Viele Urlauber kommen ins Grübeln: Könnte der Brexit negative Auswirkungen auf meine Reise haben? Der reisereporter beantwortet dir einige wichtige Fragen.

Ändert sich für Reisende jetzt schon etwas?

Direkt ändert sich erst einmal wenig. Das Auswärtige Amt teilt auf seiner Website mit, dass kurzfristige Veränderungen auf das Aufenthaltsrecht im Vereinigten Königreich oder auf den Zahlungsverkehr nicht zu erwarten seien.

Der Brexit wird frühestens im Frühjahr 2019 erfolgen, denn nach dem Vertrag von Lissabon gilt eine Kündigungsfrist von zwei Jahren (geregelt in Artikel 50). Der Prozess kann sich aber durchaus auch länger hinziehen. Bis dahin gibt’s für Reisende keine Einschränkungen.

Wird Urlaub in Großbritannien teurer?

Aktuell ist eher das Gegenteil der Fall. Schon das Brexit-Votum im Juni 2016 hatte zu einer deutlichen Abwertung des Britischen Pfundes geführt. EU-Bürger machen daher derzeit günstiger Urlaub in Großbritannien. Andersherum gilt jedoch: Für Briten wird der Urlaub im EU-Ausland teuer. Mittel- und langfristig bleibt das wohl nicht folgenlos für bei Briten beliebten Urlaubsregionen in der EU.

Wird Surfen und Telefonieren teurer?

Die Roaming-Gebühren in der EU werden am 15. Juni 2017 abgeschafft. Das heißt: Du zahlst auch im Urlaub fürs Surfen und Telefonieren nur noch für deinen ganz normalen deutschen Tarif. Aber bleibt das auch in Großbritannien so?

Die Roaming-Gebühren könnten für Verbraucher sehr spürbar sein.

André Schulze-Wethmar, Jurist

Nicht unbedingt: „Die Roaming-Gebühren könnten für Verbraucher sehr spürbar sein“, sagt Jurist André Schulze-Wethmar vom Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz dem reisereporter.

Aktuell ist noch nicht sicher, wie Roaming-Gebühren in Großbritannien aussehen könnten. Einige Anbieter haben in ihren Tarifen jedoch auch Nicht-EU-Länder wie Norwegen oder die Schweiz aufgenommen. Es ist also möglich, dass dir sorgloses Surfen und Telefonieren auch im Vereinigten Königreich erhalten bleibt.  

Brauchen Deutsche bald ein Visum für ihren Urlaub in Großbritannien?

Ob für die Einreise nach Großbritannien künftig weiterhin der Personalausweis reicht oder ob eventuell Reisepass oder sogar Visum nötig sind, lässt sich noch nicht sagen. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass ein Visumzwang eingeführt wird. Denn das könnte negative Auswirkungen auf den Tourismus haben und die bürokratischen Hürden wären ziemlich hoch. Das soll möglichst vermieden werden. 

Es könnte für Reisen von EU-Bürgern ähnlich aussehen wie in der Schweiz und Norwegen. Beide gehören nicht zur EU und deutsche Urlauber dürfen sich dort bis zu 90 Tage ohne Visum aufhalten.

Übrigens gibt es auch jetzt schon strengere Grenzkontrollen bei der Einreise, die nichts mit dem Brexit zu tun haben. Denn Großbritannien gehört nicht zum Schengen-Raum. 

Gibt's Auswirkungen auf Flüge nach Großbritannien?

Fluglinien mit Sitz in der EU dürfen in jedes andere EU-Land fliegen. Das wird durch das Abkommen „European Common Aviation Area“ geregelt. Wenn Großbritannien die EU verlässt, dann muss diese Regelung neu verhandelt werden. Preise für Flugtickets könnten steigen.

Konkrete Auswirkungen könnte der Brexit auf Fluggastrechte haben, sagt André Schulze-Wethmar. „Reisende haben laut der EU-Fluggastrechteverordnung ein Anrecht auf Entschädigung bei einer Verspätung oder Annullierung des Fluges.“ Sollten im schlimmsten Fall „alle Brücken zwischen Großbritannien und der EU abgerissen“ werden, so Schulze-Wethmar, dann würde diese Verordnung nicht mehr gelten.

Bedeutet: „Bei Hinflügen aus Deutschland nach Großbritannien hätten Passagiere dann zwar noch das Recht auf Entschädigung, auch wenn sie mit einer britischen Airline fliegen. Bei einem Rückflug bestünde jedoch nur ein Anspruch, wenn sie mit einer EU-Airline fliegen wie zum Beispiel Lufthansa.“

Jedoch sei dies das worst-case-Szenario. Die Schweiz, die kein EU-Mitglied ist, hat zum Beispiel die EU-Fluggastrechte für sich für anwendbar erklärt. „Gleiches könnte Großbritannien auch“, so Schulze-Wethmar. Und sollte Großbritannien im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) verbleiben wie zum Beispiel Norwegen, Island und Liechtenstein, dann würde die Fluggastrechteverordnung ohnehin weitergelten, sagt der Jurist.