Hagen Wittenborn hat erst Anfang April sein „Fantastic Foxhole Hostel“ im Berliner Weserkiez eröffnet und schon muss er sich mit einer möglichen Schließung dessen auseinandersetzen. In unmittelbarer Nähe zur Sonnenallee hat er im Hinterhaus des ehemaligen Restaurants „Fuchs und Elster“ (die Ex-Inhaber betreiben auch die hippe Dachterrassen-Bar „Klunkerkranich“) ein Hostel aufgemacht.

Davor wohnten dort die Ex-Betreiber Robin Schellenberg und Dorle Martinek, haben Musiker aus dem ehemaligen Keller-Club oder andere Kurzzeit-Gestrandeten dort übernachten lassen. Alles inoffiziell, sagt Hauseigentümer und Vermieter Alexander Skora. Aber eine Gewerbefläche sei das Loft schon immer gewesen: „Es geht nicht um eine Zweckentfremdung.“

Nun will das Neuköllner Bezirksamt aber einen Antrag auf Nutzungsänderung. „Wohnfläche sei jetzt Gewerbefläche“, sei Hagen Wittenborn von einer Amtsmitarbeiterin informiert worden. Der 34-Jährige kann das nicht so ganz nachvollziehen: „Das ganze Gebäude ist eine Gewerbefläche!“ Selbst die Ämter hätten bestätigt, dass es sich bei dem Hinterhaus um eine Gewerbefläche handele, so Hagen Wittenborn. 

Das sieht das Bezirksamt anders. „Bei dem Hostel in der Weserstraße 207 handelt es sich um einen Beherbergungsbetrieb, der in Räumlichkeiten betrieben wird, für die eine Baugenehmigung als Wohnraum besteht. Bei einem Hostel handelt es sich bauordnungsrechtlich um einen sogenannten „Sonderbau“, für den ein Baugenehmigungsverfahren inklusive eines geprüften Brandschutznachweises erforderlich ist. Die Nutzungsänderung ist also ohne die erforderliche bauaufsichtliche Genehmigung erfolgt“, heißt es vonseiten der Behörde. Außerdem müsse geklärt werden, ob das Hostel an dem Standort überhaupt betrieben werden dürfe oder wegen seiner Größe und Art im Wohngebiet unzulässig sei. Die frühere Nutzung ändere daran nichts.

Nach eine schriftlichen Mitteilung des Sachverhalts aus Sicht des Bezirksamts sowie einer Besichtigung der Räumlichkeiten kam nun der Brief vom Bezirksamt: Der Betreiber des Hostels solle den Betrieb beziehungsweise die Beherbergung von Personen mit sofortiger Wirkung einstellen, sonst drohe Wittenborn eine Zwangstrafe in Höhe von 2.000 Euro. Das bestätigte er auch auf reisereporter-Nachfrage. Das Bezirksamt Neukölln war bisher nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. 

Hagen Wittenborn, der sich mit dem Hostel einen Traum verwirklicht hat, stöhnt. „Jeder Euro tut weh“, sagt er, wenn er an die mögliche Strafe denkt. Für den Betrieb hat er im vergangenen Jahr seinen Job in Düsseldorf gekündigt, wollte auf jeden Fall nach Berlin in die junge Gründerszene, etwas machen, sich verwirklichen. 

Es sei nicht ganz abwegig, dass der Grund für die Aktion des Bezirksamt von den Nachbarn verursacht wurde. So schreibt auch die Behörde auf reisereporter-Nachfrage, dass erst nachdem Hinweise eingegangen seien, die Behörde sich an den Grundstückseigentümer gewendet habe.

Hagen Wittenborn wundere sich auch über die negativen Bewertungen seines Hostels auf Facebook von Menschen, die nie dort Gast gewesen seien. „Die Vormieter hatten auch Probleme mit den Nachbarn“, weiß Hagen Wittenborn. Das bestätigt auch Vermieter Alexander Skora. Nachdem aber der Kellerclub verschwunden und nur noch das Restaurant betrieben worden sei, hätten sich die Anwohner beruhigt. Skora versichert: Es bleibt ruhiger als vorher mit der Livemusic und einen Kellerclub werde es nicht wieder geben.