Die Mobilitätsservice-Zentrale (MSZ) der Deutschen Bahn hat im vergangenen Jahr mehr als 640.000 Hilfestellungen organisiert. Die Mitarbeiter unterstützen mobilitätseingeschränkte Fahrgäste bei der Planung der Bahnreise - unter anderem gibt’s Hilfe bei der Suche nach der besten Verbindung sowie Hilfe beim Ein-, Um- und Aussteigen. 

Checkliste fürs Bahnfahren mit Rollstuhl

  • Hilfeleistungen spätestens am Vortag der Reise bis 20 Uhr anmelden
  • Bei Fahrten ins Ausland: Hilfeleistungen spätestens 48 Stunden vor Abfahrt anmelden
  • Der Rollstuhl darf maximal 120 Zentimeter lang und 70 Zentimeter breit sein, damit er auf den Hublift und durch die Türen und Gänge im Zug passt
  • Steht im Schwerbehindertenausweis das Merkzeichen B? Dann ist die Sitzplatzreservierung für dich und die Begleitperson kostenlos (wenn du über die MSZ buchst)

Zugfahren mit Rollstuhl: easy oder kompliziert?

Anastasia Umrik (30) sitzt in einem elektrischen Rollstuhl. Die Bloggerin ist viel in Deutschland unterwegs und sagt: „Bahnfahren ist eigentlich sehr easy.“  

Anastasia Umrik ist Bloggerin und liebt das Reisen.
Anastasia Umrik ist Bloggerin und liebt das Reisen. Foto: Anastasia Umrik

Vor allem an großen Bahnhöfen sei die Organisation unkompliziert. „Ein DB-Mitarbeiter hilft mit einer Rampe in den Waggon, es gibt einen extra Platz für Rollstuhl und Begleitperson“, erzählt sie. An welchen Bahnhöfen und zu welchen Uhrzeiten diese Hilfeleistungen möglich sind, hat die Bahn in einer Liste zusammengestellt

Wichtig ist, dass du benötigte Hilfeleistungen vor deiner Reise beantragst. Ebenso musst du deinen Rollstuhlstellplatz (inklusive Sitzplatz) reservieren.

Wie viele Rollstühle dürfen in einen Zug?

Die Rollstuhlplätze in den IC und ICE sind begrenzt. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagt: „Die Anzahl ist abhängig von der Länge einer Einheit, ohne Berücksichtigung der Lokomotive oder des Triebkopfs. Das bedeutet: Bei einer Länge einer Einheit von bis zu 30 Metern ist ein Rollstuhlstellplatz vorgesehen, bei bis zu 205 Metern sind es zwei, bei bis zu 300 Metern drei Rollstuhlstellplätze sowie über 300 Metern vier. Der neue ICE 4 verfügt zum Beispiel über vier Rollstuhlstellplätze.“

In den Regionalbahnen gibt es Mehrzweckabteile, die Platz für mehrere Reisende im Rollstuhl, für Kinderwagen oder Fahrräder haben, so die Sprecherin.

Reservierung eines Rollstuhl-Sitzplatzes 

Die Bahn rät: „Wir empfehlen mobilitätseingeschränkten Reisenden die Fahrkarte gemeinsam mit der Sitzplatzreservierung sowie ggf. erforderlichen Hilfeleistungen telefonisch über die MSZ oder persönlich über ein DB Reisezentrum zu buchen.“ 

Anastasia geht anders vor: Sie reserviert vor einer Reise zunächst den Rollstuhlplatz und bucht dann das Ticket. Diese Vorgehensweise sei auf Grund der begrenzten Rollstuhl-Stellplätze sicherer. Ihr Tipp: „Man kann die MSZ auch über ein Online-Formular kontaktieren. Aber bei dem Erstkontakt empfehle ich ein telefonisches Gespräch, um Missverständnisse zu vermeiden.“

Die MSZ erreichst du täglich zwischen 6 und 22 Uhr unter Telefon 0180/6512512 (20 Cent pro Anruf aus dem Festnetz, Mobilfunk maximal 60 Cent pro Anruf).

Ein Rollstuhlfahrer wird mit einem Hublift in einen ICE gehoben.
Ein Rollstuhlfahrer wird mit einem Hublift in einen ICE gehoben. Foto: imago/Ralph Peters

Toiletten im Zug: Wie sieht’s aus mit Barrierefreiheit?

Anastasia: „Geht! (Meistens.)“ Die Info der Bahn dazu: In nahezu jedem Zug gibt es mindestens eine Universaltoilette mit größerem Innenraum, in dem genug Platz für den Rollstuhl und eine Hilfsperson ist.

Übrigens gibt's an vielen Bahnhöfen barrierefreie Toiletten. Diese werden mit einem Euroschlüssel (bekommst du beim „Club Behinderter und ihrer Freunde in Darmstadt und Umgebung“) oder durch die Mitarbeiter geöffnet. 

Fahrstuhl zum Gleis kaputt: Was tun?

Dieses Problem kennt Anastasia: „Kaputte Fahrstühle am Bahnhof, das ist echt blöd …“ Grundsätzlich kannst du vor deiner Reise den Status des Aufzugs (laut Bahn in Echtzeit) an deinem Bahnhof checken, über die App DB Bahnhof live (Android und iOs). oder über die Infoseite der Bahn

Wenn der entscheidende Fahrstuhl kaputt ist und du deswegen deinen Zug verpasst, solltest du dich an die DB Info oder die 3-S-Zentrale wenden. In diesem Fall sei es denkbar, dass „dem Reisenden die Weiterfahrt im nächstmöglichen Zug ermöglicht wird“, so die Bahnsprecherin.

Problem an kleinen Bahnhöfen

Anastasia sagt, es gebe an kleineren Bahnhöfen manchmal Probleme, da dort die Arbeitszeiten kürzer als an größeren seien. „Dann darf man dort auch nicht mit einem Rollstuhl aussteigen“, erzählt sie. Die Sprecherin der Deutschen Bahn sagt: „Nur bei 0,55 Prozent der Anmeldungen kann keine Mobilitätshilfe geleistet werden, zum Beispiel aufgrund von Kurzfristigkeit oder wenn die Hilfestellung außerhalb der Besetzungszeiten gewünscht wird.“

Am besten, du liest in der Liste der Bahn nach, an welchen Bahnhöfen und zu welchen Uhrzeiten Hilfeleistungen möglich sind.

Zugfahrten ins Ausland

Anastasia hat zwei besonders gute Erinnerungen: „In der Schweiz war's besonders easy: Einfach einsteigen und losfahren. Und in Holland waren die Rampen unkomplizierter und schicker als in Deutschland.“

Auch bei Fahrten ins benachbarte Ausland hilft die Mobilitätsservice-Zentrale der Bahn: „Die Kollegen der MSZ können darüber Auskunft geben, ob die Partnerbahnen Hilfestellung beim Ein- und Ausstieg anbieten beziehungsweise können diese Hilfestellung für den Reisenden buchen“, sagt die Bahnsprecherin.

In einer sehr umfangreichen Broschüre der Bahn sind alle Infos rund ums barrierefreie Zugfahren auf mehr als 100 Seiten zusammengestellt.