Kuriose Fakten rund um Big Ben | reisereporter.de

Big Ben: Mehr als ding dong

Dumdedumdum … dumdididum …

Der Big Ben in London
Big Ben: Der Glockenturm am britischen Parlament? Oder die Glocke im Glockenturm?

Foto: unsplash.com/Adi Ulici

Die berühmteste Melodie Londons erklingt schon seit dem 11. Juli 1859. Aber Big Ben heißt weder der Turm, noch das riesige Ziffernblatt und es ist auch keine der Glocken, die die berühmte Melodie erklingen lassen. Nein, es ist die Glocke, die für die anschließenden Stunden-Schläge erklingt. Mit der Bezeichnung „Big Ben“ verbinden wir in erster Linie den Glockenturm, der seit dem 60. Thronjubiläum von Queen Elizabeth in „Elizabeth Tower“ umbenannt wurde. Vorher hieß er schlicht „The Clock Tower“. Aber Vorsicht, die Engländer scherzen nicht gern über ihren geliebten Big Ben.

 

1. Stare bringen Big Ben zum Stillstand

Seit der Eröffnung des Glockenturms ging die Uhr fast durchgehend richtig. Sechs Ausnahmen gab’s bisher: 1949 hatte sich eine große Schar von Staren den Big Ben als gemütlichen Aussichtspunkt gewählt. Die Vögel ließen sich auf den Zeigern nieder und bremsten diese dadurch ab. An Silvester im Jahr 1962 war es so kalt, dass die Mechanik der Uhr nicht richtig funktionierte. 2005 hielt die Uhr sogar für 90 Minuten wegen eines defekten Zahnrads an.

2015 gab es bisher die größten Unregelmäßigkeiten, weil die Uhr fast zwei Wochen lang nicht pünktlich zur vollen Stunde schlug. Der Verantwortliche Uhrmeister nahm es gelassen. Die Rundfunkanstalt BBC hatte hingegen zu kämpfen: Da sie den Glockenschlag für die Nachrichten um 18 Uhr live überträgt, überraschte das verspätete Klingeln die Nachrichtensprecher und platzte mitten in die Moderation hinein.

 

2. Aprilscherz: Digitales Ziffernblatt

Das fanden die Londoner nicht lustig: Am 1. April 1980 ließ der Rundfunksender BBC ihre Nachrichtensprecher verkünden, dass die vier Ziffernblätter am Glockenturm in digitale Anzeigen getauscht werden sollen. Außerdem könnten die ersten vier Anrufer jeweils die Zeiger der vier Uhren gewinnen. Doch leider wurde der Scherz sehr ernst genommen und die BBC musste viele aufgewühlte Hörer, die sich für den Fortbestand der analogen Ziffernblätter einsetzen wollten, beruhigen und versichern, dass es sich hierbei nur um einen Aprilscherz handle. Der schnellste Anrufer war übrigens ein japanischer Seemann, der das Programm gehört hatte und kurzum anrief, um sich einen der vier Zeiger zu sichern. 

 

3. Leichte Neigung

Jep, der Glockenturm neigt sich ein wenig nach Nordwest. Um genau zu sein, neigt er sich um 0,26 Grad in Richtung des St. James’s Park. Aber keine Sorge, versichert ein Sprecher des „House of Commons“ den besorgten Reddit-Nutzern, die sich bereits ein Pisa-ähnliches Szenario ausmalten, bevor sich der Glockenturm so stark neigt wie der schiefe Turm von Pisa, müssen noch rund 10.000 Jahre vergehen.

 

4. Schon kaputt?

Big Ben, also die Glocke, hat einen Riss. Und das schon seit geraumer Zeit. Um genau zu sein, hat sie den Riss schon nach den ersten zwei Monaten, also im September 1859, erhalten. Der Grund? Der Hammer ist zu groß. Das gleiche ist sogar schon bei dem Vorgängermodell passiert. Die erste „Big Ben“-Glocke musste noch einmal eingeschmolzen werden, weil der Schaden, der beim Test-Läuten entstanden ist, nicht mehr zu reparieren war. Den Guss der zweiten Big-Ben-Version übernahm die Glockengießerei „Whitechapel Bell Foundry“, die 100 Jahre zuvor schon die amerikanische Liberty Bell angefertigt hatte. Auch sie ist beim ersten Läuten gerissen. 

Wenn man sich nun fragt, worin der 100-jährige Lernprozess bestand, muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass der Grund für den Riss nicht bei der Gießerei selbst lag. Ein Beamter des britischen Parlaments, der für Big Ben verantwortlich war und sich die Sache sehr zu Herzen nahm, wählte den zu großen Hammer. 

Die Glockengießerei konnte sich übrigens bis heute halten, wird aber ihr Geschäft im Mai 2017 schließen. Und der Riss hat sich auch nicht zum Nachteil für Big Ben entwickelt – vielmehr ist der besondere Klang zum Markenzeichen der Glocke geworden.

 

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Die Autorin
Seit sie für ein halbes Jahr in Japan war, ist sie jede freie Minute unterwegs. Ob Wochenendausflug an die Nordsee zum Surfen, Fahrradtour durch Schweden und Estland, Kletterurlaub ... mehr
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