Mit Portugal und Spanien ist das so eine Sache. Historisch bedingt – auch heute noch ist die Beziehung zwischen den Nachbarn hart, aber herzlich.

Spürbar wird dies besonders in Coimbra, im Zentrum Portugals – dort, wo sich die Liebesgeschichte von Inês und Pedro zutrug. Inês de Castro war eine Spanierin – deshalb musste sie sterben. So geht die Kurzfassung der historischen Erläuterung über die Quinta das Lagrimas, das Landhaus der Tränen. Im 13. Jahrhundert spielte sich hier die portugiesische Fassung von Romeo und Julia ab. Heute steht an der Stelle ein Fünf-Sterne-Hotel im vornehmen Landhausstil.

Unterwegs in Portugals Zentrum: Coimbra

Im botanischen Garten kannst du dich auf die Spuren von Inês und Pedro begeben. Hier fließt unter riesigen Bäumen noch immer die „Fonte das Lagrimas“ – die Quelle der Tränen. Sie war der heimliche Treffpunkt vom Sohn des portugiesischen Königs Alfons IV. und der jungen spanischen Hofdame.

Von hier aus sendete er ihr kleine Botschaften über den Wasserweg. Und nicht weit von der Quelle, so sagt es die Überlieferung weiter, klebt noch immer Blut am Boden der Stelle, an der Inês im Auftrag ihres Schwiegervaters erstochen wurde. 

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Die Quinta das Lagrimas ist ein guter Ausgangspunkt für die Entdeckung Coimbras. Sie liegt auf der linken Seite des Mondegos, der die Stadt in zwei Hälften teilt. Unweit des Landhauses lohnt sich ein Besuch des Klosters Santa Clara-a-Velha. Königin Isabel ließ es zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbauen. Es ist mehrfach vom Hochwasser des Mondegos geflutet worden. Mit der Zeit wurde der Boden angehoben, um die Gebäude vor dem Wasser zu schützen. Heute sind Archäologen am Werk und legen nach und nach weitere Teile der gotischen Klosteranlage frei.

Portugals älteste Universität

Wer den Fluss überquert, vor dem erhebt sich ein Berg – Coimbras Altstadt, auf dessen Spitze die älteste Universität Portugals. 1290 in Lissabon gegründet, zog sie 1537 nach Coimbra in den Königspalast um und gehört mittlerweile zum Weltkulturerbe der UNESCO. Wer hier studiert, ist stolz darauf.
 
Überall in der Stadt triffst du junge Menschen in schwarzen Anzügen und langen schwarzen Umhängen. Gelebte Tradition, mit modernen Brüchen. Den schweren Stoff schmücken heutzutage Aufnäher von Vereinen, Bands oder Comic-Helden wie den Simpsons.

Nur Männer singen Fado in Coimbra

Wie die Umhänge, so gehört auch der Fado eng zur Kultur der Universität. Anders als in Lissabon wird er hier nur von Männern gesungen und hat wenig mit der Seefahrergeschichte Portugals zu tun. Unsere Begleiter können es daher kaum fassen, als bei einem Fadokonzert in der Kapelle „À capela“ plötzlich eine Frau die Bühne betritt. „Das ist, als würde man ein Flamencokonzert mit einer E-Gitarre besetzen“, findet Alexandre Pais da Silva und empfiehlt einen Besuch im Fadomuseum in Lissabon.

Der Abstecher lohnt sich tatsächlich, wenn du tiefer in die Geschichte der mit Portugals Seele so eng verwobenen Musik eintauchen willst. Denn wer den Zugang zu ihr finden möchte, darf sich vor Melancholie nicht verschließen. „Saudade“ heißt das Wort, das viele Lieder dominiert und die portugiesische Sehnsucht wie kein anderes beschreibt. Manuela Alves übersetzt es mit „die Freude am Traurigsein“.

An der Küste entlang nach Aveiro

Gut 100 Kilometer weiter nördlich, in der Küstenstadt Aveiro, ist von dieser Melancholie gerade nichts zu spüren. Dort gleiten fröhlich bemalte Holzboote durch die Kanäle. Mit den „Moliceiros“ holten die Bauern Aveiros früher den Seetang zum Düngen ihrer Felder ein. Später wurde er auch für die Pharmaindustrie benutzt, erzählt Pinto Monteiro. Seit drei Jahren schippert der 59-Jährige Touristen auf den Booten durch die Stadt. Seine Hauptaufgabe ist es, für die Sicherheit an Bord zu sorgen. 
 
Und so springt Monteiro zwischen seinen Kommentaren immer wieder auf, bläst ins Signalhorn und gibt dem Steuermann gestenreich zu verstehen, wo es langgeht. Jeder Bootsbesitzer ist hier stolz auf die Bemalung seines Bootes. Die besticht mit leuchtenden Farben, aber auch mit der Chuzpe ihrer Maler. Während am Bug religiöse Motive das Boot zieren, geht es am Heck mit derben Sprüchen weltlich zu. „Immer gut mit Gott, aber ein bisschen Spaß muss auch sein“, sagt Monteiro augenzwinkernd.

Nur wenige Kilometer von Aveiro entfernt tauchen Besucher von Ílhavo in die Geschichte des Fisch- und insbesondere des Kabeljaufangs ein. Im mehrstöckigen Aquarium des örtlichen Seefahrtsmuseums schwimmen die Fische in Schwärmen, einige Räume weiter wird die Arbeitswelt auf einem Schleppfangschiff der portugiesischen Kabeljaufischerei nachempfunden.
 
Der Museumsbesuch macht Lust auf einen Ausflug an den Atlantik – und da ist es an der Costa Nova mit ihren bunt gestreiften Fischerhäusern, den Palheiros, besonders malerisch. Und spätestens jetzt, beim Blick auf die vorbeisegelnden Schiffe am Horizont, mit so viel portugiesischer Geschichte im Gepäck, einer Brise um die Nase und Kabeljau im Magen, fällt es nicht mehr schwer, die portugiesische Sehnsucht zu spüren.