Sambia: Abenteuer Walking Safari | reisereporter.de

Sambia: Safari auf dem Hippo-Highway

Was für ein Abenteuer: Zu Fuß unterwegs zu Büffel, Nilpferd und Giraffe: Bei einer Walking Safari in Sambia fühlt sich der Mensch ganz klein in der Natur.

Eine Gruppe Flusspferde mit Vögeln auf dem Rücken in Sambia.
Eine Gruppe Flusspferde mit Vögeln auf dem Rücken in Sambia.

Foto: imago/imagebroker

Wirklich allein sind wir beim Abendessen nicht. Dabei ist dieses idyllische Plätzchen direkt am Ufer des Luangwa-Flusses ziemlich exklusiv. Maximal zwölf Touristen beherbergt das Nsefu-Camp in sechs Hütten. Doch an diesem Abend sind noch ein paar andere Lebewesen in der Nähe. Wir können sie beim sanften Kerzenschein zwar nicht sehen, aber umso besser hören.

War das eben ein Nilpferd, das unten am spärlichen Wasserlauf lautstark grunzte? Heulen da hinten Hyänen? Brüllen auf der anderen Flussseite Löwen, die sich zur Gnu-Jagd verabreden? Die Nacht im Südluangwa-Nationalpark in Sambia mit seinen mehr als 230 Säugetier- und 400 Vogelarten hat eine aufregende Geräuschkulisse zu bieten.

Elefantenbullen stampfen am Safaricamp vorbei

Es bleibt jedoch keine Zeit, der Sinfonie zu lauschen, denn nun schauen tatsächlich zwei imposante Gesellen um die Ecke: Junge Elefantenbullen haben Appetit auf das am Ende der Trockenzeit immer noch grün-saftige Laub des Leberwurstbaums. Erstaunlich geräuscharm stapfen sie an den Camp-Gästen vorbei, ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen. Das hier ist ihr angestammtes Territorium. Die Elefanten haben das Sagen, nicht der Mensch.

„Jetzt wäre die Gelegenheit günstig, um ins Bett zu gehen“, sagt Guide Sebastian mit diplomatischem Geschick. Was er meint, ist: Später könnten einem die Dickhäuter den Weg zur Schlafstätte versperren. Per Taschenlampe werden wir die wenigen Meter eskortiert. Kein Tourist darf hier nachts allein unterwegs sein – und will das auch gar nicht.

Jüngst erst schneiten Löwen herein und vertrieben den Barmann aus seiner Bar. Und tatsächlich: Kaum haben wir das Licht gelöscht, steht auch schon ein Elefantenbulle vor unserem Hütteneingang und rupft lautstark Blätter aus dem Baumwipfel.

Sambia: Näher kommst du Tieren nicht

Näher als hier im Süden Sambias kannst du den Tieren Afrikas kaum kommen. Anders als beispielsweise in der Serengeti, wo schnell dutzende Geländewagen hinter einem Geparden herfahren und der Jäger zum Gejagten wird, sind nur vereinzelte Fahrzeuge unterwegs.

Walking Safari in Sambia

Und anders als bei manchen Game Drives etwa in Südafrika kommt es auch nicht darauf an, die Big Five abzuhaken. In Sambia bist du mit Büffel oder Leopard auf du und du. Wer ihnen noch näher kommen will, wagt sich hinaus auf eine Walking Safari – entweder für einen ausgedehnten Spaziergang oder gleich für mehrere Tage und mit Zelt.

Die Zu-Fuß-Pirsch wurde hier im Nsefu-Camp, der ältesten Lodge ganz Sambias, erfunden: Verantwortlich dafür war der Brite Norman Carr (1912–1997). In jüngeren Jahren, also noch zu Kolonialzeiten, hatte er den Posten eines „Elephant Control Officer“ inne, was nicht viel anderes war als ein Großwildjäger mit der staatlichen Lizenz, Problem-Dickhäuter zu töten. Später jedoch wandelte sich Carr zu einem Naturschützer mit Vision. Als anderswo noch auf wilde Tiere geschossen wurde, baute er Anfang der 50er-Jahre das Nsefu-Camp auf und ermunterte Nationalpark-Besucher, lieber auf den Auslöser ihrer Kamera zu drücken. Das waren die Anfänge der heute so beliebten Fotosafari.

Bei Sonnenaufgang zu Fuß in den Busch

Carr – Spitzname: „Kakuli“, was so viel heißt wie alter Büffel – sorgte dafür, dass die lokale Bevölkerung an den Einnahmen beteiligt wurde und damit den Wert eines lebenden Tieres höher zu schätzen lernte als den eines toten.
Vor noch nicht allzu langer Zeit war das anders: Mancher Guide erzählt Geschichten, wie Dorfbewohner mit ihren Hunden Warzenschweinen oder Impalas nachstellten.

Und heute? John, Ende zwanzig und Guide im Nkwali-Camp, schüttelt entrüstet den Kopf: So etwas gebe es nicht mehr, die Strafen seien hoch. Und wenn die Elefanten zu den Dörfern kommen und Maisfelder und Mangobäume plündern? „Dann versuchen wir, sie mit viel Lärm zu vertreiben“, sagt John. Konfliktfrei ist das Zusammenleben von Mensch und Tier nicht, aber man versucht, sich zu arrangieren.

So ziehen wir also bei Sonnenaufgang zu Fuß los in den Busch. Ganz vorn geht ein Nationalpark-Ranger mit Gewehr in der Hand, so ist es Vorschrift. Dann folgt Guide Sebastian, dann ich und am Ende ein zweiter Guide, der das Frühstück im Rucksack trägt. Bald schon schauen wir in die bewimperten Augen von Giraffen – so sehr dies aus Fußgänger-Perspektive eben möglich ist. Die Giraffen schauen in einer Mischung aus Skepsis und Neugier zurück.

Im Fluss plantschen Nilpferde

Unten im Fluss plantschen Nilpferde, einige Krokodile dösen im warmen Sand. Wir halten respektvollen Abstand. Löwen oder Leoparden bekommen wir nicht zu Gesicht. „Sie suchen das Weite, wenn sie uns hören“, sagt Sebastian. Nur Spuren entdeckt er. Säßen wir in einem Auto, hätten sich die großen Katzen wohl nicht gestört gefühlt, Fahrzeuge verbinden sie nicht mit Gefahr.

Nur einmal fasst Ranger Geoffrey sein Gewehr etwas fester: Büffel pausieren auf unserem bestens ausgetretenen Pfad, der nachts zum „Hippo-Highway“ wird, wie Sebastian sagt. Die Büffel machen sich bei unserem Anblick sogleich aus dem Staub.

Es sind keinesfalls nur die großen Tiere, denen unsere Aufmerksamkeit gilt. Sebastian erspäht Adler und Eulen, die wir allein nicht einmal mit dem Fernglas entdeckt hätten. Eisvögel und Bienenesser schwirren vorüber, Perlhühner trippeln im hektischen Zickzack durch den Sand, in dem nach den ersten, kurzen Regenfällen frisches Gras sprießt.

Bei einer Walking Safari fühlst du dich schon nach ein paar Stunden nicht mehr wie ein Eindringling. Man hat aber auch gelernt, seinen Platz in der Natur neu einzuschätzen – und kommt sich ziemlich klein vor.

Schon beim nächsten Abendessen wirken die Tierstimmen in der Dunkelheit beinahe vertraut. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings das Nilpferd, das ein paar Tage später im Nkwali-Camp aus dem Teich hinter dem Essenszelt klettert und sich Richtung Küche aufmacht. Der Kellner weiß sich zu helfen: Er serviert den Nachtisch mit einem kleinen Umweg rund ums Haus.

Sambia: Tipps zu Anreise & Reisezeit

Anreise: Mit South African Airways über Johannesburg nach Lusaka und dann weiter mit Proflight nach Mfuwe.

Visum: 50 Dollar, zahlbar bei Einreise.

Beste Reisezeit: Die Monate Mai bis September sind wegen der angenehmen Tagestemperaturen zu empfehlen, nachts kühlt es ordentlich ab. Ab Oktober wird es heiß. Die Regenzeit beginnt im Dezember und dauert bis April.
Veranstalter

Safari: Der Spezialveranstalter Abendsonne Afrika bietet Safaris im südlichen und östlichen Afrika für Kleingruppen und Individualisten an. Bei dem Safarispezialisten sind auch Unterkünfte etwa bei Robin Pope Safaris buchbar.

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Der Autor
Stefan Stosch, RND-Redakteur, ist mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Peking gefahren, mit dem Expeditionsschiff in die Antarktis, mit dem Huskyschlitten durch Norwegen und mit ... mehr
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