Weit, weit weg: Das Inselparadies Hawaii

Die Inselgruppe Hawaii gehört zu den besonders abgelegenen Zielen – doch die weite Reise zum malerischen Archipel lohnt sich.

 

Palmen und ein Boot am Waikiki Beach in Honolulu auf O'hahu in Hawaii.
Der Waikiki Beach in Honolulu ist der bekannteste Strand auf der Insel O'ahu in Hawaii .

Foto: imago/Danita Delimont

Gabriel Sakai hat einen besonderen Beruf: Er schafft Erinnerungen. Der 28-Jährige lebt seit seiner Geburt auf Kauai, der ältesten Insel des Archipels Hawaii. Sein Vater ist Japaner, seine Mutter stammt aus Kalifornien.

Heute leitet ihr Sohn Menschen aus der ganzen Welt in Kajaks über den Huleia River, vorbei an Filmkulissen. Die Gebirgskette zum Beispiel stand der Welt des Zeichentrickfilms „Lilo & Stich“ Pate. In mehreren „Jurassic Park“-Filmen durchstreiften Dinosaurier das satte Grün. 

Solcherlei Figuren finden sich auf Sakais tätowiertem Körper nicht. Dafür das Bild eines Mannes: König Kamehameha, einst Herrscher über die Inseln, die für viele das Paradies verkörpern. Auf dem Arm sind Muster zu sehen. „Es sind verschiedene Leis. Eines steht für die Natur, eines für die Geschichte meiner Familie“, erklärt Sakai. 

Leis: berühmte Blumenketten auf Hawaii

Leis, so nennen die Insulaner die berühmten Blumenketten, die Gäste und hochrangige Personen ehren. „Hier ist einfach alles so familiär, so entspannt“, sagt der junge Mann. Dann schnappt er sich einen Strick und springt wie Tarzan in einen kleinen Teich. 

Der gleiche Teich, nach der Kajaktour und einer kurzen Wanderung erreicht, in dem schon Johnny Depp und Penelope Cruz in „Fluch der Karibik 4“ plantschten. Wir dürfen ihm nachfolgen, ins kühle Wasser, das zwar klar ist, aber pechschwarz wirkt. Der Boden ist Vulkanstein.

Auch das aufgrund seiner schier unendlichen Pflanzenvielfalt „Garteninsel“ genannte Kauai existiert nur, weil der Vulkan „Waialeale“ vor mehr als sechs Millionen Jahren aktiv war.

Die Folgen lassen sich bis heute hervorragend beobachten, bei Wanderungen, Bootsfahrten oder – nicht ganz günstig, aber empfehlenswert – Hubschrauberrundflügen. Es sind die Panoramen, die sich viele von Hawaii erträumen: tiefe Schluchten, unendlich grün wirkende Täler, Wasserfälle, die sich durch Steinwände ihren Weg gespült haben. An der Spitze des „Waialeale“ hängen ewig Wolken, die die Wälder darunter zu einigen der regenreichsten Orte der Welt machen. 

Unberührte Natur auf Kauai

An der Westküste ist es dafür staubtrocken. Die Strände der Napoli-Küste könnte der Mensch nicht schöner zeichnen. Und: Die Vielfalt ist weitestgehend unberührt – 80 Prozent der Insel lassen sich nicht mit dem Auto erreichen. Zurück zur Natur. „Es gibt hier keine Hochhäuser, die dir den Blick verderben“, sagt Touristenführer Sakai. Kein Wunder: Kein Haus darf höher sein als eine Palme.

Und auch, wenn die hier teilweise schwindelerregend hoch wachsen – mit den Hotels in der Touristenhochburg Honolulu können sie nicht mithalten. An diese Stadt denken viele zuerst, wenn sie das Wort Hawaii hören. Nicht daran, dass die Inseln seit 1959 der 50. Bundesstaat der USA sind. Oder daran, dass es sich um den abgelegensten bewohnten Ort der Welt handelt.

Honolulu: Waikiki, Hula und Baströcke

Sondern an den Waikiki Beach, einen der berühmtesten Strände der Welt, an Hula-Tänzer und Baströckchen. Die gibt es hier, sie sind Teil der Kultur. Vor dem Sprung in die Fluten empfiehlt sich deshalb ein Besuch im Bishop-Museum, das die Geschichte der Insel beleuchtet, auf die das sonst verbrauchte Wort des gesellschaftlichen Schmelztiegels durchaus zutrifft. 

Allein ein Viertel der Bewohner ist asiatischer Abstammung, der Großteil davon japanisch. Entsprechend finden sich viele Hinweisschilder auch mit exotisch wirkenden Schriftzeichen. Honolulu hat ein lebendiges Chinatown, in vielen Restaurants gibt es amerikanische Klassiker mit asiatischen Einflüssen.

Dass seit einiger Zeit auch die hawaiianische Sprache – Wörter wie den Gruß „Aloha“ oder „Ohara“ für Familie hat jeder Besucher schnell verinnerlicht – wieder gefördert wird, die Ursprünge gewürdigt werden, macht das alles noch viel spannender.

„Shaka“: Entspanntes Leben auf Hawaii

Wer Glück hat, trifft beim Dinner (Empfehlung: das inseltypische Poke, roher Fisch mit immer wieder variierten Zutaten) einen Insulaner, der sich auskennt. Wie Kalani Kaanaana, der sich auf Oahu – der Insel, auf der Honolulu liegt – mit Tourismus beschäftigt. „Wenn du jemandem ein Lei überreichst, gibt es immer einen Grund dafür – etwa einen Geburtstag, einen Abschluss oder auch nur Freude, jemanden zu sehen. Das Wichtigste: Sie werden immer mit Liebe überreicht.“

Kaanaana macht die Blumenketten am liebsten selbst, „dann steckt etwas von mir darin“. Zeit dafür nimmt er sich. Die Hawaiianer sind entspannt, Honolulu ist noch die stressigste Gegend. 

Ausdruck der Entspannung ist das Abspreizen des Daumens und des kleinen Fingers von der Faust. Die Geste hieß eigentlich mal „Shaka“ – die Surfer haben sie aber zum „Hanging Loose“ (locker bleiben) umgedichtet. Welle verpasst? Locker bleiben. Vom Board gefallen? Locker bleiben. Aber auch: Der vor dir ihm Auto merkt nicht, dass die Ampel wieder grün ist? Auf Hawaii hupst du nicht, sondern, richtig, du machst die Geste als Zeichen an alle: Locker bleiben.

Geschichte auf Oahu: Pearl Harbor

Oahu, das „Herz Hawaiis“, bietet dem geneigten Urlauber vieles: von Schnorcheln bis Surfstunden, von Wandern bis Wildleben. Auch Geschichte. Auf Oahu liegt der Militärstützpunkt Pearl Harbor, den im Zweiten Weltkrieg in einem Überfallkommando die Japaner attackierten. Zwischen Ananas-Plantagen und Leuchttürmen an steilen Küsten eine beeindruckende Erinnerung daran, dass Hawaii nicht nur Paradies ist – sondern bis heute wichtiges Drehkreuz des Pazifiks.

Tourguide Arthur Schumann erklärt uns, als wir über einen früheren Highway fahren, dass das am Fenster vorbeiziehende Gelände von der Armee zu Trainingszwecken genutzt wird – „weil es aussieht wie in Afghanistan“. Das Gras ist blass und kurz, Hügel wachsen aus dem Boden.

(Fast) eine Weltreise: Hawaii hat zehn Klimazonen

Der Anblick hält nicht lange. Dann fühlen wir uns nach Island versetzt. Dann nach Irland. Und plötzlich nach Afrika. Mal Kaktus, mal Nadelholz. Mal alles gleichzeitig. Von den 14 Klimazonen der Welt sind zehn auf Hawaii vertreten. Vom Schnee auf der Spitze des Vulkans Mauna Kea bis zu schwarzen Stränden sind es zwei Stunden Autofahrt. Eine Weltreise in 100 Meilen.

Die noch unwirklicher, noch traumhafter enden kann mit einem Besuch bei einem Vulkan: Es brodelt, Rauchwolken ziehen in den Himmel. Wer die Lava blubbern sieht, sich vorstellt, wie sie unter den eigenen Füßen kocht, der fühlt sich der Natur, der Welt schnell sehr nah. Und nimmt eine weitere besondere Erinnerung mit.

Hawaii: Tipps zur Anreise & Unterkunft

Anreise: Hawaii ist die abgelegenste bevölkerte Region der Welt – die Anreise entsprechend lang. Mit Condor geht’s zum Beispiel ab Frankfurt nach Seattle (ab Sommer 2017 auch ab München), dann in Kooperation mit Alaskan Airlines weiter nach Honolulu (Ticket etwa 1.100 Euro). Zwischen den Inseln gibt es täglichen Flugverkehr (Hawaiian Airlines ist Marktführer), auf den Inseln ist ein Mietwagen unabdingbar.

Unterkünfte: In Honolulu empfiehlt sich ein Hotel in der Nähe von Waikiki Beach. Je näher am Wasser, desto teurer. Hotels wie das Hilton Garden Inn (ab 175 Euro/Nacht) liegen nur wenige Minuten vom Meer entfernt. Wer sich richtig verwöhnen lassen – und seine Ruhe haben – will: Das Four Seasons Ko Olina (ab 600 Euro/Nacht) liegt unweit Honolulus, hat eine eigene Bucht.

Auf Hawaii liegt das Hilo Hawaiian (ab 120 Euro/Nacht) schön zentral und direkt am Japanischen Garten.

Auf Kauai lohnt es sich zum Beispiel, das Koloa Landing Resort (ab 175 Euro/Nacht) zu buchen – die Zimmer haben Kochnischen, es gibt Pools auch nur für Erwachsene.

Attraktionen: Die Insel Hawaii heißt nicht umsonst „The Big Island“. Für einen Überblick empfiehlt sich zum Beispiel eine Ganztagestour mit Mauna Kea Summit Adventures. Der „National Tropical Botanical Garden“ auf Kauai begeistert mit einer Vielzahl Pflanzen. Ein Hubschrauberflug auf einer der Inseln ist dringend empfehlenswert. 
Niemals abschlagen: eine Einladung nach Nihau, gemeinhin auch als die verbotene Insel bekannt. Hier leben wenige Hundert Hawaiianer einer Familie und deren Angehörige, touristisch erschlossen ist das Eiland im Nordosten des Archipels nicht. Nur sehr wenige Touren führen auf die Insel. 

Essen: Einmal im Jahr findet das Food & Wine Festival statt. Top-Köche, Top-Küche. Wer genießen will: Rechtzeitig buchen.

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Der Autor
Sebastian Scherer arbeitet als Redakteur bei der Neuen Presse in Hannover. Sein bevorzugtes Reiseziel sind die USA, irgendwann will er alle 50 Staaten gesehen haben. Aber auch ande ... mehr
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