Oman: Rundreise durch das Sultanat | reisereporter.de

Oman: Abenteuerurlaub im Nirgendwo

Das Sultanat Oman am Persischen Golf fasziniert als Abenteuerland mit ganz großen Momenten.

Geländefahrzeug in den Sanddünen der Wüste Wahiba Sands
Mit dem Geländewagen durch die Sanddünen der Wüste Wahiba Sand, ein echtes Abenteuer!

Foto: imago/imagebroker

Weiße Motorhaube, blauer Himmel – mehr sieht das Auge nicht. Jetzt nur nicht nervös werden. Die steile Schotterpiste wird hinter dem Hügel doch schon irgendwie weitergehen. Die Schwerkraft drückt den Körper in den Sitz, der Fuß das Gaspedal auf den Boden. Die Automatik zieht das Auto die Steigung hinauf. Auf der Kuppe: Erleichterung. Es war doch noch nicht die Himmelfahrt. 

In halsbrecherischen Serpentinen schlängelt sich der Weg durchs zerklüftete Zentralmassiv des Hadschar-Gebirges weiter. Rechts flankieren steile Wände den schmalen Pfad, links geht’s einfach nur bergab. Besser das Lenkrad gut festhalten. Ist aber gar nicht so einfach. Das Heck bricht immer wieder leicht aus, scheint auf dem Schotter zu schwimmen. „Kribbelt‘s bei euch auch so schön am Hintern?“, fragt ein weibliches Besatzungsmitglied von der Rückbank nach vorn. 

Bei einer Offroad-Tour durchs Hadschar-Gebirge gibt es keinen Gegenverkehr
Bei einer Offroad-Tour durchs Hadschar-Gebirge gibt es keinen Gegenverkehr. Foto: Jana Neuroth

Nervenkitzel Offroad-Trip, Abenteuer Oman. Das Land zeigt sich von seiner spannendsten Seite. Das Meer kommt später. Jetzt zählt nur die Wildnis. Unsere Jeeps pflügen sich durch die steinige Landschaft. Hin und wieder knabbern langhaarige Ziegen am trockenen Gestrüpp am Wegesrand.

Nur alle paar Kilometer führt die Strecke an einem kleinen Dorf vorbei. Wie man hier überlebt, mitten im bergigen Geröll? Dank des viertausend Jahre alten Bewässerungssystems Falaj, das die Siedlungen über kilometerlange Steinkanäle mit frischem Quellwasser versorgt. 

Aus dem Radio arabische Folklore. Schlechter Empfang im Nirgendwo. Das beste Geräusch ist ohnehin – die Stille. Wir finden sie auf dem Berg-Plateau Jebel Akhdar. Mit Blick in eine gewaltige Schlucht. Weiter oberhalb ragt der Jebel Shams empor, mit etwa 3.000 Metern der höchste Gipfel Omans. Die tagsüber erbarmungslose Sonne lässt Milde walten und taucht sanft hinter den Bergen ab.

Vom Gebirge in die Wüste Wahiba

Ruhe kehrt ein. Hitze, Staub und das Motorgedröhn des Tages sind verflogen. Die Stille, gepaart mit der atemberaubenden Aussicht, ist magisch und macht jedes Wort überflüssig. Das Schweigen kommt von ganz allein. 

Ob das die Sandwüste noch toppen kann? Auf dem Weg dorthin streifen wir die Zivilisation. Nizwa, die alte Hauptstadt Omans, liegt südlich der Berge. Auf dem Souk der Oasenstadt begegnen wir Ali. Dattel-Ali. Gekleidet im traditionellen omanischen Männer-Gewand, der Dishdashah. Dichter schwarzer Vollbart, freundliche Augen, kräftiger Händedruck. Ali zeigt uns seine Ware. Datteln, Datteln – und nochmals Datteln. „Es gibt allein hier in Oman weit mehr als 100 verschiedene Sorten“, erklärt er uns die Vielfalt der süßen Palmenfrucht.

Dattel-Händler Ali aus Nizwa.
„Man muss Datteln nicht mögen, aber man sollte über sie Bescheid wissen“, sagt Dattel-Händler Ali aus Nizwa. Foto: Simon Lange

Ali will seinen Laden erweitern. Mehr Regale, besondere Auslagen, eine kleine Fotoecke für Touristen. Ali hat Pläne, es geht ihm gut. Wie den meisten seiner Landsleute. Das Sultanat Oman ist im Vergleich zu vielen anderen Ländern des Orients relativ fortschrittlich, weltoffen und politisch moderat.

Dem Erdöl und Sultan Qaboos ibn Said sei Dank. Seit seiner Thronübernahme vor 40 Jahren hat sich das Land wirtschaftlich und infrastrukturell enorm entwickelt, ohne die Bodenhaftung zu verlieren. Keine protzigen Hochhäuser, die den Himmel küssen, wie in Dubai und den Emiraten nebenan.

Maskat: Kein Gebäude höher als das Minarett

In der Hauptstadt Maskat darf kein Gebäude höher sein als das 90 Meter hohe Hauptminarett der Großen Sultan-Qaboos-Moschee. Oman ist zum Glück (noch) kein Übermorgenland. Traditioneller und authentischer als die direkten Nachbarn bietet es das ursprüngliche Arabien – ein behütetes Märchen aus Tausend und einer Nacht. 

Und die Menschen lieben ihren Sultan. Schließlich tut er ihnen Gutes. Die medizinische Versorgung ist kostenlos. Jeder erwachsene Omani, ob männlich oder weiblich, bekommt – nach entsprechendem Antrag – vom Sultan ein Grundstück geschenkt, auf dem er bauen kann. Einfach so. Genügend Platz ist da. Oman ist eines der am dünnsten besiedelten Länder der Erde. Was auch daran liegt, dass sich in großen Teilen die Wüste breit macht. 

Auf in die Wüste „Wahiba Sands“

Wir meiden die große Wüste im tiefen Landesinneren und nehmen vorlieb mit der kleineren Wahiba Sands im Osten. Verdächtig viele Wolken hängen am Himmel. Die Windschutzscheibe wird nass. Regentropfen! In der Wüste! Eigentlich wollten wir doch erst den Sonnenuntergang und dann nachts im Zeltcamp Sterne gucken. 

Domedare liegen im Sand der Wahiba-Wüste.
Wenn es für sie nichts zu tun gibt, ruhen sich die Dromedare im heißen Sand in der Wahiba-Wüste aus. Foto: Simon Lange

Aber die Natur schert das wenig. Sie inszeniert lieber ein alternatives Schauspiel. Die Düne ist die Bühne. Statt golden schimmert das Sand-Meer vor dem grauen Himmel nun rotbraun. Der Wind wirbelt die Körner durch die Luft. Als schütte der liebe Gott gerade einen großen Sack Curry und Kurkuma aus.

Eine Gesichtsmaske, wie sie die Beduinen-Frauen in der Wüste Rimal Al Wahiba zum Schutz tragen, wäre jetzt praktisch. Aber wir überleben den Minisandsturm auch so und genießen später den Abend mit leckerem Barbecue, während eine Beduinen-Combo mit Trommeln und der Oud für die passende musikalische Untermalung sorgt.

Um die restlichen Sandkrümel aus den Poren zu spülen, empfiehlt sich auf dem Weiterweg zur Küste dringend ein Zwischenstopp im Wadi Bani Khalid. Das smaragdgrüne kühle Nass bietet eine erfrischende Abkühlung bei Lufttemperaturen weit jenseits der 40-Grad-Marke. Ein Vorgeschmack auf das maritime Ende der Reise.

Entspannung wartet an den Natur-Pools im Wadi Bani Khalid.
Entspannung wartet an den Natur-Pools im Wadi Bani Khalid. Foto: Simon Lange

Wir wechseln Jeep gegen Boot. Die Küste um Omans Hauptstadt Maskat lässt sich nun mal am besten vom Wasser aus bestaunen: die mächtigen Festungsbauten und Paläste des Sultans, die ockergelbe Felslandschaft der Ausläufer des Hadschar-Gebirges, die vielen Buchten mit weißen Stränden, das türkisblaue Meer. 

Um das kleine Motorboot tummeln sich Delfine. Kein aufgeregtes Geschnatter, keine meterhohen Sprünge. Entspannt und elegant gleiten sie durch die glatte See. Als scheinen sie zu wissen, dass Ruhe und Gelassenheit beim Betrachter gerade hoch im Kurs stehen. 

Den Fahrtwind in der Nase, die Sonne im Nacken, die Tümmler im Blick – wieder ein Ort in Oman, von dem man einfach nicht mehr weg will.

Blick von der Düne in der Wahiba-Wüste.
Blick von der Düne in der Wahiba-Wüste. Foto: Stefanie Schnelli

Oman: Tipps für den Urlaub

Anreise: Das Sultanat Oman, Heimat von Sindbad dem Seefahrer und des Weihrauchs, liegt am südöstlichen Zipfel der arabischen Halbinsel. Oman Air fliegt täglich nonstop von Frankfurt am Main und München nach Maskat und zurück. Ein Ticket in der Economy Class ist ab 533 Euro buchbar.

Beste Reisezeit: Die beste, weil trockene Reisezeit ist von Oktober bis April/Mai. Im Sommer steigt die Luftfeuchtigkeit extrem und hält bis September an. Die Temperaturen steigen vielerorts über 40 und bis zu 50 Grad.

Rundreise: 3.165 Küstenkilometer, riesige Sandwüsten, das vielschichtige Hadschar-Gebirge – Oman ist ein Paradies für Naturliebhaber. Bis vor wenigen Jahren war das Land eher Ziel für Individualreisende. Das ist es immer noch. Nach und nach werden aber auch klassische Pauschalreisen angeboten. Neben Mittelklasse-Hotels entstehen vor allem immer mehr spektakulär gelegene Luxus-Bauten – ob am Meer, mitten in der Wüste, in den Bergen oder in Wadis. Das deutsche Unternehmen Tischler Reisen beispielsweise bietet beides: Natur- und exklusiven Hotelurlaub in Form verschiedener Rundreisen.

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Der Autor
Simon Lange, NP-Redakteur, seit einem längeren Palästina-Aufenthalt vor dem Studium Orient-Fan, peilt aber auch gerne andere Ziele auf dem Erdball an. Mit Vorliebe die, wo es Abent ... mehr
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