26 Millionen Kubikmeter Schutt. Das ist die Größe des Geröllhaufens, auf dem Besucher und Touristen auf dem Teufelsberg herumlaufen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Reste der zerstörten Gebäude abgetragen und hier aufgeschüttet. Namensgeber ist übrigens der nahe gelegene Teufelssee

Bis Ende des Jahres 1972 wuchs der Berg und je größer er wurde, desto mehr Interesse fanden die Alliierten an der Anhöhe, um ihn für Abhörzwecke zu nutzen. Schließlich wurde hier die „Field Station“ eingerichtet, die zur Spionage genutzt wurde. Mit Ende des Kalten Krieges verließen die Amerikaner jedoch das Gelände und hinterließen die markanten Kuppelgebäude, die heute nicht mehr aus dem Stadtbild Berlins wegzudenken sind. 

Doch eine Entscheidung über die Nutzung des Geländes nach Abreise der Amerikaner fiel schwer: Zunächst gab es Pläne, aus den Häusern und der umgebenden Waldfläche eine Hotelanlage entstehen zu lassen – doch es kam zu Finanzierungsschwierigkeiten. Ab 2006 wurde das Gelände sich selbst überlassen. Während dieser Zeit erlangte der Teufelsberg unter Berlinern Kultstatus: Als Ausflugsziel in lauen Sommernächten gibt es wohl kaum einen anderen Ort in Berlin, an dem das Bier über den Dächern der Stadt besser schmeckt. Die leerstehenden Gebäude zogen aber auch Graffiti-Künstler und Filmteams an. Zuletzt wurde hier der Amazon-Prime-Thriller „You are wanted“ mit Matthias Schweighöfer gedreht.

Seit 2010 gab es vom damaligen Pächter des Geländes Bemühungen, den Besuch des Geländes zu organisieren und aus dem Streetart-Mekka eine Graffiti-Galerie zu machen. 2015 hat Marvin Schütte die Pacht übernommen. Seitdem kostet der Besuch des Teufelsbergs acht Euro Eintritt und es werden Führungen durch die Spionagegebäude für 15 Euro angeboten. 

Schüttes Visionen für den Teufelsberg sind zunächst auf kurzfristige Ziele ausgerichtet: das Dach erneuern, das Glände vom Müll befreien, den Anschluss ans Stromnetz ermöglichen und Beete anlegen. Gemeinsam mit einigen Mitstreitern soll auf dem zweithöchsten Berg Berlins ein Ort alternativer Lebensmodelle werden. Doch es gibt Widerstand aus der Stadt: Die Initiative Teufelsberg e.V. würde das Gelände lieber endlich von den Kuppelgebäuden befreien und zum offenen Naherholungsgebiet machen. Doch Naherholung sei auch in Schüttes Visionen enthalten, so der Pächter selbst.

Wie die Zukunft des Teufelsbergs genau aussieht weiß bislang niemand so recht. Schütte meint, dass bislang vieles noch unorganisiert sei und zunächst die interne Infrastruktur aufgebaut werden müsse. Dann könne man planen. Ein Besuch der ehemaligen Abhörstation lohnt sich trotzdem – allein um die Aussicht zu genießen und hunderte Graffitis zu entdecken.