Radtouren in Deutschland: Highway oder Genuss?

Das Netz an Fernradwegen in Deutschland lässt nur wenig Wünsche bei einer Radtour offen und lädt zu einem grünen Urlaub ein.

Der Radfernweg RS1 in der Ruhr.
Das Teilstück des ersten Fahrrad-Highways in Deutschland, dem RS1.

Foto: imago/Jochen Tack

Zugegeben, Deutschland kann sich in Sachen „fahrradfreundliche Städte“ nur mit wenigen Erfolgen rühmen. Bis Berlin, Hamburg oder München ein Radwegenetz wie Kopenhagen oder Amsterdam ausgebaut haben, werden noch einige Jahre vergehen müssen. Klar, es gibt durchaus Leuchttürme in der urbanen Fahrradlandschaft wie Münster, Karlsruhe oder Freiburg im Breisgau, wie auch die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests zeigen. Aber viele Städte sind an vielen Stellen immer noch ein Albtraum für Radfahrer – von Fahrrad-Highways kann hier keine Rede sein. 

Ganz anders sieht es da bei touristischen Fahrradwegen aus. Das Netz an Fernradrouten wird ständig verbessert. Breite Wege, autofreie Strecken und sehr gute Beschilderung machen die Bundesrepublik zum Paradies für Radreisende. Eine kleine Auswahl:

RS1 – Radschnellweg für Pendler und Touristen

Eigentlich soll der erste deutsche Fahrrad-Highway ausschließlich für Pendler sein. Aber das Pilotprojekt ist einfach zu spannend, als dass die ersten zehn Kilometer, die bereits fertiggestellt sind, nicht auch in eine Radtour eingebaut werden sollten.

Der Radschnellweg 1 (RS1) im Ruhrgebiet soll die dortigen Autobahnen und Bundesstraßen entlasten. Geplant sind 101 Kilometer Radweg von Duisburg bis Hamm. Und zwar ausschließlich Radweg. Vorbild für das Konzept stehen Fahrrad-Highways in den Niederlanden und Kopenhagen.

Bisher wurde etwa ein Zehntel der Strecke umgesetzt. Der erste Teilabschnitt zwischen Mülheim an der Ruhr und Essen wurde im November 2015 eröffnet. Ein Ausflug auf den Highway im Ruhrgebiet kann zum Beispiel als Abstecher vom „Ruhrtal Radweg“ in Mülheim an der Ruhr eingebunden werden. Ansonsten ist dann doch noch längeres Warten angesagt, bevor der erste große Fahrrad-Highway komplett befahrbar sein wird. 

 

Qualitätsradweg von Ost nach West: der D3

Der Radfernweg D3 ist Teil des Europaradwegs R1, durchquert Deutschland von Ost nach West und wurde vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e.V. (ADFC) mit drei Sternen ausgezeichnet. Die vom ADFC ausgezeichneten Sternenrouten stehen nach Angabe des Fahrradclubs für Qualität in den Bereichen Befahrbarkeit, Oberfläche, Wegweisung, Routenführung, Verkehrsbelastung, touristische Infrastruktur, Anbindung zu Bahn und Bus sowie Marketing. Am meisten ins Gewicht fällt dabei die Verkehrsbelastung der jeweiligen Strecke. 

Die Drei-Sterne-Bewertung durch den ADFC ist also gleichzeitig auch ein Gütesiegel für einen entspannten Fahrradurlaub. Was dich hier erwartet? Geteerte Wege, kaum Autos, abwechslungsreiche Landschaft, unterschiedliches Höhenprofil und kulturelle Highlights entlang der gesamten Strecke. Der D3 führt dich von Vreden an der niederländischen Grenze über Münster, Gütersloh, Höxter, Goslar, Wernigerode, Wittenberg und Berlin bis zur polnischen Grenze.

Dieser Fernradweg ist ein Modellprojekt des Bundesverkehrs- und Bundeswirtschaftsministeriums, um die Zusammenarbeit der einzelnen Bundesländer, durch die die Strecke verläuft, zu vereinfachen. Der Ausbau der restlichen elf D-Routen ist das große Ziel und wäre ein wahrgewordener Fahrradtraum für alle Radreisenden in Deutschland.

#europaradweg kurzer Abstecher zur #teufelsmauer #harz #angstvorgeschwindigkeit wenns bergab geht

A post shared by Claudia Ristowrante (@clauditicia) on

 

5-Sterne-Radtour: „Liebliches Taubertal“

Weniger Highway, mehr Genussradeln: der Radweg „Liebliches Taubertal – der Klassiker“. Vom ADFC hat er 2016 zum zweiten Mal fünf Qualitätssterne verliehen bekommen und ist damit in den Top 4 der Radweg-Testsieger gelandet. Abstriche gab es für den Taubertal-Radweg in den Kategorien Wegweisung (vier Sterne), Routenführung (vier Sterne), touristische Infrastruktur (vier Sterne) sowie Anbindung mit Bahn und Bus (drei Sterne).  

Der 100 Kilometer lange Radweg verbindet die Städte Rothenburg ob der Tauber und Wertheim am Main. Gänzlich ohne Autos auf der Strecke kannst du zum Beispiel entspannt in drei Etappen bis nach Wertheim radeln. Unterwegs fährst du an einem Rebhang nach dem anderen vorbei. Perfekt also, um den Tag bei einer Weinverkostung in einem der zahlreichen Winzerdörfer entlang der Route ausklingen zu lassen.

Kleines Shopping-Highlight: Um deine Fahrrad-Garderobe nach der Tour aufzupeppen, kannst du in Wertheim im Outlet-Center „Wertheim Village“ zum Abschluss noch eine Runde shoppen gehen, bevor du dich wieder auf den Heimweg machst.  

 

Radtouren in Brandenburg

Brandenburg bietet perfekte Bedinungen für eine Radtour: ebenes Gelände und abwechslungsreiche Landschaft. Vom Gurken-Radweg im Spreewald über zahlreiche Seengebiet bis zum prächtigen Fürst-Pückler-Weg. Details zum Radfahren in Brandenburg haben wir bereits in diesem Artikel ausführlich zusammengefasst: „Immer der Gurke nach: 12 Radtouren in Brandenburg“.

 

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Die Autorin
Seit sie für ein halbes Jahr in Japan war, ist sie jede freie Minute unterwegs. Ob Wochenendausflug an die Nordsee zum Surfen, Fahrradtour durch Schweden und Estland, Kletterurlaub ... mehr
#Trending
Zur
Startseite