„Visarun“. Ein Wort, das du als Backpacker lernst. Nach sechs Wochen „Insel-Hopping“ mussten wir erst einmal raus aus Indonesien, da unser Touristenvisum ablief. Das ist auch weiter kein großes Problem, denn du musst eigentlich nur kurz rüber nach Timor, auf die größte der Kleinen Sunda-Inseln. Timor, ehemals eine portugiesische Kolonie, ist seit 2002 in zwei Länder aufgeteilt. Westtimor gehört noch zu Indonesien.

Osttimor heißt heute offiziell Demokratische Republik Timor-Leste, und dort kannst du dir an der Grenze wieder ein neues Visum für Indonesien besorgen. Wir hatten allerdings das Glück, schon in Westtimor einem „Travelguide“ zu begegnen, der sich auch auf das Verlängern von Visa spezialisiert hatte, uns somit die ganze Arbeit abnahm und uns einen Trip in den Osten ersparte.

Weihnachten auf Gili Islands

Die Weihnachtstage verbrachten wir auf den Gili Islands. So richtig unter Palmen und am Strand. Dann also schnell mit der Fähre rüber nach Timor, um den lästigen Visum-Kram zu erledigen.

Schnell? Nur ein paar Stunden Fahrt? Es wurde ein Horror-Trip! Drei Tage auf einer überfüllten Fähre, und wieder haben wir viel gelernt: 1. Dass du dir am anderen Ende der Welt tunlichst genau den Maßstab auf einer Karte anschauen musst. 2. Dass Fahrpläne hier nur auf dem Papier stehen können. 3. Dass du auch mit Kakerlaken auf das neue Jahr anstoßen kannst.

Indonesiens Flitterwochenhochburg

Zurück sind wir dann geflogen. Nach Bali. Mit Garuda, der staatlichen indonesischen Airline, die wegen Sicherheitsmängeln zwei Jahre nicht nach Europa fliegen durfte. Doch der Service und die Ausstattung an Bord waren überraschend gut. Und die 75 Euro pro Person für das Ticket waren auch für unsere Reisekasse noch verkraftbar.
 
Nun also Bali, die Insel der Götter. In jedem Jahr exotisches Traumziel für mehr als vier Millionen Besucher. Doch „verwöhnt“ wie wir mittlerweile sind, haben wir inzwischen genug Traumstrände und alte Tempel gesehen. Hey, wir sind jung! Und nach so vielen Wochen „on the Road“ wollen wir mal wieder „Action“ und das andere Gesicht dieser Insel kennenlernen, nämlich die Party- und Flitterwochenhochburg Indonesiens.
 
Nun stehen wir also mitten im Herzen der über 600.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Denpasar. Jetzt erst einmal versuchen, in diesem Gewimmel und Gewusel nicht das Gepäck und den Überblick zu verlieren. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es hier so gut wie nicht. Und wenn vielleicht doch, brauchst du als Fremder wahrscheinlich einen ganzen Tag, um sein Ziel zu erreichen. Dafür kennen wir uns spätestens seit Jakarta mit indonesischen Taxen aus. Und richtig! Da fahren sie ja schon, die blauen Autos der „Blue Bird Group“, die einzigen, die auch einen verlässlichen Taxameter an Bord haben.
 
Doch auch hier lieber noch einmal genauer hinsehen: Denn nicht nur bei Jeans und T-Shirts gilt es, wie so oft in Südostasien, zu unterscheiden zwischen Original und Fälschung. Und im Gegensatz zu Jakarta gibt es in Bali noch viel mehr „blaue“ Taxen, die es einzig darauf abgesehen haben, zahlungskräftige Touristen in ihren Wagen zu locken. Am besten deshalb immer Ausschau nach dem offiziellen „Blue Bird-Logo“ halten. Und vergewissere dich vor dem Losfahren, dass der Taxameter auch wirklich anspringt.
 
Die Vorstellung, die wir von Bali in unseren Köpfen hatten, war die, dass Bali wohl eher vergleichbar wäre mit Langkawi, einem Strandparadies mit jeder Menge Beachbars und Reggaemusik. Doch die Insel, die wir jetzt sehen, ist voll urbanisiert und wird dominiert von drei Schlagwörtern: Shopping, Party und Verkehr. Was bedeutet, dass wir uns auf unserem Weg zum Hotel durch einen Stau nach dem anderen quälen.

Hotel nach zweieinhalb Monaten Backpacking

Hotel? Richtig gehört! Nach zweieinhalb Monaten vorbildlichem Backpacker-Leben haben wir beschlossen, uns wieder einmal etwas Komfort zu gönnen und für 37 Dollar die Nacht ein Zimmer im „Ari Putri Hotel“ in Sanur gebucht. Sanur liegt direkt am Meer, unser Hotel an der ersten Parallelstraße zum Strand.

Nachdem wir dem Taxifahrer seine 60.000 Rupiah (etwas über 5 Euro) in die Hand gedrückt haben, werden wir sogar von einem deutschsprachigen Mitarbeiter an der Rezeption empfangen und können nur Momente später in weiche Kissen sinken. Nach Wochen ohne jeglichen Luxus weißt du Klopapier, eine Badewanne und vor allem ein weiches Bett sehr viel mehr zu schätzen. 

 

Und spätestens nach einer traditionellen Massage, die du dir direkt aufs Zimmer bestellen kannst, sind alle Strapazen vergessen. Massagen werden einem hier an jeder Straßenecke angeboten, der Preis bewegt sich meist zwischen 55.000 und 90.000 Rupiah die Stunde (etwa 5 bis 8 Euro).

Die Frauen verstehen etwas von ihrem Handwerk, mit duftenden Cremes widmen sie sich dem gesamten Körper. Es wird also nicht nur der Rücken behandelt, auch der Kopf, die Arme und Hände. Eine Eigenart sind die rhythmischen Klopftechniken und die meist mit inbegriffene Fußreflexzonenmassage, das weckt die Lebensgeister und nach dem Besuch eines der örtlichen Spas läuft man wie auf Wolken.

Erkundungstour durch Sanur

Die Versuchung ist groß, sich erst einmal dem süßen Nichtstun hinzugeben. Doch nichts da! Gleich am ersten Abend machen wir uns auf, Sanur zu erkunden und tauchen ein in eine Welt voll von Straßenhändlern, Hotels und Restaurants, beschallt von Livemusik und sofort umlagert von unzähligen Menschen, die einem entweder etwas verkaufen oder einfach nur mit Westlern sprechen wollen.
 

Uns locken die Klänge des Bluesgitarristen Freddy ins Restaurant „Paon“, ein fast schon mediterran anmutender Laden direkt an der „Jalan Cemara“. Dort stärken wir uns mit „Satay“, indonesischen Fleischspießen mit Erdnusssoße, für die Nacht. Denn während in Sanur mit Schließung der Restaurants um 22 Uhr langsam die Lichter ausgehen, gehen sie in Kuta erst richtig an. Kuta ist die Partyzone Balis, und ihre Hauptschlagader ist die „Jalan Legian“.  

Trying alcohol free Saturday night

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Die Boxen bis zum Anschlag aufgedreht, versuchen sich auf dieser Straße die Clubs, Restaurants und Bars mit ihren wummernden Bässen zu übertrumpfen. Ein allabendlicher Kampf um Gäste, von denen die meisten aus Australien kommen. Kein Wunder, von Darwin hierher ist es nur eine Flugstunde. Das Bier kostet hier nur 25.000 (etwa 2 Euro), der Wodka 60.000 (etwa 5 Euro) und der Eintritt (inklusive erstem „Welcome-Drink“) ist frei. 

Mundharmonika gezückt und rauf auf die Bühne

Meist dröhnen Charts über die Köpfe der Partywütigen, doch mit unserem musikalischen Spürsinn machen wir auch schnell Blues- und Rockschuppen aus. Was meinem Mitreisenden Max natürlich äußerst gelegen kommt: Mundharmonika gezückt und rauf auf die Bühne! Ich als selbsternannte Managerin sorge dann für die Gratisdrinks nach der Show. Wie schon so oft auf unserer Reise. Aber wer im musikverrückten Asien halbwegs ein Instrument spielen kann, hat es eben leichter. Und wie viele interessante Bekanntschaften haben wir so schon gemacht!
 
Das Nachtleben in Asien endete nach unseren Erfahrungen immer so gegen 2 Uhr morgens. Nicht so in Kuta. Hier wird bis zum frühen Morgen durchgefeiert. Und mit den ersten Sonnenstrahlen wird aus der Party- eine Shoppingmeile, auf der die Marktschreier ihre Waren anpreisen. Doch was sie an ihren Ständen anbieten, ist hauptsächlich der typische Touristenramsch.
 
Da lohnt sich dann schon eine zehnminütige Taxifahrt in den Künstlerort Seminyak. Am besten lässt du dich beim „Seminyak Square“ absetzen und schlenderst dann die „Jalan Kayu Aya“ hoch. Die kleinen Geschäfte unbekannter Designer dort erinnern an die „Hackeschen Märkte“ Berlins. Zwar sind die Preise hier ein wenig erhöht, aber im Vergleich zur Qualität absolut gerechtfertigt und für deutsche Verhältnisse meist günstig. 

Aber auch bekannte Marken sind in Seminyak zu finden. Einen ordentlichen Batzen Rupiah ließen wir so im Store des jungen, britischen Modelabels „Religion“ zurück und auch im Drifter Surfshop, von dessen Art es so einige auf Bali gibt, konnten wir uns kaum zurückhalten.

Viele Restaurants in Seminyak

Einkaufen macht hungrig. Und auch hier wird man in Seminyak schnell und gut fündig. Das „The Junction“ zum Beispiel. Von außen eigentlich eine Bretterbude, innen aber durchgestylt mit bis zur Decke reichenden Regalen, vollgestellt mit Gläsern und Schachteln gefüllt mit Pasta, getrockneten Früchten, Sand, Muscheln und allerhand witzigem Krimskrams aus der Region. Hier genossen wir die ersten richtig guten Spaghetti Bolognese.
 
Ein wenig abgelegener, aber auf jeden Fall einen Besuch wert, ist das Restaurant „Sea Circus“. Hier zieren Fotografien aus den 80ern die Wände, und auf der Speisekarte stehen vor allem mexikanische Gerichte. Probier die Tacos!
 
Einsame Spitze in Bezug auf Preis-Leistung ist aber das Essen, vor allem die Lasagne, im „Mastapa Garden Hotel“, direkt an der Jalan Legian, in das wir am nächsten Tag umziehen. Wenn schon Party, dann richtig! Und vom Preis her ist es sogar noch günstiger als das Ari Putri in Sanur, pro Doppelzimmer und Nacht 33.000 Rupiah. Dafür aber natürlich lauter, wenn am Abend wieder das Gewummer aus den Diskos einsetzt.

Aber auch dieses Problem haben wir inzwischen gelöst. Nach einigen (zähen) Gesprächen haben wir jetzt ein Zimmer, das nicht direkt zur Straße geht, und haben sogar noch einen kleinen Rabatt ausgehandelt.

Bali, die Insel der Götter. Zugegeben: Viel haben wir davon nicht gesehen. Wir wollten ja Party auf Bali.