Wohin sich zuerst wenden? Zum Roboter, der mit einer Gruppe von Besuchern plaudert? Zu den Bällen, die in der Luft tanzen? Zum Feuertornado, der sich vor einem staunenden Publikum in die Höhe windet? Wenn du das Phaeno in Wolfsburg betrittst, wirst du erst einmal überwältigt von den vielen akustischen und visuellen Reizen, die auf dich einströmen.

Wegweiser oder Routen durch die Ausstellungsfläche, die so groß wie ein Fußballfeld ist, gibt es nicht. Auch keine trennenden Wände. Gegliedert wird der Raum lediglich durch große Säulen sowie Erhebungen und Ausstülpungen im Boden. Das alles gehört zum Konzept. „Jeder soll sich seinen eigenen Weg suchen und überall so lange aufhalten, wie er möchte“, erläutert der wissenschaftliche Mitarbeiter Dominik Essing.

Dabei weicht das Gefühl der Orientierungslosigkeit schnell einer grenzenlosen Neugier, und die Besucher begeben sich auf Entdeckungsreise durch eine Welt voller naturwissenschaftlicher Phänomene und Experimente, in der alles fließend ineinander übergeht.

350 Exponate in der Phaeno-Dauerausstellung

Zu entdecken gibt es unglaublich viel: Allein die Dauerausstellung zählt rund 350 Exponate. Diese reichen von einem Gerät, das die eigene Reaktionszeit misst, über eine Wärmebildkamera, die die unterschiedlich warmen Körperregionen auf einer Leinwand sichtbar macht, bis hin zu einer Plasmakugel, in der sich Fäden aus leuchtendem Gas bilden, sobald du sie berührst.

Ob Mechanik, Optik, Magnetismus, Elektrizität oder Bionik – viele naturwissenschaftliche Phänomene und Prinzipien werden anschaulich dargestellt und im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar. Auf kleinen Tafeln stehen zwar knappe Erklärungen.

Das Verstehen funktioniert hier aber nicht über den Intellekt, sondern vor allem über die sinnliche Wahrnehmung – und über das Erfahren am eigenen Leib: So kannst du dich wie ein Fakir auf ein Nagelbrett legen, ohne Schmerzen zu erleiden. In einem Haus, das sich um die eigene Achse dreht, geht dir das Gefühl für oben und unten verloren, und in einem weiteren Gebäude mit schiefen Ebenen ringst du ums Gleichgewicht.

In Wolfsburg macht Wissenschaft Spaß

Immer wieder wirst du zum Experimentieren eingeladen. Oder du wirst Teil des Experiments. Selbst Kinder können einen alten VW Golf spielend leicht in die Höhe heben – möglich machen das mehrere Seilzüge. Das einfache physikalische Gesetz dahinter: Je länger der Weg des Seils, desto weniger Kraft ist erforderlich.

An einem anderen Exponat stehen dir die Haare zu Berge: Ein Bandgenerator erzeugt elektrische Energie, die auf eine Glaskugel übertragen wird und bei Berührung auf den Menschen übergeht.  

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Naturwissenschaft soll im Phaeno vor allem eins: Spaß machen. Kindern ebenso wie Erwachsenen. Die Wissensvermittlung geschieht ganz nebenher. „Wir wollen die Wahrnehmung schulen und ein Gefühl etwa für Mathematik oder Physik fördern. Dann gehen wir auch naturwissenschaftlichen Phänomenen auf den Grund, die uns im Alltag begegnen“, erklärt Essing.

Wissensvermittlung wird im Phaeno sogar zur Show: Im Wissenschaftstheater werden dem Publikum anhand von Versuchen einige Phänomene erklärt. Warum etwa widersetzt sich ein mit Helium gefüllter Ballon der Fliehkraft? Oder wie organisieren sich Metronome selbst, sodass sie irgendwann im selben Takt schlagen? Zum Schluss bilden vier Zuschauer ein in sich stabiles System: Sie bleiben aufeinander sitzen, obwohl ihnen die Stühle unter dem Hintern weggezogen werden.

Das Kunstwerk "Secret Life"

Doch du bist längst nicht immer aktiv gefordert. Einige Werke von Künstlern laden zum beschaulichen Betrachten ein: So kannst du verfolgen, dass die Kugeln in einer Kugelbahn nach dem Zufallsprinzip unterschiedliche Wege nehmen. Die sechs Teile des „Little yellow Chair“ fügen sich für einen flüchtigen Moment zusammen, bevor sie wieder ein abstraktes Einzeldasein führen. In dem Kunstwerk „Tanzende Magnetigel“ bewegen sich Eisenspäne rhythmisch zur Musik. Und in einem weiteren Objekt zieht Trockeneis auf einer Wasseroberfläche wundersame Nebelschwaden hinter sich her.

In einem separaten Raum wird es geradezu mystisch: Hier wickeln zwei Hände in einem ewigen Kreislauf einen Hotdog aus. Das Papier fällt zu Boden, zerknüllt, wird zum Ei, das aufplatzt und aus dem wieder ein Hotdog kommt. Wie das funktioniert, erfährst du, wenn du den Raum erhellst. Und so wird das Kunstwerk „Secret Life“ zum Sinnbild für das Phaeno: Erklären kann man vieles nur unzureichend. Erst wenn du die Dinge bei anderem Licht betrachtest, verstehst du sie.