Die Bilder gingen um die Welt: Polizisten zerren Doktor David Dao brutal aus einem Flugzeug, das überbucht ist. Der Vorfall hat United Airlines einen extremen Imageschaden beschert. Zudem bereitet der Passagier nun offenbar eine Klage gegen die Airline vor.

Wie CBS News berichtet, forderten seine Anwälte bei Gericht in Chicago die Herausgabe der Aufnahmen der Überwachungskameras aus dem Flieger sowie die Listen der Passagiere und der Besatzung. Die Anwälte teilten außerdem mit: „Die Familie von Doktor Dao möchte, dass die Welt weiß, dass sie sehr dankbar ist für die Vielzahl an Gebeten und die Unterstützung, die sie erfahren hat. Aktuell konzentrieren sie sich auf die medizinische Behandlung von Doktor Dao.“

Der Chef von United Airlines, Oscar Munoz, hatte sich am Dienstag offiziell entschuldigt: „Niemand sollte jemals auf diese Weise misshandelt werden“, heißt es in der Stellungnahme. 

Der Grund für den rabiaten Rauswurf: Der Flug war überbucht. Es wurden nicht genug Freiwillige gefunden, die den Flieger verlassen. Schließlich traf ein Computer zufällig die Wahl, sie fiel unter anderem auf Dao. Er weigerte sich auszusteigen, weil er zu einem Patienten müsse. 

Überbuchungen bei Airlines: gängige Methode

Überbuchungen kommen auch in Deutschland vor – und sind gar nicht mal selten. „Airlines überbuchen Flüge eigentlich immer um eine gewisse Prozentzahl“, sagt Stefanie Müller, Sprecherin des Fluggastrechteportals Flightright, dem reisereporter. Denn die Fluggesellschaften rechnen damit, dass einige Passagiere nicht zum Abflug kommen (so genannte „No-Shows“). Sie nehmen daher mehr Buchungen an, als Sitzplätze zur Verfügung stehen. Wie sehr ein Flug überbucht werde, hinge vom Flughafen, der Reisesaison, der Zeit und dem Ziel ab. 

Geht die Rechnung nicht auf und es erscheinen mehr Passagiere, als Plätze vorhangen sind, wird umgebucht. „Im Prinzip können wir feststellen, dass Überbuchungen häufiger auf kurzen Flügen, der Kurzstrecke, vorkommen“, so Müller.

Der Grund für eine Umbuchung kann auch sein, dass ein kleineres als das ursprüngliche Flugzeug als Ersatz eingesetzt wird – wenn zum Beispiel die eigentliche Maschine nicht voll ausgelastet ist und der Flug sich dadurch nicht lohnen würde. Und: Häufig sind Umbuchungen auch eine Folge von Flugausfällen oder Flugverspätungen. 

Umbuchung: Diese Rechte haben Passagiere

Wenn du aufgrund einer Umbuchung nicht an Bord konntest und du dadurch mehr als drei Stunden verspätet an deinem Ziel ankommst, hast du ein Recht auf Entschädigung in Höhe von 250 bis 600 Euro. Denn dann liegt eine Nichtbeförderung vor. 

Die Summe ist nicht abhängig von der Dauer der Verspätung, die dir dadurch entsteht, sondern von der Länge der Flugstrecke. Bei einer Flugdistanz von weniger als 1.500 Kilometern hast du Anspruch auf 250 Euro, bei 1.500 bis 3.000 Kilometer erhältst du 400 Euro und bei mehr als 3.500 Kilometern 600 Euro. 

Grundlage für die Entschädigung ist die EU-Fluggastrechteverordnung. Sie greift allerdings nicht bei außergewöhnlichen Umständen, dazu zählen Streiks, Wetterturbulenzen und unvermeidbare Sicherheitsrisiken.

Wie bekomme ich die Entschädigung?

„Die Airlines müssen den Fluggästen zuerst die Möglichkeit geben, gegen eine Ausgleichsleistung freiwillig vom Flug zurückzutreten“, sagt Müller. Normalerweise geschehe das beim Check-in oder bereits vorher. „Die Airlines haben ja auch ein Interesse, dass das vor dem Boarding geregelt ist und unangenehme Situationen an Bord vermieden werden.“ Ein solcher Fall wie bei United Airlines sei „für uns eine bisher einmalige Geschichte“, so die Flightright-Sprecherin. 

Wenn du umgebucht wirst, dann lass dir von der Fluggesellschaft den Umbuchungsgrund bestätigen, sammel Beweise (Fotos, Belege, Tickets, Gutscheine) und wende dich mit deinem Entschädigungsantrag direkt an deine Fluggesellschaft. 

Fluggäste sollten keine Angebote annehmen, die deutlich unter den von der EU-Verordnung vorgegebenen Leistungen liegen. „Wenn Fluggäste einfach einen Gutschein in die Hand gedrückt bekommen, sollten sie deutlich machen, dass sie nicht freiwillig zurückgetreten sind und den Gutschein nicht als Gegenleistung für eine freiwillige Nichtbeförderung akzeptieren“, betont Müller.