Als Paar auf Weltreise | reisereporter.de

Als Paar auf Weltreise: Geht das?

Ein junges Paar bricht alle Zelte in Deutschland ab und begibt sich auf Weltreise. Uns haben sie die wichtigsten Fragen beantwortet.

Viktor und Nadine (@travelnuts) entspannen in Kambodscha in Hängematten.
Viktor und Nadine (@travelnuts) entspannen in Kambodscha in Hängematten.

Foto: @travel_nuts

Viktor und Nadine kommen aus der Nähe von Würzburg. Beide sind jung, ein bisschen verrückt und voller Reiselust. Deshalb brachen sie ihre Zelte in Deutschland ab und begaben sich auf Weltreise. Als @travel_nuts touren sie seitdem durch die Welt. Uns haben sie ein paar Einblicke in ihren Reisealltag gewährt und die wichtigsten Fragen beantwortet.

Wie kamt ihr auf die Idee, alles hinter euch zu lassen und eine Weltreise zu machen? 

Viktor und Nadine: Uns hat das Reisefieber schon länger gepackt: Nadine ist nach ihrem Studium mit einem Working Holiday Visum ein halbes Jahr alleine durch Australien gereist. Viktor hat dank seines Auslandssemesters in Bangkok bereits viel von Südostasien gesehen. Als wir uns kennengelernt haben, waren wir uns in einer Sache sofort einig: noch viel von der Welt sehen zu wollen – am besten in jungen Jahren.

 

Wie sahen die Vorbereitungen aus? Gab es viel zu organisieren?

Mit großer Vorfreude und Fernweh sind wir die Vorbereitungen unser Weltreise angegangen. Neben Themen, die uns im Vorfeld viel Spaß bereiteten (wie zum Beispiel Reiseroute planen, Reiseblogs stöbern, erste Flüge buchen, Reise Equipment shoppen) mussten wir auch einige Formalitäten erledigen.

Wichtige formelle Aspekte waren hierbei beispielsweise: Nach der Kündigung des Arbeitsverhältnisses beim Arbeitsamt arbeitsuchend melden und anschließend von der Arbeitssuche abmelden, laufende Verträge kündigen, Kündigung der Krankenkasse und Abschluss einer Auslandskankenreiseversicherung, über notwendige Impfungen informieren und Impfen lassen (frühzeitg beginnen), Arztbesuche zur Vorsorge, Wohnsitz abmelden, zweite Kreditkarte beantragen, Gültigkeit des Reisepasses prüfen (Gültigkeit mindestens sechs Monate über den geplanten Aufenthalt).

 

@travel_nuts auf Weltreise

Nadine und Viktor aus der Nähe von Würzburg zeigen uns ihre schönsten Fotos.

Wohin seid ihr zuerst gereist?

Um die geplanten Ländern möglichst in der idealen Reisezeit zu bereisen, wurde uns schnell klar, wie unsere Route (Start im April) verlaufen müsste: Asien, Ozeanien, Süd- und Mittelamerika, Afrika. Demnach starteten wir in Asien und erfüllten uns gleich zu Beginn unseren Traum, nach Japan zu reisen, von dort ging es weiter nach Südostasien.

 

Plant ihr eure Route spontan oder gab es vor eurer Abreise schon eine grobe Idee?

Eine grobe Vorstellung welche Länder wir erkunden wollen gab es. Auf eine feste Route hatten wir uns jedoch vorher nicht festgelegt. „Wir lieben die Freiheit, die man unterwegs hat.“ Auch nur zwei Flüge waren gebucht: Der erste ging mit Stopover in Hong Kong (4 Tage Aufenthalt) nach Tokyo, der zweite im Anschluss von Osaka nach Bangkok. Blickt man nun auf unseren tatsächlichen Verlauf der Reise zurück, kam doch vieles spontan ganz anders.

Und wer entscheidet schlussendlich?

Auch wenn wir identische Interessen haben (zum Beispiel Surfen, Trekken, Campen, Roadtrips) und wir uns bei der Route und Art unserer Weltreise schnell einig waren, so gibt es doch einen Punkt, welcher uns unterscheidet.

Viktor: „Ich bin eher der spontane Typ, lasse gerne alles auf mich zukommen und habe meine Nase gefühlt kein einziges Mal in den Lonely Planet gesteckt. Nadine ist eher die Organisatorin und recherchiert gerne schon einige Tage vorher den weiteren Verlauf. Letztlich trifft man sich irgendwo in der Mitte. Nadine wurde klar, dass man sich nicht auf alles vorbereiten kann und ich sah ein, dass es sich vor allem in der High Season als als nützlich erweist, im Vorfeld nach günstigen Unterkünften zu suchen.“ Die perfekte Symbiose, die uns Planungssicherheit, aber auch viele Abenteuer brachte.

Was hat euch bis jetzt am meisten beeindruckt?

Es gibt zahlreiche traumhafte Plätze auf der Welt, die uns beeindruckt haben. Aber um ein paar zu nennen, die uns wohl in ganz besonderer Erinnerung bleiben: Kyoto – eine traditionelle japanische Kaiserstadt, Koh Rong Samloem – Kambodschas verstecktes Insel Paradies, Neuseeland – 6 Wochen Roadtrip mit einem Van, Bolivien – eine mehrtägige Jeeptour zur „Salar de Uyuni“ der größten Salzwüste der Welt, Guatemala – Besteigung des Vulkan „Acatenango“ mit Sicht auf den sehr aktiven und Lava spuckenden Nachbar-Vulkan „Fuego“.


 

Und was hättet ihr euch sparen können?

Es hat uns bis jetzt eigentlich überall sehr gut gefallen. Sprich: Es gibt wenige Orte, die wir gar nicht mochten, da jeder Ort auf unterschiedliche Art und Weise besonders ist.

Reisen ist ja mittlerweile fast schon Mainstream. Trifft man unterwegs viele Leute, die man eigentlich nicht dort erwartet?

An sich gibt es kaum Orte auf der Welt an denen du keine anderen Reisende antriffst. Daher kann man zurecht behaupten, dass Reisen mittlerweile Mainstream ist. Jedoch hat es uns erstaunt, dass wir auch immer wieder Paare mit jungen Kindern oder auch Rentner begegneten, die den schlichten und unkomfortablen Reisestil bevorzugen (beispielsweise 4-stündige Fahrt mit dem Local Bus für gerade einmal 100 km oder Übernachten in Hostels)

Gab es Begegnungen mit Einheimischen, die euch besonders beeindruckt haben?

Wir haben immer wieder schöne und überraschende Bekanntschaften mit Einheimischen. Zwei ganz besondere Begegnungen ergaben sich in Japan und Neuseeland.

In Tokyo verbrachten wir einige Nächte bei dem japanischen Ehepaar Masaki-san und Yumiko-san und wurden von der überaus hohen Gastfreundlichkeit überwältigt. Trotz der kulturellen Unterschiede und der sprachlichen Barriere, welche kreativ durch die Verwendung einer Übersetzungs-App mit „Stimme zu Stimme“-Konversation gelöst wurde, konnten wir uns verständigen und spürten wie sehr die beiden bemüht waren, dass wir uns wohlfühlen. Ihre Herzlichkeit brachten sie ein weiteres Mal zum Ausdruck, indem Yumiko-san uns zur Anprobe einer ihrer Kimonos einlud und damit einen kleinen Mädchentraum wahr werden lies.

Nadine: „Das wollte ich schon immer einmal ausprobieren. Einen traditionellen Kimono mit all seinen tausend Schichten tragen!“

Während unseres Road Trips durch Neuseeland kamen wir auf einem Campingplatz mit einem netten älteren neuseeländischen Ehepaar ins Gespräch, die uns am Abend zu sich einluden um unsere weitere Route zu besprechen. Mit ihrem Wohnmobil durchqueren die beiden Rentner seit einiger Zeit ihr Heimatland – so erhielten wir Tipps aus erster Hand.

Sie erzählten uns spannende Geschichten von ihren vergangenen Langzeitreisen durch die ganze Welt und wir saßen bis spät am Abend mit ihnen zusammen im Camper. Über Facebook stehen wir noch heute regelmäßig mit den beiden in Kontakt und sie verfolgen dort gespannt unsere Weltreise. Wir träumen schon jetzt von dieser grenzenlosen Freiheit im Ruhestand und einer Wohnmobilreise durch Europa. 

 

Welches Erlebnis wird der Brüller im Freundeskreis?

In den letzten 9 Monaten sind uns schon viele Dinge widerfahren. Von einem ungewollten illegalen Grenzübergang von Thailand nach Kambodscha, einem Einbruch in Chile in unserem Hostelzimmer, während wir schliefen, bis hin zum Diebstahl eines Geldbeutels in Neuseeland.

Der Brüller im Freundeskreis ist jedoch bereits, ob es beabsichtigt sei, auf jedem Kontinent ein Krankenhaus aufzusuchen. So ging es in Kamodscha wegen einem Affenbiss zur Tollwutimpfung, auf Bali ereignete sich ein Rollerunfall mit anschließender MRSA-Infektion (Infektion mit multiresistenten Keimen) und in Boliven kam es aufgrund einer bakteriellen Infektion, einem Parasiten und Typhus zu einem mehrtägigen Krankenhausaufenthalt mit Infusion. Eines der verrücktesten Ereignisse war eine Streik-Blockade in Peru: 798 Kilometer und 34,5 Stunden Busfahrt. Auf unserer Übernachtfahrt von Cusco nach Ica kam unser Bus Nachts um 1 Uhr plötzlich zum Stehen. Als wir Morgens aufwachten, hatte sich noch nicht viel getan und die Verkehrswege waren kilometerlang durch Straßensperren blockiert. Als acht Stunden später endlich die Polizei eintraf, dachten wir es würde bald weiter gehen. Pustekuchen!!!

Die Aufräumarbeiten wurden von den Demonstranten immer wieder gestört, indem sie erneut große Felsen von den anliegenden Bergen auf die Polizei stießen. Als wir wiederholt nachfragten wie es nun weitergehen würde, teilte der Busfahrer mit, dass dieser Streik wohl zwei bis drei Tage andauern kann und er zum Umkehren keine Genehmigung habe. Die anschließende Diskussion mit anderen Backpackern veranlasste uns, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und die Straßenblockade zu Fuß zu überqueren. Glücklicherweise hatten wir einen Peruaner dabei, der mit den Demonstranten kommunizierte und bei jedem Passieren einer Straßenblockade um Erlaubnis fragte, damit wir nicht von Steinen getroffen werden. Nach einiger Zeit traf das Militär ein und es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Demonstranten. Anstatt die Situation friedlich zu lösen, wurde sofort seitens des Militärs geschossen. Die Demonstranten, welche sich in den Bergen versteckt hatten, zögerten nicht lange und schossen zurück. Wir mittendrin!

Welcome to South America. Wir mussten eine lange Strecke von etwa acht Kilometern blockierter Straße zu Fuß mit 18 Kilogramm Gepäck zurücklegen, um ins nächste Dorf zu gelangen. Von dort ging es nach weiteren vier Stunden Wartezeit wegen anhaltenden Demonstrationen mit einem Minibus weiter in eine Stadt, um von dort einen anderen Nachtbus nach Ica zu nehmen. Mit 18 Stunden Verspätung kam wir dann endlich unversehrt in Ica an. Wie wir im Nachhinein erfahren haben, steckte der Bus zwei Tage fest.


 

Jetzt mal ehrlich: Gab es manchmal Streit zwischen euch?

Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten kommen natürlich vor! Viktor: „Es kann für mich schon mal anstrengend sein, wenn Nadine als Vegetarierin Ewigkeiten braucht, um ein Lokal mit vegetarischen Gerichten zu finden. Da ist es wichtig, Kompromisse zu schließen und einander zu verstehen.“

Eine Langzeitreise bringt viele Herausforderungen in der Beziehung, die gemeinsam zu bewältigen sind und einen als Paar noch mehr zusammenschweißen. Nadine: „Nach einem Rollerunfall mit anschließender MRSA-Infektion und dreimonatiger Behandlung einer großen offenen Wunde war Viktor mir eine große Unterstützung. Ohne ihn hätte ich diese schwierige Zeit und die vielen Krankenhausbesuche wahrscheinlich nicht durchgestanden und wäre vorzeitig nach Hause gekehrt, um mich in Deutschland behandeln zu lassen.“ 

Aufgrund vieler positiver aber auch einigen negativen Erfahrungen und Momente, die wir gemeinsam erlebt haben, lernten wir uns nochmal von einer ganz anderen Seite kennen.

 

Was steht in den letzten Wochen jetzt noch auf dem Plan?

Zur Zeit sind wir in Nicaragua. Nadine's Dad und Bruder kommen für zwei Wochen nach Costa Rica. Danach geht es für uns noch nach Afrika. Ein Rückflug ist bisher jedoch nicht gebucht.

Würdet ihr die Reise so wieder machen oder nächstes Mal von vornherein etwas anders angehen?

Wir würden die Reise jederzeit wieder so angehen. Vielleicht nur mit mehr Erspartem aufbrechen, um länger reisen zu können beziehungsweise um noch entlegene Ziele erkunden zu können, zum Beispiel Galapagos-Inseln, Patagonien, Antarktis und Fiji-Inseln.


 

Und hier nochmal die Hardfacts zu Nadines und Viktors Reise (bis jetzt):

Dauer der Reise: insgesamt knapp zwölf Monate
Bereiste Länder: 17 (Hong Kong, Japan, Thailand, Kamodscha, Vietnam, Sri Lanka, Indonesien, Singapur, Malaysia, Neuseeland, Argentinien, Chile, Bolivien, Peru, Mexiko, Guatemala, Nicaragua)
Großstädte: 28
Flüge: 19
Flug Kilometer: 53.636 geflogene Kilometer
Betten: 85 verschiedene Unterkünfte

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Der Autor
Mein absoluter Traumurlaub: ohne Ziel, ohne Stress und mit der passenden Begleitung durch die USA fahren. Abseits des Mainstream und überfüllter Szenestädte das normale Leben kenne ... mehr
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