So feierst du Kanadas 150. Geburtstag mit

Die Nationalparks locken zur Feier des kanadischen Jubiläums 2017 mit freiem Eintritt. Und die kanadische Hauptstadt Ottawa verpasst sich zum 150-jährigen Staatsjubiläum ein neues Image als aufregende Kulturstadt.

Zwei Frauen feiern Kanadas Geburtstag in Rot und Weiß
Am 1. Juli ist die ganze Stadt Ottawa in Rot und Weiß gekleidet.

Foto: Philip Häfner

An jedem 1. Juli verwandelt sich Ottawa in eine Hauptstadt des Partypatriotismus. Überall in der Stadt treten am kanadischen Nationalfeiertag Musiker und Straßenkünstler auf, viele Museen bieten kostenlosen Eintritt. Die Bars und Restaurants im Ausgehbezirk Byward Market sind brechend voll, am Abend gibt es ein großes Feuerwerk.

Herzstück der Feierlichkeiten ist Parliament Hill: Zu Füßen des Parlamentsgebäudes feiern Zehntausende die Staatsgründung Kanadas im Jahr 1867. „Das ist der Ort, an dem wir zeigen wollen, dass wir stolz sind, Kanadier zu sein“, erzählt Bob Renshaw aus Ottawa. Längst ist es eine Familientradition geworden. „Als Kind war ich hier zum 125. Geburtstag des Landes“, sagt Renshaw. „Und jetzt nehmen wir unsere Kinder mit zum 150.“

Panorama von Ottawa: Das Gebäude des kanadischen Parlaments.
Panorama von Ottawa: Das Gebäude des kanadischen Parlaments. Foto: imago/imagebroker

Kanada feiert 150. Geburstag

2017 wird in Ottawa aber nicht nur am 1. Juli, sondern das ganze Jahr über gefeiert. Zum 150-jährigen Bestehen des Landes hat die Hauptstadt ein ambitioniertes Kulturprogramm zusammengestellt, um damit auch ihren Ruf aufzupolieren. „Wir wollen der Stadt ein neues Image verpassen“, sagt Guy Laflamme. Er organisiert das Programm, das sich Stadt, Land und Provinz zusammen rund 70 Millionen kanadische Dollar kosten lassen, umgerechnet fast 50 Millionen Euro.

 

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Bislang galt die Stadt mit ihren knapp 900.000 Einwohnern oft als langweiliger Regierungssitz. Das Beste an Ottawa sei die Brücke hinüber nach Quebec, lautet ein alter Witz – weil dort das Nachtleben besser sei. Und schon kurz nach der Ernennung zur Hauptstadt Kanadas spottete eine amerikanische Zeitung, Ottawa sei leicht zu verteidigen, weil sich jeder Angreifer unweigerlich in den Wäldern verlaufen würde beim Versuch, sie zu finden. Auch viele Touristen ließen die Stadt bislang auf dem Weg nach Toronto oder Montreal links liegen.

„2017 ist unsere große Chance, der Welt zu zeigen, was sich hier in den vergangenen Jahren alles getan hat“, sagt Guy Laflamme. Das Ziel: 1,75 Millionen zusätzliche Besucher, 320 Millionen kanadische Dollar Einnahmen, 3.000 neue Jobs.

Zusätzlich zu den vielen Veranstaltungen, die ohnehin jedes Jahr stattfinden – das Winterfest „Winterlude“, Blues- und Jazzfestivals, das weltgrößte Kammermusiktreffen –, gibt es in diesem besonderen Jahr unzählige weitere. „Wir wollen, dass Besucher immer etwas geboten bekommen, egal wann sie nach Ottawa kommen“, sagt Laflamme.

Zu den Höhepunkten des Programms zählen im Sommer ein großes Picknick auf der Alexandra Bridge mit grandioser Aussicht auf die Stadt und eine Multimedia-Installation in einem U-Bahn-Schacht. Sämtliche kanadische Provinzen präsentieren sich mit einem eigenen Programm und im Rahmen von „YOWttawa“ treten die besten Musiker aus Kanada sowie Frankreich, Großbritannien und Irland, den Gründernationen des Landes, auf.

Der Byward Market ist das Ausgehviertel der Stadt
Der Byward Market ist das Ausgehviertel der Stadt. Foto: Philip Häfner

Wenn nicht 2017 nach Ottawa, wann dann?!

Etliche Museen bieten Sonderschauen. Im nationalen Geschichtsmuseum eröffnet am 1. Juli eine neue Dauerausstellung zur Historie des Landes, von der ersten Besiedlung bis in die Gegenwart. Ab Mai blühen dann in der ganzen Stadt rot-weiße Ahornblatt-Tulpen, im Herbst steigt der Grey Cup, das Finale der kanadischen Football-Liga, zudem hofft man noch auf ein Freiluftspiel der Eishockeyliga NHL. „Im besten Fall holen die Ottawa Senators auch noch die Meisterschaft“, sagt Guy Laflamme und lacht. Er weiß: Der Titelgewinn des örtlichen Eishockeyteams ist eines der wenigen Dinge, die er in diesem Jahr nicht beeinflussen kann.

Ottawa ist 2017 eine Reise wert. Ein idealer Ausgangspunkt für einen Besuch ist das Château Laurier, ein imposantes Eisenbahnhotel, dessen Bau einst von Charles Melville Hays in Auftrag gegeben wurde – er starb jedoch wenige Tage vor der Eröffnung auf der „Titanic“.

Von dort sind es nur wenige Schritte bis zu den Schleusen am Rideau-Kanal, der Ottawa mit dem Sankt-Lorenz-Strom verbindet und seit 2007 zum Weltkulturerbe gehört. Im Winter, wenn der Kanal zufriert, wird ein sieben Kilometer langer Abschnitt im Stadtzentrum zur weltweit längsten Schlittschuhbahn. Zur Stärkung gibt es zwischendurch einen Beaver Tail, einen Bieberschwanz: Schmalzgebäck mit verschiedenen Belägen, von süß bis deftig – eine Spezialität des Ortes.

Die Schleusen des Rideau-Kanals sind Weltkulturerbe.
Die Schleusen des Rideau-Kanals sind Weltkulturerbe. Foto: Philip Häfner

Gleich hinter dem Kanal liegt Parliament Hill, das politische Zentrum des Landes. Das Parlament steht Besuchern offen; Tickets gibt es gratis, allerdings sind die Warteschlangen lang. Das alte Parlamentsgebäude war 1916 abgebrannt, einzig die Bibliothek überstand das Inferno. 600.000 Bücher lagern dort, zumeist politische und juristische Fachliteratur, „aber es gibt auch eine kleine Sektion mit fiktionaler Literatur“, berichtet Tourguide Pascale Sylvester. 

Bei den Geschichten von Jim Antonakos weiß man manchmal nicht so genau, ob sie wahr sind oder Fiktion. Antonakos ist Tourguide bei Ottawa City Rafting, er veranstaltet Rafting-Trips auf dem Fluss. Ottawa ist wahrscheinlich die einzige Großstadt der Welt, wo man innerhalb der Stadtgrenze raften gehen kann – eine aufregende Abwechslung zu Kultur und Konsum.

Weiter flussaufwärts befänden sich einige der schwierigsten Rafting-Reviere der Welt, erzählt Jim Antonakos. „Aber keine Sorge: Das hier ist die familienfreundliche Variante.“ Nass wird man trotzdem, während es durch insgesamt drei Stromschnellen geht. Start ist am belebten Britannia Beach. Von dort aus geht es rund drei Stunden stromabwärts, im Hintergrund immer die Skyline von Ottawa mit dem markanten Peace Tower des Parlamentsgebäudes. Zwischendurch werden Limonade und Wasser gereicht.

Im 19. Jahrhundert ging es auf dem Fluss weniger gemütlich zu, berichtet Antonakos: Damals wurde dort geflößt, Faustkämpfe entschieden darüber, welche Firma die Stromschnellen als Erstes passieren durfte. Einige der Stämme ragen heute noch aus dem Wasser – manche sind 10.000 Dollar wert. „Sie gehören der britischen Königin“, erklärt Antonakis. So wie Kanada, bis es vor 150 Jahren unabhängig wurde.

Ottawa: Tipps zur Anreise

Anreise: Air Canada bietet Direktflüge von Frankfurt am Main nach Ottawa an. Flugpreise in der Hochsaison (8. Juli bis 21. August) ab 1205 Euro, in der Zwischensaison bereits ab 1015 Euro. Viele Besucher reisen auch über Toronto an – dorthin fliegen unter anderem Air Canada und Lufthansa, zum Beispiel ab Frankfurt.

Einreise: Deutsche Staatsbürger brauchen für einen Aufenthalt von bis zu sechs Monaten kein Visum. Seit 2016 ist aber eine elektronische Einreisegenehmigung Pflicht, die vor dem Flug nach Kanada beantragt werden muss. Die Electronic Travel Authorization (eTA) kann online in wenigen Minuten beantragt werden. Dazu werden der Reisepass, eine Kreditkarte und eine E-Mail-Adresse benötigt. Die Gebühr für eTA beträgt 7 Kanadische Dollar und gilt für maximal fünf Jahre. 

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