Türkei verbietet Booking.com: Was ist mit meiner Reise?

Booking.com-Verbot: Das Aus für den Türkei-Urlaub?

„Unfairer Wettbewerb“ – mit der Begründung hat ein türkisches Gericht Ende März das Buchungsportal Booking.com ausgebremst. Der reisereporter beantwortet die wichtigsten Fragen. 

Booking.com wurde in der Türkei verboten
Vorwurf „Unfairer Wettbewerb“: Die Türkei hat Booking.com vorerst verboten.

Foto: imago/Schöning

Dem Unternehmen sind per einstweiliger Verfügung vorerst alle Aktivitäten in der Türkei untersagt. Das heißt konkret: Über Booking.com dürfen derzeit keine Hotels und Unterkünfte in der Türkei vermittelt werden. Außerdem wurde der Betreiber zu einer Geldstrafe von umgerechnet rund 636.000 Euro verurteilt. 

Türsab, die Vereinigung türkischer Reisebüros, hatte bereits 2015 Klage gegen Booking.com eingereicht. Türkische Hoteliers beanstandeten damals die aus ihrer Sicht hohen Vermittlungsgebühren des Buchungsportals.

Wie reagiert Booking.com?

Booking.com akzeptierte das Urteil zunächst, legte dann aber Berufung gegen die einstweilige Verfügung ein, wie eine Sprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. „Booking.com verhält sich immer konform zu den lokalen Richtlinien“, heißt es. Und: „Wir haben großes Vertrauen in einen positiven Ausgang.“

Was heißt das für meine bereits gebuchten Reisen?

Laut der türkischen Tageszeitung „Hürriyet“ wies der Generalsekretär der Türsab, Cetin Gürcün, darauf hin, dass das Urteil für bereits gebuchte Reisen über Booking.com keine Auswirkungen hat. Die gerichtliche Anordnung betreffe aber alle künftigen Buchungen.

Und wer ist konkret betroffen?

Das Urteil sei eine Inlands-Entscheidung, betont der stellvertretende Präsident der türkischen Handelskammer, Yusuf Hacisüleymanoglu. Es habe für ausländische Urlauber keine große Bedeutung. Nur für Kunden aus der Türkei sei es dem Portal untersagt, Unterkünfte im eigenen Land zu buchen. Allerdings: Wer als Urlauber bereits in der Türkei ist und Unterkünfte in der Türkei buchen möchte, ist ebenso von der Entscheidung betroffen.

Kann ich trotzdem noch über Booking.com Unterkünfte in der Türkei buchen?

Von Deutschland aus sind weiterhin alle Buchungen möglich. Von der Türkei aus können Kunden die Plattform weiterhin für Auslandsreisen nutzen. 

Über die App und Webseite des Portals lassen sich seit dem 30. März 2017 aus der Türkei heraus allerdings keine Unterkünfte im Land mehr zu buchen.

Wie wird sich der Streit auf den Tourismus in der Türkei auswirken?

Der Streit fällt in die Zeit großer politischer Spannungen zwischen der Türkei und etlichen europäischen Ländern, darunter Deutschland und die Niederlande. Auch wirtschaftlich ist die Lage angespannt. Die wichtige Tourismusbranche steckt in einer schweren Krise. Aufgrund mehrerer Terrorattacken und der umstrittenen Politik Erdogans ist die Zahl ausländischen Besucher eingebrochen. 

Nach Angaben von Deniz Ugur vom Schweizer Türkei-Spezialisten Bentour wird der klassische Vertrieb gestärkt.  Für Kunden würde im schlimmsten Fall ein Vertriebskanal wegfallen. Nachteile hätten jedoch die türkischen Hoteliers, weil zumindest in Istanbul viele mit Booking.com zusammengearbeitet haben.

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