friedrich

Die Gedenkstätte ist nicht der einzige Grund, auf den Koyasan zu kommen. 4.000 Menschen leben auf dem Berg. 1.000 davon sind Mönche. Es gibt 117 Tempel. 52 davon bieten Reisenden die Möglichkeit, das einfache Leben der Mönche nachzuempfinden. In den Tempelherbergen erleben Besucher das ganz traditionelle Japan. Sie schlafen in schlichten Zimmern, die mit Reisstrohmatten ausgelegt sind, auf Futons. Zum Abendessen wird ein buddhistisches vegetarisches Essen serviert. Wer will, entspannt im Gemeinschaftsbad, dem Onsen, dessen Wasser aus heißen Quellen kommt. 

In unserer Tempelherberge, dem Fukuchi-in, bekommen wir am nächsten Morgen einen Einblick in die Kunst der Kalligraphie. Die komplizierten Schriftzeichen nachzumalen, ist unerwartet entspannend. Und plötzlich klappt es auch. Einatmen, ausatmen und den Kopf von allen Gedanken frei machen.

Tempelgästehaus auf dem Koyasan
Authentische Einrichtung: In Tempelgästehausern auf dem Koyasan, wie dem Fukuchi-in, erleben Besucher das traditionelle Japan. Foto: Sabrina Friedrich

 

Japan: Tipps für die Reise

Anreise: Ana, Japans größte Fluggesellschaft, bietet zweimal täglich Flüge von Frankfurt am Main nach Tokio an. Tägliche Flugverbindungen von Ana gibt es außerdem von Düsseldorf und München nach Tokio.

Beste Reisezeit: Ende März, Anfang April ist wegen der Kirschblüte eine besonders beliebte Zeit für Reisen in das asiatische Land. Ab Anfang November ist das eindrucksvolle Herbstlaub zu sehen. Dann herrschen spätsommerliche Temperaturen. Auf dem Tempelberg Koyasan kann es kühler werden.

Veranstalter: Dertour bietet verschiedene Japan-Rundreisen an. Zum Beispiel „Japan für Liebhaber“ von Tokio bis Nagasaki. In der Flugpauschalreise, die ab 4299 Euro buchbar ist, sind die Flüge, ab/bis Frankfurt am Main, 15 Übernachtungen im Doppelzimmer in Mittelklassehotels sowie in einem Tempelgästehaus auf dem Koyasan, Frühstück, zwei Abendessen sowie Inlandsflüge und Fahrten im Zug und klimatisierten Reisebus enthalten.

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