Regenzeit im Oman: Grüne Oase in der Wüste

Karge Hänge werden grüne Landschaft, ausgetrocknete Flussbetten zu Seen: Zur Regenzeit in Salalah im Oman. Die Stadt wird dann zum Urlaubs-Hotspot des Nahen Ostens.

Ein schattiges Plätzchen unter einem Baum am Rande des Dhofar-Gebirges
Ein schattiges Plätzchen unter einem Baum am Rande des Dhofar-Gebirges: Nach der Monsunzeit grünt es hier so üppig wie sonst kaum irgendwo in den arabischen Ländern.

Foto: Britta Matzen

Tierischer Stau auf der kurvigen Piste, die sich in die Dhofar-Berge hochschlängelt. Kamele schlendern ganz gemächlich über die Straße, bleiben stehen, beäugen kauend die Touristen. Der Front Office Manager im Rotana Resort in Salalah, Michael Dechantsreiter, hatte uns schon gewarnt. „Kamele sind die größte Gefahr auf der Straße. Sie haben die Farbe vom Sand, und wenn die Luft vor Hitze flimmert, sieht man sie nicht.“ Plötzlich stünden sie vor einem – so groß wie ein Bus. Damit müsse man beim Autofahren im Sultanat Oman immer rechnen.

Groß sind die Tiere in der Tat. Allerdings sind es in Wahrheit Dromedare, die wir hier gerade vor der Nase haben. Aber ob einen Höcker oder zwei – das spiele keine Rolle, meint Tourguide Nasser Emara vom Meeting Point Oman. „Für uns sind das Kamele.“

Wir sind mit Jeeps im Hinterland von Salalah unterwegs. Unser Ziel: Wadi Darbat. „In der Regenzeit zwischen Ende Juni und Anfang September ist hier Hochbetrieb. Hunderttausende Touristen aus den reichen arabischen Golfstaaten reisen an, um Sprühregen zu genießen“, berichtet Nasser.

Das Sultanat Oman in der Regenzeit

Wenn Nebel und Monsunwolken über den Südoman ziehen, herrschen in Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait, Katar und den Emiraten Temperaturen bis weit über 45 Grad. „Statt Gluthitze genießen die Menschen hier die Sommerfrische – das Thermometer fällt im Gebirge auf 20 Grad“, sagt unser Reiseführer. Dazu verwandelt das Nass von oben die sonst kargen Hänge in eine sattgrüne Landschaft, ausgetrocknete Flussbetten werden zu Seen, auf denen die Menschen mit Tretbooten unterwegs sind. 

Salalah Beach ist eines der größten Tourismusprojekte

Das gefiel vor einigen Jahren auch dem Ägypter Samih Sawiris. Der milliardenschwere Unternehmer ist dafür bekannt, touristisches Potenzial zu entdecken. Auf einem ägyptischen Wüstenstreifen am Roten Meer begann er Ende der Achtzigerjahre damit, die Lagunenstadt El Gouna zu bauen. Die Idee trug er auch in den Oman. 20 Minuten von der Provinzhauptstadt Salalah entfernt begann er mit Unterstützung der Regierung, mitten im staubigen Nichts eines der größten Tourismusprojekte der Arabischen Halbinsel zu erschaffen: Salalah Beach.

Auf einer Fläche von 14 Quadratkilometern ließ Sawiris am Strand des Indischen Ozeans Hotels, Restaurants, Cafés, Lounges und eine Marina entstehen. Das erste Hotel eröffnete 2012: das Juweira Boutique Hotel mit 82 Zimmern. Es folgten das luxuriöse Fünf-Sterne-Resort Salalah Rotana mit 400 Zimmern und Suiten sowie das Fanar Hotel & Residences mit 300 Zimmern. Weitere vier Hotels sind in Planung. Kanäle und Lagunen fließen durch den Urlaubsort, in dem kein Gebäude höher ist als drei Stockwerke, demnächst können die Gäste auch Golf spielen. 

Oman: Vom Mittelalter in die Moderne katapultiert

Noch vor 47 Jahren galt das Sultanat Oman als eines der rückständigsten Länder der Erde. „Es gab nur drei Grundschulen im ganzen Land, eine Krankenstation und eine Teerstraße, die nicht mal zehn Kilometer lang war“, berichtet Tourguide Nasser. Doch seitdem Qaboos bin Said Al-Said 1970 als 29-Jähriger seinen rückwärtsgewandten Vater vom Thron stürzte, ist das Land vom Mittelalter in die Moderne katapultiert worden.

Sultan Qaboos investierte das Geld, das das Land mit Erdöl verdiente, und ließ sein Volk am Wohlstand teilhaben. Er bekämpfte den Analphabetismus und ließ Schulen im ganzen Land errichten, die erstmals auch Mädchen besuchen durften. 1986 wurde die erste Universität eröffnet – die Sultan-Qaboos-Universität. Der Anteil der Frauen unter den Studierenden ist hoch, teilweise beträgt er 50 Prozent. Für manche Studiengänge gibt es inzwischen sogar Männerquoten. 

Doch die Staatsbürger profitieren nicht nur von Bildungsprogrammen, es gibt auch ein kostenloses Gesundheitssystem, hohe Löhne, die in Teilen steuerfrei sind, und ein gut ausgebautes Verkehrsnetz. „Wir haben das beste Straßennetz auf der Arabischen Halbinsel: 60.000 Kilometer breite, geteerte Straßen, davon 2.000 Kilometer Autobahn“, verkündet Nasser. 

Der Sultan beschenkt die Omanis

Außerdem bekomme jeder Omani ein Grundstück vom Staatschef geschenkt. „900 Quadratmeter im Landesinnern oder 600 Quadratmeter am Meer – jeder kann sich bewerben. Auch Frauen dürfen solche Grundstücke bekommen“, sagt Nasser. Ja, die Untertanen lieben ihren Sultan sehr. 

„Oman ist ein besonderes Land – wir genießen auch religiöse Toleranz“, berichtet Nasser. Muslime und Nicht-Muslime lebten hier seit Jahrhunderten friedlich zusammen. Die Offenheit hänge mit einer speziellen Form des Islam zusammen. „70 Prozent der Omanis sind Ibaditen, die übrigen 30 Prozent sind Sunniten und Schiiten. Die Beleidigung anderer Glaubensrichtungen ist gesetzlich verboten.“

Verspiegelte Pilotenbrille, weiße Dishdasha, Sandalen an den Füßen und auf dem Kopf ein gewickeltes Kaschmirtuch – coole Eleganz auf die omanische Art – so steht Yousef Al-Shanfari vor uns. „Ich bringe euch heute zu einer nur bei Einheimischen bekannten Bucht nördlich von Mirbat. Mit Glück können wir dort mit Delfinen schwimmen“, sagt der 31-jährige Omani, der mit seinem Unternehmen „Around the Ocean“ Wassersportaktivitäten wie Fischen oder Wal- und Delfintouren für Touristen anbietet.

Die Fahrt dauert etwa zwei Stunden, gegen Mittag sind wir da. Am Strand ziehen gerade Fischer ihren Fang aus dem Wasser – Netze voller silbrig glänzender, zappelnder Sardinen. „Eine Delfinfamilie kommt oft zum Fressen her. Einen der Delfine kenne ich bereits seit sieben Jahren“, sagt Yousef.

Tauchen mit Delfinen

Ausgerüstet mit Schwimmwesten, Schnorcheln und Flossen tauchen wir ein ins türkisfarbene Meer. Wir schwimmen hinaus, plantschen, warten, halten Ausschau, und dann sind sie mit einem Mal da: Sechs, acht, zehn Delfine drehen ihre Runde durch die Bucht. „Die Tiere sind neugierig, sie beobachten uns und kommen bestimmt noch mal zurück.“ Yousef soll recht behalten. Plötzlich sind sie neben, vor und unter uns – überall.

Später erzählt uns Yousef seine Geschichte. „Unsere Familie stammt aus Salalah. Mein Großvater war Dolchmacher, er hat noch die traditionellen omanischen Krummdolche gefertigt. Mein Vater war Fischer, und auch ich verdiente jahrelang meinen Lebensunterhalt mit dem Fischen.“ Eines Tages habe er einen Delfin gefangen. Er wollte ihn essen. „Der Delfin schaute direkt in meine Augen und weinte. Da kamen auch mir die Tränen. Ich habe ihn genommen und wieder ins Meer zurück gelassen.“

Dieses Erlebnis habe sein Leben verändert. Fortan wollte er sich nur noch für den Schutz der Meeressäuger einsetzen. 2008 gründete er seine Firma, ging mit Touristen tauchen. „Ich arbeitete sehr hart. 2010 kaufte ich mir mein erstes Boot. 2011 ging ich nach Italien auf die Seefahrtsschule, um mein Kapitänspatent zu machen.“ 2012 kaufte Yousef das zweite Boot, 2013 das dritte. „Heute habe ich acht Schiffe.“

Mit deutschen Touristen aufs Meer hinausfahren und Delfine beobachten – das sei sein bestes Geschäft. Das Business dürfe gern weiter so brummen – Inschallah, so Gott will.

Oman: Tipps für die Reise

Anreise: Arabische Fluglinien wie Emirates, Oman Air oder Qatar Airways bieten Flüge von Frankfurt/Main oder München nach Salalah – jeweils mit einem Zwischenstopp – an. Die Flugzeit beträgt mindestens 9,5 Stunden. Von Eurowings gibt es neuerdings Direktflüge nach Salalah vom Flughafen Köln/Bonn (der Hinflug dauert etwa sieben Stunden).

Beste Reisezeit: Ideal für Reisen nach Salalah ist die Zeit nach dem Monsun – also die Monate von Ende September bis Ende Mai.

Ausflugstipps: Besuch des „Museums des Weihrauchlands“, anschließend Besuch des Weihrauchmarktes „Haffah Souk“ in Salalah: drei Stunden mit deutschsprachiger Reiseleitung ab 73 Euro pro Person.

Delfin-Safari: Drei Stunden Wal- und Delfinbeobachtungstour per Boot mit englischsprachiger Crew sind ab 59 Euro pro Person buchbar. 

Mehr Informationen gibt es auf der Website von Oman-Tourismus.

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Die Autorin
Britta Matzen war immer schon eine Weltenbummlerin. Die Redakteurin der Lübecker Nachrichten lebte während des Studiums in Kalifornien und Italien und stillt heute ihr Fernweh, ind ... mehr
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