Mit Baby nach Ägypten: Das läuft hier anders...

Das solltest du wissen, wenn du mit deinem Baby nach Ägypten in den Urlaub möchtest.

Eine Mutter setzt ihr Baby ins seichte Wasser in Ägypten
Vor dem Urlaub mit Baby in Ägypten solltest du ein paar Sachen wissen (Symbolfoto).

Foto: imago/INSADCO

Das Baby war drei Monate alt und damit aus dem Gröbsten raus, also habe ich Koffer und Baby gepackt und bin für ein paar Wochen nach Ägypten geflogen. Rumhängen am Strand, Shoppen im Souk, Planschen im Wasser, das volle Programm. Und obwohl nur ich mit Baby unterwegs war, waren wir nie allein. Und auch sonst war manches ein bisschen anders als mit Baby in Deutschland.

1. Stillen in der Öffentlichkeit

Das hätte ich ja wirklich nicht erwartet in einem muslimischen Land, aber es ist wirklich kein Problem: Stillen im Restaurant, im Café, auf der Liege am Strand geht wirklich. Natürlich mit einem Tuch über Baby und Brust – aber es stört sich niemand daran. So bleiben Mama und Kind flexibel. Stillräume in Kaufhäusern oder Restaurants gibt es nämlich nicht.

2. Gebrüll im Restaurant – kein Problem

Das Kind, das sonst immer sehr vergnügt irgendwo rumliegt und mit seinen Füßen spielt, liegt neben mir im Restaurant auf einem Sitzkissen und brüllt. Lässt sich nicht beruhigen. Brüllt. Das ist Stress. In Deutschland wär das doppelter Stress, denn nach etwa acht Sekunden hätte sich schon das halbe Restaurant beschwert und der Kellner wäre schon dreimal vorbeigekommen und hätte immer drängender gefragt, ob man Hilfe braucht. In Ägypten? Locker bleiben. Baby beruhigen. Hier weiß jeder, dass Babys auch mal schreien. Beschwert hat sich niemand.

3. Kinderwagen? Vergiss es!

Auf manche Gehwege in ägyptischen Städten kommst du nur mit Kletterhilfe rauf, gelegentlich sind in regelmäßigen Abständen Dekobäumchen mitten auf den Gehweg gepflanzt, die meisten Ägypter laufen sowieso auf der Straße. Da wiederum behindern Schlaglöcher, Autos und natürlich Fußgänger das gemütliche Fortkommen mit dem Kinderwagen. Das musst du sportlich nehmen – und das Baby ins Tragetuch packen.

 

4. Tiere – auf der Straße und im Café

Sie. Sind. Überall! Straßenkatzen und Straßenhunde. Sie tun nichts. Sie sind aber auch nicht entwurmt und geimpft. Um solche Dinge macht man sich mit Kind plötzlich Gedanken. Ach ja, und es kann auch mal eine Treibjagd (Hund hinter Katze her) mitten durchs Strandcafé geben.

Wenn das Baby friedlich und absturzgesichert schlief, habe ich dann auch mal andere Cafégäste oder den Kellner gefragt, ob sie ein Auge auf die Situation haben können. Nicht auf das Baby. Sondern auf die Tiere, die unbedingt am Baby schnuppern wollen.

 

5. In Ägypten dreht sich alles ums Baby

Ja, das Baby ist unheimlich süß. Und unterhaltsam. Lacht so lustig, macht witzige Grimassen. Ich weiß. Aber ich kann auch unterhaltsam! Oder wenigstens lachen. Jedenfalls bin ich auch noch da.

Wer ohnehin das Gefühl hat, nur noch Sidekick des Babys zu sein, wird im Ägyptenurlaub nur noch bestätigt: Der Kellner, der Shopbesitzer, der wildfremde Typ auf der Straße – ständig kommt von irgendwoher ein Mann, schnipst oder klatscht mit breitem Grinsen vor dem verzückten Baby herum – und geht dann wieder.

Ungewohnt: Wer als Frau schon mal allein in Ägypten unterwegs war, kennt eine andere Art männlicher Aufmerksamkeit, die sehr lästig sein kann. Aber als Frau mit Baby existiert irgendwie nur noch das Baby. Eigentlich ganz entspannend.

I'm just the #sidekick of my #baby.

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6. Geschenke? Na gut ...

„Wait, I want to give you something“, sagt der Typ im Souvenirgeschäft, nimmt eine Hippie-Babyhose vom Haken und reicht sie mir. „For the Baby.“ „No, thanks, I don't want to buy anything.“ „No, it's a gift!“ Das Baby hat neben der Hose außerdem schon einen Schlüsselanhänger und eine Rassel abgestaubt.

Ich wunder mich jetzt nicht mehr, wenn mir jemand was für das Baby schenken will. Baby nimmt die Zuneigungsbekundungen gelassen zur Kenntnis und nuckelt weiter an den Füßen.

7. Babysitter – überall!

Apropos Füße, das Baby kann mit seinen noch nicht viel anstellen, trotzdem ist es ständig unterwegs. Ganz oft auf dem Arm des Kellners in meinem Stammlokal am Strand. Gern auch auf dem Arm anderer Gäste in Hotel oder Restaurant. Und natürlich auf dem Arm des Verkäufers, wenn ich Klamotten anprobiere.

Und die Leute warten nicht darauf, dass du ihnen das Baby in die Hand drückst. Sie strecken einfach die Arme aus. Auffordernd. Dem kannst du nachgeben. Musst du aber nicht. Ich geb dem gern nach, besonders in unserem Stammlokal. Und wenn Baby mal wieder seine Runden mit dem Kellner dreht, spring ich schnell ins Wasser. Yay, gratis Babysitter! Bin dann mal schwimmen.

 

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Die Autorin
Anja Reumschüssel (32) hat auf allen bewohnbaren Kontinenten gelebt, aber irgendwie zieht es sie seit vier Jahren immer wieder zurück die arabische Welt. Jetzt auch mit Baby. Das s ... mehr
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