Geheimtipp Les Diablerets: Verstecktes Ski-Idyll

Breite Abfahrten, Gletscher mit Aussicht, historische Gondeln und ein Bergpanorama zum Niederknien – so viel heile Welt, wie die drei Skigebiete rund um das versteckte Schweizer Bergdorf Les Diablerets zu bieten haben, musst du erstmal aushalten. 

Mit der Gondel ins Skigebiet bei Les Diablerets.
Mit der Gondel ins Skigebiet bei Les Diablerets.

Foto: Sébastien Staub

Die Prominenz tummelt sich in Gstaad, die Schickeria in St. Moritz, die erlebnishungrigen Horden in Portes du Solei. Die Genießer dagegen, tummeln sich im malerischen Chalet-Dorf Les Diablerets, das zu wenig Hotels besitzt, um je überfüllt zu sein. So ist es auf den insgesamt 170 Pistenkilometern, welche sich über drei Skigebiete verteilen, selbst während der Hochsaison angenehm ruhig. Für waghalsige Ski-Raser sind die Abfahrten zu flach, für partyhungrige Après-Ski-Hasen die Bars zu heimelig. Und für den Jetset mangelt es an Luxushotels und Edelboutiquen

Stattdessen gemütliches Panorama-Wedeln für die ganze Familie, Bergfahrten in Nostalgie-Gondeln, Ski-Spaß auf dem Gletscher mit freiem Blick über das Genfernseegebiet bis zum Mont Blanc. Les Diablerets ist kein Ort für die Massen, hat aber Massenhaft zu bieten

Panorama-Pisten zwischen Les Diablerets, Gyron und Villars

Das weitläufige, sich über 125 Pistenkilometer durch die Waadtländer Alpen erstreckende Wintersportgebiet verbindet die ursprünglichen Bergdörfer Les Diablerets, Gyron und Villars zu einem großen Skiareal. Dank der breiten, überwiegend leichten Abfahrten, ist das Gebiet wie gemacht für Anfänger, Familien, Romantiker und alle, die sich nach entspanntem Pisten-Genuss ohne Trubel und Anstehen sehnen.

Die von Villars mit der Bahn erreichbaren Skischulen samt Übungshügeln befinden sich auf 2000 Metern Höhe. So müssen Kinder und erwachsene Anfänger sich nicht auf abgelegenen „Idiotenhügeln“ abmühen, wie es oft der Fall ist. Ihre ersten Versuche starten mitten im Geschehen, umgeben vom schönsten Gipfelpanorama mit Blick über das berühmte, oft mystisch anmutendes Wolkenmeer, welches sich selbst bei strahlender Sonne über dem Genfer See staut. 

Eine ausgedehnte Erkundungstour, welche über 30 Lifte umfasst, dauert mindestens sechs Stunden und ist problemlos für Skifahrer mit mittlerem Niveau zu meistern. Schwarze Pisten gibt es keine. Adrenalin-Junkies bleibt einzig ein kleiner Snowpark.

Das urige Bergdorf Les Diablerets.
Das urige Bergdorf Les Diablerets. Foto: Roman Tyulyakov

Isenau: Kuscheliges Skigebiet im Vintage-Style

Auf der Sonnenseite von Les Diablerets beginnt Isenau, ein kleines Skigebiet, das ausschließlich aus sonnenverwöhnten, sanft geschwungenen Hügeln besteht. Da die Lifte nicht mit dem Hauptareal gegenüber verbunden sind, mag es auf den ersten Blick nicht besonders attraktiv wirken. Doch wer es kennt, weiß es besser: Freie Abfahrten die ganze Saison über, kein Gedränge, keine Raser, keine schwarzen Pisten, kein moderner Schnickschnack.

Isenau ist mit seinen gerade mal 16 Pistenkilometern das mit Abstand gemütlichste Skigebiet weit und breit. Und es hat Vintage-Charakter. So tuckeln seit über 60 Jahren dieselben roten Eier-Gondel den Berg hinauf. Die haben noch Design! Allein der Blick auf die pittoreske Retro-Bahn löst nostalgische Gefühle aus. In den 50er-Jahren war Isenau sehr gefragt, doch als die Gebiete drumherum mit den Jahren größer und moderner wurden, geriet es immer weiter ins Hintertreffen. Es stand sogar kurz vor der Schließung. Die alten Gondeln zu modernisieren lohnte sich nicht. Als es irgendwann doch zur Sprache kam, war schnell klar, dass die kugeligen Vintage-Gondeln längst zum Markenzeichen geworden sind. 

So verzichtet das mit viel Liebe gepflegte Mini-Skigebiet bewusst auf Modernisierungen, sondern leistet sich stattdessen Geheimtipp-Status. Derart entspanntes Skifahren samt Hochgondeln wie zu Großmutters Zeiten, dürfte kaum sonst noch irgendwo möglich sein. 

Die historischen Gondeln bei Isenau.
Die historischen Gondeln bei Isenau. Foto: Roman Tyulyakov

Glacier 3000: Skivergnügen bis in den Mai

Alle guten Skigebiete sind drei. Für Les Diablerets gilt es allemal. So thront über dem Dorf ein 3000 Meter hoher Gletscher, der Skispaß-Garantie von November bis Mai und Gipfelpanorama mit Blick auf die mächtigen 4000er bietet: Eiger, Mönch, Jungfrau, Matterhorn und sogar der Mont Blanc sind von der Bergstation des „Glacier 3000“ mit bloßem Auge zu erkennen. Um das Ganze noch aufregender zu gestalten, wurden Ende 2014 zwei Gipfelspitzen mit einer schmalen Hängebrücke verbunden. Der 150 Meter lange, im eisigen Wind leicht hin und her schwingende „Peak Walk“ sorgt für Staunen und Nervenkitzel zugleich. Wer nicht unter Höhenangst leidet, bekommt unweigerlich das Gefühl „on top of the world“ zu sein. 

Auf dem Gletscher selbst gibt es nur zwei Einkehrmöglichkeiten. Zum einen das unübersehbare, Ende der 90er-Jahre von Stararchitekt Mario Botta entworfene Beton-Ungetüm, dessen Restaurant den Charme einer Provinz-Kantine versprüht. Zum anderen das „Refuge“, das über einer steil abfallenden Klippe am anderen Ende des Gletschers liegt. In der kleinen, mit alten Zeitungen tapezierten und Fellen ausgestatteten Hütte zaubern Inge und ihr Mann an einem einfachen Herd leckere Gerichte. Dazu gibt es selbst gebackenen Kuchen und heißen Yeti-Tee, eine persönliche Punsch-Kreation. Auf der großen Terrasse vor der Hütte liegen Armeedecken, Handwärmer, Naturführer und Ferngläser bereit, damit die Gäste trotz Kälte den Blick über die weite Landschaft länger genießen können. Herzerwärmende Details, an die der berühmte Architekt mit der Kantine nicht gedacht hat. 
    
Das Gletscher-Skigebiet wartet bis in den Frühsommer hinein mit großzügigen Pisten auf. Könner, die bis jetzt zu kurz gekommen sind, finden auf der zehn Kilometer langen, teils sehr steilen Talfahrt endlich eine würdige Herausforderung. Auch sonst kommen Adrenalin und Nervenkitzel im Snowpark und auf dem großen Freeride-Gebieten nicht zu kurz. Doch gibt es noch mehr zu Entdecken. Zum Beispiel ein polyamoröses Bartgeier-Trio, das in seinem Horst auf der großen Steinsäule wohnt. Im gesamten Alpenraum leben nur 16 Exemplare in freier Wildbahn. Zeigt sich einer von ihnen, dann zieht er mit seinen über drei Metern Flügelspannweite eine ziemlich beindruckende Show ab. Sich hier sattzusehen, dauert eine Weile. 

Skipass für alle drei Gebiete, je nach Saison ab 300 Euro pro Person/Woche.

Peak Walk zum Glacier 3000
Der Peak Walk zum Glacier 3000 mit Blick auf das „Botta“ und die 4000er im Hintergrund. Foto: Glacier 3000

Tipps für die Pisten-Pausen

Das Restaurant Col de Soud im großen Skigebiet oberhalb von Villars: Bahnwärterhäuschen direkt an der Piste mit deftiger Schweizer Küche, erreichbar auch zu Fuß oder mit der Bahn. Idealer Treffpunkt für gemeinsames Mittagessen mit der Familie, Skifahrern und Nicht-Skifahrern. 

Refuge l'espace auf dem Gletscher 3000: Urig, kleine Hütte mit hausgemachten Speisen, großer Sonnentrasse und Postkarten-Ausblick.

Gegen Muskelkater: Le SPA im Chalet Royalp, Villars: Eleganter, 1200 Quadratmeter großer Wellnessbereich mit Pool, Jacuzzo, Sauna, Hammam und Massage-Angebot. 

Guillaume Mégevand

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Journalistin, Autorin, Weltenbummlerin. Hat schon während ihres Volontariates entdeckt, dass sich die schönsten Geschichten in der Ferne verbergen. Sie war bereits u.a. für die Süd ... mehr
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