Sechzig Kilometer südlich von Berlin, wo die letzten Vororte der Hauptstadt in den Spreewald übergehen, erhebt sich zwischen Kiefern und Birken eine riesige weiße Kuppel. Die hat es in sich: Südsee und Regenwald, Palmen und Pagoden, tropische Pfahlbauten und Wasserrutschen.

Die „Tropical Islands“ liegen mitten Brandenburg. Der größte Indoor-Regenwald der Welt. In der exotischen Urlaubswelt gibt’s sogar einen Sandstrand  alles unter dem gewölbten Dach. Der Name der exotischen Urlaubswelt: Tropical Islands.

Die Anreise ist allerdings meist etwas trüber. Der Himmel selten blau, der Bahnhof nach einem Brand verbrettert und ziemlich marode. Davor aber wartet ein bunter Pendelbus, der die Passagiere mit Lautsprecherdurchsagen auf das vier Kilometer entfernte Paradies unter der Kuppel einstimmt. „Willkommen in der größten frei tragenden Halle der Welt.“

Der größte Wasserrutschentrum Deutschlands

Ein Superlativ übertrifft den nächsten: Der höchste Wasserrutschenturm Deutschlands, die größte Saunaladschaft Europas und der größte Indoor-Regenwald der Welt warten – laut Durchsage im Bus – auf die Gäste. Tatsächlich kann sich die Halle sehen lassen: 360 Meter lang, 210 Meter breit und 107 Meter hoch. Fünf Fußballfelder würden da hineinpassen.

Bauten aus fernen Ländern schmücken die Halle – zum Beispiel ein 14 Meter hohes Tor aus Bali, das in der Mitte gespalten ist und nach hinduistischer Lesart einen auseinandergerissenen Götterberg symbolisiert. Wie die meisten anderen Bauten hier ist dieses Tor von Handwerkern im Herkunftsland aus Originalmaterialien gefertigt worden.

Schwimmen in der Bali-Lagune

Die Häuser muten auch sehr authentisch an: Von den malerischen Fassaden platzt dekorativ der Putz, Türen und Holzbalkone sind von Sonne und Wind gegerbt. Und dahinter lockt die Südsee – eine 3.000 Quadratmeter große Wasserfläche mit Sandstrand, blauem Panoramahimmel und konstanter Wassertemperatur von 28 Grad. Wer es noch wärmer und kuscheliger liebt, kann auch in der Bali-Lagune planschen – 1.200 Quadratmeter groß und 32 Grad warm, mit Wasserrutschen, Whirlpools und Wasserfällen, die sich atmosphärisch dicht an den Regenwald anschließen.

Als die Halle vor gut 20 Jahren errichtet wurde, war noch anderes geplant. Eigentlich sollten hier Luftschiffe für Lastentransport gebaut werden, sogenannte Cargolifter. Doch das Projekt scheiterte. Daraufhin rückte ein Unternehmen aus Malaysia an, um auf dem einstmals russischen Militärgelände Highlights der Tropen nachzubauen – um ein Vielfaches größer als die bestehenden Center Parcs und vor allem mit integrierten Übernachtungsmöglichkeiten.

Übernachten im Zelt oder in der Lodge

Neben 133 komfortablen Zelten finden sich in der Halle 197 Zimmer und Lodges mit insgesamt 522 Betten in bunten Häusern im karibischen, afrikanischen oder asiatischen Stil, die überall in der überdachten Tropenwelt verteilt sind – manche mit Blick auf die Südsee, andere mit Veranda zur Bali-Lagune oder dem Tropendorf. Wer mag, kann auch außerhalb übernachten, wahlweise auf einem Campingplatz, in einem bungalowartigen Wohnmobil, in einer Ferienwohnung oder einem dänischen Ferienhaus.

Zwischendurch tut es durchaus auch mal gut, ein bisschen frische Luft zu schnappen. Denn die Luft in der Halle ist bei konstant 26 Grad schweißtreibend feucht. Gute Bedingungen auf jeden Fall für den tropischen Regenwald, der immerhin 10.000 Quadratmeter einnimmt und 600 verschiedene Pflanzenarten zusammenführt. Die Dattelpalme gedeiht hier ebenso wie die Bananenstaude, der Sternfruchtbaum, allerlei Schlingpflanzen und seltene Orchideen.

Ganz besondere Gewächse wachsen in dem künstlich angelegten Mangrovensumpf: Pflanzen mit sogenannten Luftwurzeln, die ihre Nährstoffe der Luft entnehmen. Bevölkert wird der Indoor-Urwald unter anderem von Flamingos, Papageien, Pfauen, Nymphensittichen, Kanarienvögeln, Wasserschildkröten und exotischen Fischen wie Haiwelsen.

Die Südsee beginnt 60 Kilometer vor Berlin

 

Hier zeigt sich, wie anpassungsfähig die Natur sein kann. Die Schildkröten zum Beispiel halten in der Halle – anders als in den Tropen – Winterschlaf. Sie buddeln sich einfach im Schlamm ein und kommen im Frühjahr wieder raus.

Die Regie im Regenwald hat Bernd Green – kein Künstlername, wie der 50-jährige Chefgärtner betont, der sich mit lang gezogenem „e“ spricht und nicht etwa wie das englische Wort für Grün. Eigentlich sieht sich der gelernte Förster, der auf einem Bauernhof in Schleswig- Holstein aufgewachsen ist, eher als „Outdoor- Mensch“ – ein passionierter Jäger und Angler. Trotzdem bezeichnet Green seine Arbeit im überdachten Regenwald als „Traumjob“.

Es sei schon eine große Herausforderung, so viele unterschiedliche Pflanzenarten unter den künstlichen Bedingungen der großen Halle zum Wachsen und Blühen zu bringen und die „Balance zwischen Wildnis und Gartenkunst“ zu halten, sagt Green. „Mein Ziel ist ein gepflegter Urwald.“

13 Mitarbeiter stehen dem Regenwaldchef zur Seite, der auch für 600 Hektar Außengelände mit Kiefernwald und die dortige Jagd zuständig ist. Unterstützt wird das Wachstum der Tropenwelt durch 20.000 Quadratmeter UV-Licht-durchlässige Folie und winzige Schlupfwespen, die für Schädlingsbekämpfung sorgen. Chemie ist tabu.

Exotik in der Saunalandschaft

Der Regenwald ragt auch in die Saunalandschaft. Im Übrigen prägt hier vor allem fernöstliche Exotik das große Schwitzen. Der Saunabereich Angkor Wat zum Beispiel ist einer kambodschanischen Tempelanlage nachgebildet – mit einer Trockensauna im Namen von Gott Vishnu. Der „Elefanten-Tempel“ beherbergt die Dampfsauna „Trimurti Kristallwelt“, und im „Asia Haus“ finden sich Ruhe- und Meditationsräume. Auch Baumsauna und Salzgrotte, Blütendampfbad und Nebelgrotte haben ihren Reiz.

Ein wenig geschmälert wird der Erholungseffekt nur durch das Tosen der Südsee, das aber nicht von Brandungswellen herrührt, sondern von kreischenden Menschenmassen – bisweilen zusätzlich angeheizt von Animateuren mit lärmenden Lockrufen und peitschenden Rhythmen. Wer Ruhe sucht, sollte Wochenenden und Ferien meiden – oder die Nacht zum Tage machen. Denn die Sauna ist bis 1 Uhr geöffnet, und in der Südsee oder Bali-Lagune darf die ganze Nacht gebadet werden. In geradezu gespenstischer Stille.