Mein Wecker klingelt um 3 Uhr nachts. Ich öffne müde meine Augen. Es fällt mir schwer aufzustehen, doch dann weiß ich wieder, warum ich so früh aufstehe: Heute geht’s mit Freunden von Tel Aviv zum Mount Hermon zum Skifahren. Der Gedanke daran, dass ich in ein paar Stunden auf Brettern stehe, macht mich munter. 

Skifahren in Israel? Klingt außergewöhnlich. Das einzige Skigebiet mit rund 72 Kilometern Piste liegt am Mount Hermon. Spontan kam diese Idee zu dem Tagesausflug und ich bin, was meine Ausrüstung betrifft, völlig unvorbereitet. Mit Jeans, Pulli, einem dünnen Schal, meiner Mütze und ohne Handschuhe gehe ich runter auf die Straße, wo mein Kumpel schon in seinem Auto wartet. Es ist halb Vier und wir düsen los, um noch drei weitere Freunde in Tel Aviv abzuholen. 

Waren in Israel Skifahren: Eva Emendörfer und ihre Kumpels.
Waren in Israel Skifahren: Eva Emendörfer und ihre Kumpels. Foto: Eva Emendörfer

Wir klingeln die Drei aus ihren Betten, trinken einen Kaffee, packen noch etwas Proviant für den Berg ein und fahren los Richtung Norden. Es ist dunkel und warm. Viel zu warm zum Skifahren. Ich kann mir nur schwer Schnee vorstellen, während wir durch die Wüste fahren. Wir fahren vorbei an Siedlungen, Tankstellen, Gemüsefeldern und kleinen Märkten. Gegen 6 Uhr halten wir für einen zweiten Kaffee. Noch etwa zwei Stunden bis zum Gipfel, erklären mir die Jungs. 

Von Tel Aviv sind es laut Google Maps rund 165 Kilometer. In der Wüste sind die Straßen kurvig, was unser Tempo bremst. Wir überqueren den Jordan, fahren weiter Richtung Norden. Und plötzlich, nach einer Abbiegung, zeigt sich uns der Berg. Er ist groß, gut zu erkennen im klaren frühen Tageslicht, mit einer weißen Spitze. Endlich. 

Stau Richtung Skigebiet am Mount Hermon

Kurz vor dem Ziel halten wir in einer Drusen-Siedlung, um frisch gebackenes Brot zu essen.  Hier sieht es ganz anders aus als im modernen Tel Aviv. Einfache Hütten, Wellblech, rostiges Metall und Pappkartons umgeben uns, während wir das köstliche, warme Brot genießen. Gestärkt geht unsere Fahrt weiter. Wir erreichen das kleine Drusenstädtchen Majdal Shams am Fuße des Mount Hermon.

Von hier aus geht es schlängelnd bergauf. Der erste Schnee zeigt sich und die Jungs steigen begeistert aus dem Auto, um ihn anzufassen. Es ist 8 Uhr und wir sind plötzlich nicht mehr allein. Wir geraten in eine Schlange mit weiteren Autos und kommen nun nur noch sehr schleppend voran.

Die Fahrbahn, die bergab führt, ist unbefahren und einige ungeduldige Autofahrer scheren aus unserer Schlange aus, fahren auf der linken Fahrbahn hoch und reihen sich weiter vorne wieder ein. Wir bleiben brav. Die Polizei fährt alle 15 Minuten hier entlang, um nach dem Rechten zu sehen. 

Stau vor dem Parkplatz an der Talstation des Mount Hermon.
Stau vor dem Parkplatz an der Talstation des Mount Hermon. Foto: Eva Emendörfer

Am Parkplatz angekommen müssen wir 40 Schekel (etwa zehn Euro) pro Person zahlen. Von hier fahren große Reisebusse mit den Bergbesuchern weiter Richtung Gipfel. Die Fahrt dauert ungefähr zehn Minuten.

Dann sind wir endlich da. Ein Skiverleih, ein großes Restaurant mit Sonnenterasse, mehrere Lifte und viele Menschen umgeben uns. Die Jungs quietschen begeistert. Alle vier sind Mitte 20 und es ist ihr erstes Mal in einem Skiresort. Auch ich bin total entzückt und kann es kaum erwarten loszulegen. Motiviert stürzen wir uns auf den Skiverleih. 150 Schekel (38 Euro) kostet die komplette Ausrüstung für den ganzen Tag pro Person. 

Ich wähle Ski, drei meiner Kumpels Snowboard. Wir kaufen Liftkarten für weitere 200 Schekel pro Person und der Spaß geht los. Ich fahre seit meinem zehnten Lebensjahr Ski und fühle mich sicher. Meine Freunde stehen zum ersten Mal auf Brettern und fallen alle paar Meter hin. Zum Glück hat einer meiner Freunde seine Fahrradhandschuhe dabei, sodass ich an den Händen nicht friere.

Eva Emendörfer würde jederzeit wieder in Israel Skifahren.
Eva Emendörfer würde jederzeit wieder in Israel Skifahren. Foto: Eva Emendörfer

Nachdem wir zusammen zwei Mal die Anfängerpiste gefahren sind, lasse ich die Jungs alleine üben und nehme den Lift bergauf. Ich bin sehr entspannt und genieße den Anblick des glitzernden Schnees. 

Ich muss an all die unterschiedlichen Skiorte denken, die ich in den vergangenen Jahren in Deutschland, Österreich und Bulgarien kennengelernt habe. Der Mount Hermon ist zwar wesentlich kleiner, doch die Lifte und Pisten stehen den europäischen Standards in nichts nach.

Mit Leichtigkeit fahre ich die blauen Pisten hinab. Ich genieße jede Minute. Nach ungefähr einer Stunde finde ich meine Freunde wieder – auf der Terrasse des Restaurants mit Kaffee, Sandwiches und Bier. 

Mir fällt auf, dass es keine Hotels oder Herbergen in der nahen Umgebung gibt. Meine Freunde erklären, das liege daran, dass die Saison hier sehr unbeständig ist. Keiner weiß, wie lange sich der Schnee hält und zudem gibt es nur diesen einen Berg, also keine große Pistenvielfalt. 

Pisten und Lifte am Mount Hermon
Viel Schnee liegt nicht, aber zum Fahren reicht's. Foto: Eva Emendörfer

Das macht den Mount Hermon als Urlaubsziel für Ausländer nicht gerade attraktiv und so verirren sich kaum Touristen hierhin. Es sind fast ausschließlich Israelis hier: Familien mit Kindern die an Sabbat einen Ausflug zum Mount Hermon machen, Jugendliche und Pärchen. 

Mir gefällt das Skigebiet und gestärkt machen wir uns wieder auf die Pisten. Ich will bis ganz nach oben: Die Liftfahrt bis zum höchsten Punkt Israels dauert ungefähr 20 Minuten und ich schieße unzählige Fotos mit meinem Telefon. Oben angekommen habe ich eine atemberaubende Aussicht über das ganze Land. Ist da, ganz weit in der Ferne, sogar das Mittelmeer?

Panorama vom Mount Hermon in Israel.
Panorama vom Mount Hermon in Israel. Foto: Eva Emendörfer

Es herrscht die übliche, ruhige und friedliche Stille, wie auf allen Berggipfeln die ich kennengelernt habe. Der Schnee glitzert in der Sonne und ich gleite fröhliche zum Anfang der roten und schwarzen Pisten bergab. Steil ist es und sicher nichts für Anfänger. Die Abfahrt dauert nur etwa zehn bis 15 Minuten und ich komme glücklich unten an. 

Am Ende des Tages trauen sich alle auf die blaue Piste und ich freue mich für meine Freunde und über ihre Fortschritte in so kurzer Zeit. Gegen 16 Uhr geben wir die Ski und Snowboards zurück und trinken noch ein kühles Bier auf der Terrasse. Wir wollen im Drusen-Städtchen am Fuße des Berges zu Abend essen.

Abendessen in Majdal Shams

Wir geraten in die Menschenmenge, die nun auf die Reisebusse wartet, um vom Berg wieder hinabzukommen. Ungeduldig ziehen wir an ihnen vorbei und wandern den Weg bis zum Parkplatz hinab. Erschöpft und glücklich steigen wir ins Auto. Diesmal gibt es keinen Stau und wir sind sehr schnell in Majdal Shams. 

In einem Irish Pub gibt‘s Fritten, Steaks, Salat und Humus. Es ist jetzt 18 Uhr und die Sonne ist schon fast verschwunden. Gegen 21 Uhr erreichen wir Tel Aviv. Ich lege mich direkt ins Bett und falle in einen tiefen, wohligen Schlaf. Ich bin fest entschlossen, ganz bald wieder Ski fahren zu gehen. Vielleicht noch mal in Israel?