Aus den Lautsprechern in der Lobby plätschert dezent AC/DC, danach Motörhead. Im Frühstücksraum rüsten sich seltsame Gestalten in Schwarz mit reichlich Eiern und Speck für den Tag. Willkommen beim „härtesten und lautesten Winterurlaub der Welt“, wie es der Veranstalter verspricht. Auf jeden Fall Willkommen zum Ski-Urlaub der etwas anderen Art. 

Schon an der Bergstation der Kabinenseilbahn steht in knapp 2000 Meter die erste Bühne, für die 28 Bands aus aller Welt. Die nächste an der Mittelstation und unten im Tal das riesige Festival-Zelt. Von der Piste direkt zum Headbangen. Wacken im Schnee.

Die Entstehung des Full Metal Mountain Festivals 

Das Full Metal Mountain ist auch eine Idee von Holger Hübner und Thomas Jensen, die vor 27 Jahren das inzwischen legendär gewordene Wacken Open Air gegründet haben. Nach Wacken auf dem Schiff, den erfolgreichen Metal-Cruises, expandieren sie nun auch in die Berge. In diesem Jahr schon zum zweiten Mal. Ein Experiment noch. Aber wieder ein Experiment, das aufzugehen scheint.

Full Metal Mountain Festival 2017 

Schon fast 2000 Besucher kamen letzte Woche hier ins Gailtal, um abzurocken. Darunter auffallend viele mit dem traditionellen Wacken-Shirt und schon im etwas gesetzteren Alter. Eingefleischte Ski-Fahrer und Snowboarder, die eh schon seit Jahren Winterurlaub machen. Was nicht heißt, dass sich das Full Metall Mountain nur Fans mit größerem Geldbeutel leisten können. „Ich habe für die Woche 670 Euro gezahlt“, sagt Max, Jura-Student aus Regensburg. „Inklusive fünf Übernachtungen, Festival-Ticket für alle Konzerte und auch noch den Ski-Pass für eine Woche. Das ist ein absolut fairer Preis.“ Wer die Preise für einen Ski-Pass in den Alpen kennt, wird das ähnlich sehen.

Von der Skipiste direkt zum Headbangen

Die Idee, ein Urlaubspaket von Skifahren und Großevent zu schnüren, ist von den lokalen Touristikmanagern mit entwickelt worden. Schon seit Jahren beobachtet die Branche mit Sorge, wie sich der Klimawandel auch in den Bergen zu einer Gefahr für den Tourismus auswächst. Gerade hat Österreich nun auch noch den wärmsten März seit Beginn der Wetteraufzeichnung erlebt. Dazu eine ungewöhnliche Trockenheit. Viele Skigebiete, die sonst immer bis Ostern offen waren, haben schon vor Wochen den Lift-Betrieb eingestellt. „Umso wichtiger für uns ist es, alternative Konzepte für eine womöglich noch schneeärmere Zukunft zu entwickeln.“, sagt Christoph Gruber, Geschäftsführer der NLW Tourismus Marketing Organisation vor Ort. „Und dazu gehört auch das Full Metal Mountain“.

Wie gehts es in Zukunft weiter mit dem Festival? 

In die Zukunft schauen auch die Wacker-Macher. Abseits des Festivals luden sie zum ersten „Metal Summit“ ein. Zu einem Workshop, zu dem sich über 40 Persönlichkeiten aus den unterschiedlichsten Bereichen von Wirtschaft, Wissenschaft und Musik-Business trafen. Vom Unternehmensberater bis zum Philosophen. Alle aber untereinander verbunden mit ihrer Begeisterung für Heavy Metal Music. „Der Rock ist inzwischen in allen Bereichen und Altersschichten der Gesellschaft angekommen“, sagt Wacken-Gründer Thomas Jensen. „Rockfans sind ehrlich und authentisch, und sie führen keine Kriege. Rockmusik kann die Welt zum Guten ändern. Und vielleicht können wir ein wenig dazu beitragen.“ 
Ein Rock-Gipfel als Gegenentwurf zum Weltwirtschaftsforum in Davos? Auf dem ersten „Metal Summit“ gab es keine Angst vor verrückten Ideen und Visionen. Die Keynote, den Hauptvortrag auf der Kofelalm, hielt schon einmal Bruce Dickinson, britischer Selfmade-Millionär, Jumbo-Pilot, Bierbrauer – und Frontman und Singer von Iron Maiden, einer der erfolgreichsten Heavy Metal Bands aller Zeiten. Das nächste Full Metal Mountain Festival findet vom 2. bis 8. April 2018 statt. 

„Redporschekiller“ gegen 67er Porsche 911

Flugplatz Hartenholm, September 1988. In der Nähe von Bad Segeberg strömen über 200 000 Besucher zusammen, um ein einzigartiges Spektakel zu verfolgen: Der Erfinder und Zeichner des Kult-Comics „Werner“, Rötger Feldmann, tritt mit einem aus vier Horex-Motoren und einer Harley zusammengeschraubten Monster-Motorrad zu einem Wettrennen gegen seinen Kieler Kneipenwirt Holger Henze in dessen 67er Porsche 911 an. Die Einlösung einer Wette, ganz so wie im vierten Comic-Band „Das Rennen“ dargestellt. Nach 20 Sekunden und 600 Metern ist alles schon vorbei. Feldmann auf seinem „Redporschekiller“ hat sich verschaltet. Henze gewinnt. Nun haben die Wacken-Veranstalter die beiden endlich zur fälligen Revanche überreden können. 30 Jahre danach kommt es Ende August 2018 an selber Stelle zur Neuauflage. Wie schon damals natürlich auch mit großem Open-Air-Programm.