Rajasthan: Rundreise durchs Land der Maharadschas

Wohl nirgends gibt es eine solche Fülle an Palästen und Prachtbauten wie in Rajasthan im Norden Indiens – eine Reise wie durch Tausendundeine Nacht.

Ein Reitelefant für Touristen vor dem Amber Fort in Rajasthan in Indien
Das Amber Fort östlich von Jaipur ist eine der eindrucksvollsten Festungsanlagen Indiens.

Foto: imago/imagebroker

Nikki trägt Jeans statt Sari und kommt mit indischer Gelassenheit erst einmal zu spät. Sie kann sich das erlauben, denn im Gegensatz zur Mehrheit der indischen Frauen ist Nikki in dem kleinen Gewürzladen in Jodhpur ihre eigene Chefin.

„Mein Vater“, erzählt sie, „der schenkte sieben Weltwundern das Leben.“ Sieben Töchter, das ist für einen Inder mitunter kein leichtes Los. Doch Mohanlal Verhomal wollte, dass jede einzelne zu einer selbstständigen Frau heranwächst, und hinterließ jeder ihren eigenen kleinen Gewürzshop.

Nikki ist in dem kleinen Gewürzladen in Jodhpur ihre eigene Chefin.
Nikki ist in dem kleinen Gewürzladen in Jodhpur ihre eigene Chefin. Foto: Nora Lysk

„The Spice Girls of India“ – die Geschichte von Nikki und ihren Schwestern wurde sogar schon verfilmt. Nun verkaufen sie Tee aus Darjeeling, Kurkuma, Kardamom – und natürlich Safran. Die wertvollen gelb-roten zarten Fäden bewahrt Nikki wie einen Schatz unter der Ladentheke auf. Draußen auf den Basaren, erklärt sie, bekomme man in der Regel nur die Fälschungen untergejubelt. „Da machen sie den Safran aus gefärbten und getrockneten Kuhfladen.“

Und davon gibt's genug in den Straßen von Jodhpur. Denn wie überall in Indien haben auch in der zweitgrößten Stadt Rajasthans die Kühe das Sagen auf den Straßen. Früher regierten hier die Maharadschas. 

 

Rundreise durch Rajasthan in Bildern

Rajasthan, das Land der Krieger, liegt im Nordosten Indiens. Es zeugt immer noch davon, dass hier einst ein mehr als verschwenderischer Lebensstil geführt wurde. Zumindest in den Palästen. Zwei Kulturen, die islamische und die hinduistische, konkurrierten jahrhundertelang um die Vorherrschaft und die prachtvollsten Bauten. Paläste wie aus Tausendundeiner Nacht entstanden. 

Höhepunkt islamischer Architektur: Taj Mahal

Höhepunkt der islamischen Architektur ist immer noch das Taj Mahal. Dieses makellose aus weißem Marmor gehauene Wahrzeichen Indiens verfehlt zwar knapp die Grenze Rajasthans und liegt genau genommen im benachbarten Uttar Pradesh, trotzdem finden jährlich rund vier Millionen Besucher am frühen Morgen den Weg nach Agra, um das Taj Mahal im Sonnenaufgang zu sehen.

Der indische Schriftsteller Rabindranath Tagore bezeichnete das Taj einst als „Träne auf der Wange der Ewigkeit“. Von 1632 bis 1653 ließ Mogul Shah Jahan das Taj zum Gedenken an seine dritte Ehefrau erbauen, die nur ein Jahr zuvor bei der Geburt ihres 14. Kindes gestorben war. Es heißt, dass das Haar des Herrschers nach dem Tod seiner Frau quasi über Nacht ergraute. 

22 Jahre später war das Taj fertiggestellt, der Mogul allerdings kurz darauf entmachtet und inhaftiert. Zuvor soll er aber noch den 20.000 Arbeitern, die am Bau des Taj beteiligt waren, jeweils eine Hand abgeschlagen haben, damit sie nie wieder so etwas Schönes bauen konnten. Die Geschichte ist nur eine von unzählig vielen Legenden, die sich um das Taj Mahal ranken. 

Tour durch das königliche Rajasthan

Doch weil Höhepunkte immer ans Ende jeder Reise gehören, führt die Tour durch das königliche Rajasthan zunächst nach Jaisalmer, der goldenen Wüstenstadt, wo die Kamele den Kühen den Rang ablaufen. Schon von Weitem ist das rote Fort Jaisalmers zu erkennen, das sich aus der Wüste Thar erhebt. 

Hinter den Mauern leben immer noch um die 3.000 Einwohner. Sie handeln mit Kunsthandwerk oder betreiben kleine Hotels und Pensionen. Die ehemalige Herrscherfamilie ist längst umgezogen und wohnt in dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Stadtpalast. 

Kamelritt durch die Wüste.
Kamelritt durch die Wüste. Foto: Nora Lysk

Der Mandir Palace ist – wie so viele Paläste – mittlerweile zweigeteilt. In einem Flügel logieren die Touristen, im anderen wohnt die königliche Familie. So machte es auch der Maharadscha von Jaipur, Sawai Man Singh II.. Als irgendwann das Geld knapp wurde, verwandelte er seinen Palast in ein Fünf-Sterne-Luxushotel. Singh II. war es übrigens auch, der alle Springbrunnen des Rambagh-Palastes mit Champagner befüllen ließ, als er 1930 die Geburt seines Sohnes verkündete, der damit den Spitznamen „Bubbles“ weghatte. 

Zurück in Jaisalmer, geht es am Abend raus aus der Stadt und rein in die Wüste. Etwa 40 Kilometer außerhalb erstrecken sich die Sam Sand Dunes, wo die Touristen auf Kamelrücken gemütlich Richtung Sonnenuntergang reiten. Die zotteligen Tiere sind für die Nomaden in der Wüste lebensnotwendig, sogar die Armee nutzt die Tiere für den Grenzschutz zum verfeindeten Nachbarn Pakistan. Vor zwei Jahren stellte die  Regierung die „Wüstenschiffe“ Rajasthans unter einen besonderen Schutz, der dem der heiligen Kuh fast gleichkommt. 

Auf den Spuren von James Bond im Lake Palace

Filmreif geht es in Udaipur weiter, der Stadt, in der James Bond einst Octopussy aufspürte. Die berühmte Szene spielte im Lake Palace – mittlerweile ein ebenfalls zur Taj-Gruppe gehörender Luxus-Tempel mitten im Pichola-See gelegen. 

Das Ufer ist gesäumt von Palästen, prachtvollen Havelis, diesen für die Region typischen reichverzierten Kaufmannshäusern, und Tempeln. Am frühen Morgen sitzen hier die Frauen in ihren bunten Saris und zünden Räucherstäbchen an. 

Und weil durch die engen Gassen Udaipurs keine Autos passen, hupen hier nur noch die Tuk-Tuks um die Wette. Während der Fahrt mit dem Boot kommt selbst Rajveer Singh Shekawat ins Schwärmen. Regelmäßig führt der Reiseleiter Touristen durch seine Heimat. Rajveer kennt jede Ecke Rajasthans, unzählige Male fuhr er schon mit dem Boot im Sonnenuntergang am Wasserpalast vorbei. „Jedes Mal denke ich, hier würde ich gern ein Haus bauen“, verrät er. Für sich und seine Frau. Doch die Preise seien mittlerweile unerschwinglich. In Indien, das den Tourismus so sehr braucht, hat eben alles immer auch zwei Seiten. 

Darum ist Jodhpur die „blaue Stadt“

Am nächsten Morgen zieht die Karawane weiter nach Jodhpur, in die „blaue Stadt“, die nicht ohne Grund so heißt. Früher erkannte man die Häuser der Brahmanen, der Mitglieder der Priester-Kaste, an der blauen Farbe. Mittlerweile erstrahlen fast alle Häuser in Jodhpur in Königsblau. 

Der Grund ist ausnahmsweise wenig geheimnisvoll: Die Farbe soll schlicht die Mücken abhalten. Über der Altstadt mit ihren Havelis wacht das mächtige Fort Mehrangarh, dessen Fundament aus dem Fels gehauen wurde, auf dem es steht. Am Fuß der Festung verlief einst die Seidenstraße, über die nicht nur Gold und Edelsteine, sondern auch Gewürze ihren Weg nach Europa fanden. 

Dass die Geschichte von Nikki und ihren Schwestern ausgerechnet hier spielt, könnte kaum passender sein und klingt wie ein modernes Märchen. Wie so vieles in Indien, wo jeder Tag einem anderen Gott gehört, man Tempel für Ratten baut und die Kaste der Räuber tatsächlich in den Bergen wohnt.

Indien: Anreise, Einreise & Reisezeit

Anreise: Air India fliegt täglich von Frankfurt am Main nach Delhi. 

Veranstalter: Rundreisen durch Rajasthan inklusive Flug haben viele deutsche Reiseveranstalter wie beispielsweise SKR-Reisen im Programm. Die 14-tägige Rundreise zu den Höhepunkten Rajasthans kostet bei SKR beispielsweise rund 1.800 Euro.

Theoretisch ist es auch möglich, eine Rajasthan-Reise individuell zu organisieren, allerdings ist Indien kein einfaches Reiseland. Vielerorts wird kein Englisch gesprochen. Und vor allem Frauen sollten nicht allein reisen. Schon das Autofahren in Indien sollten Europäer besser Ortskundigen überlassen. Eine andere Alternative ist, sich vor Ort einen lokalen Fahrer und Fremdenführer zu mieten. 

Einreise: Deutsche benötigen für die Einreise nach Indien ein Visum. Seit zwei Jahren reicht ein sogenanntes E-Tourist-Visum, auch bekannt als Visa on Arrival, das im Internet beantragt werden kann. Im Unterschied zu einem herkömmlichen Visum gilt das E-Visum nur für 30 Tage ab Datum der Ausstellung. Und es kann auch nur 30 Tage vor der geplanten Einreise beantragt werden. Auch eine zweite Einreise nach Indien ist mit dem E-Tourist-Visum nicht möglich. Das bekannte Touristen-Visum wird durch die indischen Konsulate und Botschaften ausgestellt. 

Beste Reisezeit: In Indien herrschen, je nach Region, sehr unterschiedliche klimatische Bedingungen. Charakteristisch für den Großteil Indiens und vor allem Rajasthan im Norden sind jedoch die extreme Sommerhitze und der starke Monsun. Von Mai bis Juni klettern die Temperaturen auf teilweise weit über 40 Grad Celsius, im Juli und August ist Monsun-Zeit. Die beste Reisezeit ist von Oktober bis März. 

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Die Autorin
Nora Lysk ist Redakteurin beim RedaktionsNetzwerk Deutschland. Die Sommer verbringt sie seit ihrer Kindheit am liebsten an der Nordsee auf Sylt – irgendwo zwischen den Dünen am Wes ... mehr
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