„Was war dein schönster Urlaub bisher?“, fragt Daniela Delang.  „An der Algarve in Portugal. Ich habe mir meinen Surfurlaub komplett selbst zusammengestellt“, kommt die Antwort prompt. „Genauso habe ich dich eingeschätzt“, sagt Daniela wiederum und lächelt. Die 49-Jährige hat eben jene Menschenkenntnis, ihr Gegenüber und seine Wünsche sowie Interessen sofort richtig einzuschätzen.

Diese Eigenschaft hat sie in den vergangenen 20 Jahren trainiert. Denn Daniela arbeitet als  Reiseleiterin auf Rhodos. Sie ist der erste Ansprechpartner für Reisende an ihrem Urlaubsort. Für den Tourismuskonzern TUI war sie unter anderem auf den Malediven, in Sri Lanka und Thailand unterwegs.

Sie ist eine von 7.000 Mitarbeitern aus dem TUI-Destination-Services-Team. Zehn Länder zählt sie insgesamt auf, in denen sie schon gearbeitet hat. Sechs Sprachen spricht sie: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Türkisch. Eigentlich ist sie interkulturelle Diplompädagogin. Nach dem Studium fand sie nicht sofort einen Job. Ihre Mutter war es schließlich, die sie auf die Idee brachte, als Reiseleiterin zu arbeiten. „Heute ist sie damit vielleicht nicht mehr so glücklich“, vermutet Daniela. Die Tochter sei ja immer unterwegs. Sechs Monate ist sie pro Jahr mindestens nicht in Deutschland. 

Daniela lebt und arbeitet auf Rhodos. Dort wollte sie eigentlich nie arbeiten. Nun steht schon ihr elfter Sommer auf der Insel an. So sehr gefällt es ihr dort. Im April geht es wieder los. Daniela lächelt noch ein bisschen mehr, wenn sie von ihrem Beruf erzählt. „Ich bin immer noch aufgeregt, wenn ich am Flughafen stehe“, versichert sie. Das sei ihr wichtig und ein Zeichen, dass sie ihren Beruf immer noch gerne mache. Obwohl ihr Job knallhart ist inklusive Arbeitszeiten, die echt stramm sind. Eigentlich müsste sie erst um 9 Uhr im Hotel sein. Daniela ist immer schon um 8 Uhr da. Um anzukommen, um sich schon mal umzusehen, um sich vorzubereiten, wie sie sagt. Ab 9 Uhr treffen die Urlauber sie am Reiseleiter-Tisch. 

Die Hauptfrage? Wie wird das Wetter. Das weiß Daniela natürlich. Auch, wenn sie gerade gar nicht auf der Insel wohnt. Sie ist in Hannover in der Zentrale des Konzerns im Bereich Reklamationsbearbeitung eingesetzt. So ist das immer: sechs Monate Inselleben, sechs Monate Deutschland. „Aktuell sind es etwa 15 Grad auf Rhodos“, sagt sie sofort. „Das ist schon ein anderes Aufwachen.“ In Deutschland pendelt die Temperatur in diesen Tagen dagegen zwischen fünf und zehn Grad Celsius. Trotzdem möchte sie die Wintermonate nicht missen. Weihnachtsmarkt, dicker Schal und Regen gebe es auf der griechischen Insel eben nicht.

In Oldenburg bei ihren Eltern hat sie ihren Hauptwohnsitz und ist ab und zu noch dort. „Ich habe noch Kontakt zu meinen besten Freundinnen aus der Schulzeit“, erzählt Daniela. Auch werde sie regelmäßig von ihrer besten Freundin auf Rhodos besucht. „Sie kennt die Insel fast besser als ich“, scherzt Daniela. Denn während ihre Freundin Rhodos erkundet, arbeitet Daniela. Nach der Stunde am Reiseleiter-Tisch steht ein Welcome-Treffen auf der Agenda. „Vor einer schönen Kulisse zeige ich den Gästen, was sie am Zielort entdecken können und welche Ausflüge wir anbieten“, erklärt Daniela.

Sie ist Ansprechpartner für (fast) alle Lebenslagen und Fragen. „Ein Gästepaar hat mich mal gefragt, wo denn der Parmaschinken und Tomate mit Mozzarella sei“, erinnert sich die schlanke, dunkelhaarige Frau. Und das auf einer griechischen Insel. Daniela lächelte und flitzte los, um die Sachen zu organisieren. „Ich habe sie den Gästen aufs Hotelzimmer geschickt“, erzählt Daniela die Geschichte zu Ende. 

Das gehört auch zu ihrem Alltag: besondere Wünsche erfüllen. Bei kleinen Problemchen, Unstimmigkeiten  und Wehwehchen Solving-on-Spot die Maxime ihres Arbeitsgebers. Heißt konkret: Ein Gast ist unzufrieden mit seinem Hotelzimmer, dem Essensangebot, den Veranstaltungen, Daniela kümmert sich und sucht nach einer Lösung. Aber sie weiß auch: „Manchen Hotelgästen können wir es einfach nicht recht machen.“ Aber das trübt nicht ihre positive Einstellung zu ihrem Beruf. 

Über Mittag steht auch auf Rhodos Büroarbeit an. Dann fährt sie in ein Großraumbüro außerhalb der Hotels. „Ich mag es, mich mit den Kollegen auszutauschen“, sagt Daniela. Das sei auch wichtig, um einen Überblick zu bekommen und eben auch um Kontakte zu knüpfen. Nachmittags geht’s dann wieder zu den Hotelgästen. Bis etwa 20 Uhr abends ist sie die gute Seele eines jeden Urlaubers. „Wir liegen da nicht viel am Strand rum“, fast Daniela zusammen. Auch an ihrem freien Tag nicht. „Da stehe ich früh auf“. Daniela joggt gerne. Bei 30 Grad Celsius sei das eine Qual. Anschließend entspannt sie sich und verwöhnt sich mit gutem Essen. 

Und wohin fährt sie selbst in den Urlaub? „Wenn ich Urlaub mache, dann acht bis zwölf Wochen“, sagt Daniela. „Ich arbeite viel, da habe ich mir das alle vier bis fünf Jahre verdient.“ Sie sei Backpackerin. Am liebsten macht sie ihre Touren nach Indien, Neuseeland oder Thailand. Aber ihre ganz persönliches Motto lautet: „Die Welt ist dafür da, dass man sie sich anschaut.“