Schmalspurbahn-Tour in der Schweiz | reisereporter.de

Schmalspurbahn-Tour durch die Schweizer Natur

Im Zug durchs Winterwunderland: mit dem Glacier-Express und anderen Panoramabahnen durch die Schweiz. Dich erwarten viele, viele, viele tolle Ausblicke in die spekatuakuläre in die Natur.

Fantastische Natur: Wer im Winter mit der Rhätischen Bahn unterwegs ist, hat ganz besondere Aussichten.
Fantastische Natur: Wer im Winter mit der Rhätischen Bahn unterwegs ist, hat ganz besondere Aussichten.

Foto: imago/Westend61

65 Kilometer in der Stunde, mehr geht nicht. Aber langsam ist hier sowieso besser. Denn auf der spektakulären Schmalspurstrecke von der italienischen Stadt Tirano bis nach St. Moritz im Oberengadin in der Schweiz gibt es viel zu sehen: Gipfel, Gletscher, hellblaue Seen, dunkelblaue Seen, spektakuläre Brücken, ein Kreisviadukt (in der Kleinstadt Brusio), über das sich der rote Zug quietschend in die Höhe schraubt. 

Lokführer Andreas Platz hat einen der schönsten Arbeitsplätze der Welt. Und er braucht Verstärkung. Die Rhätische Bahn, die die Bernina-Strecke und auch die Albulabahn zwischen Thusis und St. Moritz betreibt, sucht noch Lokführer.

Wer den Job bekommt, wird automatisch Teil des Unesco-Weltkulturerbes. Vor neun Jahren wurden die Bahnlinien in die Liste der einzigartigen und besonders schützenswerten Stätten aufgenommen. Mit Recht, denn hier kommt zweierlei zusammen: die fantastische, den Betrachter überwältigende Natur und die großartige, den Betrachter auf ganz andere Art überwältigende Kulturleistung.

Problem: Bahn und Berg passen nicht zusammen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben die Arbeiter Tunnel in die Berge gesprengt, mit schmalen Brücken jäh abfallende Schluchten überquert, sie haben an unzugänglichen Stellen Viadukte errichtet und Kehren in den Berg gebohrt, damit der Zug Serpentinen fahren und Höhe gewinnen kann. 

Das Problem ist: Bahn und Berg passen eigentlich nicht zusammen. Die Bahn mag es gerade und stetig, der Berg aber ist das Gegenteil. Also muss die Bahn eine Menge Kurven nehmen. Eine Schmalspurbahn kann sehr enge Kurven fahren, daher sind Schmalspurbahnen in Bergen von Vorteil. Nur rasen können die Züge auf Schmalspurbahnen nicht. Aber warum sollten sie das auch? Die Strecke ist ja viel zu schön.

Die Rhätische Bahn hat nur eine Spurweite von einem Meter. Mit Kurven über Kurven mäandert sich die Bahn die Hänge hinauf – bis jenseits der Baumgrenze. Dann zuckelt sie am Gletschersee vorbei. Kurz danach hat sie den Ospizio Bernina, die höchstgelegene Bahnstation der Rhätischen Bahn, erreicht. 

Schmalspur vs. Zahnrad

Es gibt noch ein anderes Verfahren, mit dem Bahnen Gipfel erklimmen können: den Zahnradbetrieb. Dieses Verfahren wendet man bei der Matterhorn-Gotthard-Bahn an, deren Strecke von Disentis in Graubünden bis nach Zermatt am Matterhorn führt. Zwischen den Schienen ist eine Zahnstange befestigt, eine Art gerade gebogenes Zahnrad. Unter der Lok und unter den Wagen befinden sich Zahnräder, die in die Stange greifen und so den Zug den Berg hinaufwuchten. Drinnen im Panoramawagen fühlt es sich ein bisschen so an, als würdest du in einem Fahrstuhl sitzen.

Schöner alter Speisewagen im Glacier-Express.
Schöner alter Speisewagen im Glacier-Express. Foto: Ronald Meyer-Arlt

Die Matterhorn-Gotthard-Bahn und die Rhätische Bahn betreiben zusammen den berühmten Glacier-Express. Von Zermatt bis nach St. Moritz (Luftlinie: 169 Kilometer) sind's gut acht Stunden. Und zwar im Panoramawagen. Die sind zuschlagpflichtig, haben dafür aber riesige Fenster, und auch das Dach der Wagen ist teilweise verglast. In solch einem Aquarium auf Rädern kommst du aus dem Schauen gar nicht mehr heraus:

Verschneite Wälder, schwarze Heustadel, Hänge, auf denen bunt gekleidete Skifahrer hinuntersausen, ein Eishockeystadion, in dem ein einsamer Schlittschuhläufer seine Runden fährt, ältere Damen am Bahnhof, die ganz kurze Skier tragen, nein, es sind Schneeschuhe, ein merkwürdig mit Punkten und Strichen lackiertes Auto – wahrscheinlich ein „Erlkönig“, ein neues Modell, das hier im Schnee getestet wird.

Ein großer wunderbarer, manchmal merkwürdiger, aber immer opulenter Film läuft draußen ab. Wer im Zug liest, ist selbst schuld.

In Chur haben wir lange Aufenthalt, der Glacier-Express wird mit einem weiteren Zug kombiniert. Plötzlich befindet sich unser Wagen nicht mehr am Ende des Zugs, sondern in direkter Nachbarschaft zu einem wunderbaren alten Speisewagen. „Dr Waggon isch 90 Jahre alt“, sagt der Kellner. Er trägt eine schöne, altertümliche Uniform. 
Als wir in St. Moritz ankommen, ist es dunkel. Die Stadt ist leer und funkelt. Ein schöner Kristall ganz weit oben. Morgen früh wird der Glacier-Express wieder hinunter ins Tal gleiten.

Im Oberengadin: Der Wintersportort St. Moritz ist Ziel des Glacier-Express.
Im Oberengadin: Der Wintersportort St. Moritz ist Ziel des Glacier-Express. Foto: imago/EQ Images

Schöne Orte an den Strecken

Gstaad: Wahrer Reichtum hat nichts mit Protzerei zu tun. Gstaad hat sich seinen dörflichen Charakter erhalten, kein Beton, kein Autoverkehr im Zentrum, viel dunkles Holz an den Fassaden der Chalets. Winterattraktion: mit dem Fat-Bike durch den Schnee. Wohntipp: Hotel Spitzhorn im Nachbarort Saanen. Hier hält auch die Golden-Pass-Line. In deren Zügen gibt es Plätze mit Lokführerperspektive.

Zermatt: Großartig: der Gipfel des Matterhorn am Morgen, gut vom Bahnhofsvorplatz aus zu sehen. Wer Pisten und Partys mag, ist hier genau richtig. Die Innenstadt ist recht voll – auch mit Elektrokarren, die hier den Transport von Menschen und Gütern übernehmen. Wer Uhren sucht, ist hier genau richtig: Ein Uhrengeschäft reiht sich ans andere. Restauranttipp: Hotel Schweizerhof, Bahnhofstraße 5. 

St. Moritz: Die Stadt wirbt für sich mit: „Top of the World“ und „Life is beautiful“. Hier gibt man sich weltläufig, nicht schweizerisch. Wer mit dem Glacier-Express anreist und zu Fuß ins Zentrum möchte, fährt mit der längsten Rolltreppe Europas. Vor dem Badrutt’s Palace Hotel wartet ein Rolls-Royce. Hoteltipp: Waldhaus am See. Via Dimlej 6. Das hat die größte Whisky-Sammlung der Welt.

Die Züge

Glacier-Express: Der „langsamste Schnellzug der Welt“ verbindet St. Moritz und Zermatt. 
Bernina-Express: Fährt jenseits der Baumgrenze von Tirano in Italien bis Chur. 
Golden Pass Line: In wunderschönen historischen Wagen von Montreux über Gstaad nach Zweisimmen.  

Grand Train Tour

Seit 2015 vereint die Grand Train Tour of Switzerland die schönsten Panoramarouten der Schweiz zu einem Bahnreiseerlebnis.

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