Wenn du im Rollstuhl sitzt, musst du vor einer Flugreise einige Dinge beachten. Das weiß auch Anastasia Umrik. Die 30-jährige Hamburgerin sitzt in einem elektrischen Rollstuhl. Auf ihrem Blog schreibt sie unter anderem über ihre Reisen und hat viele Tipps parat. Denn geflogen ist Anastasia schon oft, zum Beispiel nach Spanien, Frankreich, in die Schweiz und die Türkei.

Anastasia Umrik reist gerne und viel.
Anastasia Umrik reist gerne und viel. Foto: Anastasia Umrik

Checkliste fürs Fliegen mit Rollstuhl

  • Hilfsmittel (wie manuelle und elektrische Rollstühle) sowie Maße und Gewicht direkt bei der Buchung bei der Fluggesellschaft anmelden, spätestens aber 48 Stunden vor Abflug
  • Benötigte Hilfestellungen (Umsetzen, Gepäcktragen) anmelden
  • Unterlagen für batteriebetriebene Rollstühle mitführen
  • Keine Angst haben vor möglichen Problemen. Anastasia: „Es wird mit jedem Flug besser!“

Mit Rollstuhl fliegen: Easy oder kompliziert?

Die Lufthansa hatte im Jahr 2016 rund 300.000 Fluggäste, die im Rollstuhl sitzen. „Generell ist das Fliegen mit einem Hilfsmittel nicht allzu kompliziert“, sagt Anastasia. Der organisatorische Aufwand sei jedoch höher: „Es muss alles ‚extra‘ angemeldet werden. Und dann wird‘s manchmal nervig. Die Airlines prüfen, es ist viel Organisation. Vor allem mit einem elektrischen Rollstuhl ist es recht aufwendig, weil die Anmeldung oft telefonisch UND per Mail erfolgt.“ Was Anastasia sich wünscht: Ein unkompliziertes Onlineformular mit einer Rückrufoption.

Auf der Homepage der Lufthansa gibt es die Option, den Bedarf online anzumelden. Du wählst das Thema „Reservierung/Buchung“ aus, dann „Betreuungsbedarf anmelden“. Weiter unten kannst du ankreuzen, inwieweit du selbst laufen kannst. Und in einem Freitextfeld kannst du eintragen, welche Betreuung du brauchst. 

Service am Flughafen

Der Ablauf ist nicht an allen Flughäfen gleich. Daher informeir dich am besten frühzeitig, wie es an deinem Flughafen läuft. „An manchen läuft es sehr unkompliziert, an anderen braucht es mehr Geduld“, sagt Anastasia.

Der Service am Flughafen für Menschen im Rollstuhl ist kostenlos, ebenso die Beförderung des Rollstuhl zusätzlich zum normalen Freigepäck. Generell solltest du dich darauf einstellen, den Rollstuhl wechseln zu müssen, um vom Flughafen ins Flugzeug zu gelangen. Denn je nach Maß des Rollstuhls kannst du deinen eigenen nicht mit in den Passagierbereich des Flugzeugs nehmen.

Den Rollstuhl musst du dann als Gepäck, je nach Flughafen als Sperrgepäck, aufgeben. Dann stellt dir die Fluggesellschaft einen Transport-Rollstuhl zur Verfügung, dein eigener wird im Frachtraum transportiert.

Anastasias Tipp: Direktflüge buchen (wenn möglich). „Ich versuche, Umsteigen mit einem elektrischen Rollstuhl zu meiden. Direktflüge sind einfach unkomplizierter.“

Überblick: Service an einigen der größten deutschen Flughäfen

Flughafen München

  • Betreuungsservice bei Buchung, spätestens 48 Stunden vor Abflug, bei der Fluggesellschaft oder dem Reisebüro anmelden
  • umfangreicher Überblick in Broschüre, am Check-In-Schalter startet die Betreuung
  • barrierefreie Toiletten & Duschen (im MAC)
  • flughafeneigene Rollstühle
Düsseldorfer Flughafen
  • ​PRM-Service für mobilitätseingeschränkte Fluggäste, Anmeldung spätestens 48 Stunden vor Abflug bei der Airline oder dem Reiseveranstalter
  • Unterstützung beim Check-In-Prozess und der Sicherheitskontrolle, bei Bedarf Begleitung ins Flugzeug
  • Alle Abflugbereiche, zentrale Ankunft und Bahnhof „Düsseldorfer Flughafen“ sind barrierefrei, behindertengerechte Parkplätze
Flughafen Frankfurt
  • FraCare-Betreuungsservice spätestens 48 Stunden vor Abflug bei Fluggesellscahft oder Reiseveranstalter anmelden
  • Rufsäulen für Betreuungsservice in Terminal 1 und 2
  • Begleitung bei Ankunft, Abflug und während des Transits, Unterstützung bei Sicherheitskontrollen
  • behindertengerechte Parkplätze: Terminal 1 ( P4), Terminal 2 (P8)
Hamburger Airport
  • Begleitservice des DRK mediservice rechtzeitig anmelden und mindestens 2 Stunden vor Abflug am Flughafen sein
  • Begleitung beim Check-Inn und bis ins Flugzeug
  • elektrischer Rollstuhl muss als Sperrgepäck aufgegeben werden, Ersatz-Rolsltuhl vom Flughafen/DRK
Flughäfen Berlin (SXL & TXL)
  • Betreuungssverice beim Reisebüro oder der Fluggesellschaft anmelden, mindestens 48 Stunden vor Abflug
  • Betreuungsservice hilft auf allen Stationen vor und nach dem Flug
  • Rufsäulen für Betreuungsservice am Flughafen Berlin-Schönefeld

Besonders gute Erfahrungen am Reiseziel hat Anastasia in der Türkei gemacht: „Am Flughafen Antalya waren die Helfer außergewöhnlich gut und schnell im Umgang mit mir und dem Rollstuhl. Das war ein Traum!“

Service an Bord

Eine Sitzplatzreservierung ist bei den meisten Airlines für Menschen mit Behinderung kostenlos. In den Flugzeugen der Lufthansa gibt es zum Beispiel Bordrollstühle, mit denen auch die Toiletten während des Fluges besucht werden können. Die Flugbegleiter geben Hilfestellung auf dem Weg zur Toilette. Ganz so easy sei es aber nicht, sagt Anastasia: „Die Toiletten sind so klein, dass es nicht machbar ist, mit einer begleitenden Person auf die Toilette zu gehen – es ist zu eng ...“ Dies sei auch der Hauptgrund, warum lange Flüge schwierig seien.

Elektrischer Rollstuhl: Wichtige Infos

Wenn dein Rollstuhl batteriebetrieben ist, dann solltest du dich über den Batterietyp informieren und ihn bei der Flugbuchung angeben. Denn je nach Typ gelten bestimmte Transportbedingungen.

Diese haben die Airlines, zum Beispiel die Lufthansa und airberlin, ausführlich auf ihren Homepages dargestellt. Trockenbatterien sind generell kein Problem, Nassbatterien werden nicht von allen Airlines transportiert. Der Batterietyp muss von der Fluggesellschaft zum Transport freigegeben sein.

Internationale Codes für die Buchung

Das Luftfahrtamt arbeitet mit internationalen SSR-Codes. Die kannst du bei der Buchung mit angeben, so vermeidest du später Probleme am Flughafen. Relevant für Menschen mit eingeschränkter Mobilität sind die PRM-Codes:

​WCOB (Fluggast mit Rollstuhl an Bord): Assistenz an Bord benötigt
WCHC (Rollstuhl an Bord): Fluggast benötigt Onboard-Rollstuhl und muss umgesetzt werden
WCHR (Rollstuhl zur Rampe): Fluggast kann Stufen überwinden und sich selbständig in der Kabine bewegen, benötigt aber Assistenz bis zum Flugzeug
WCHS (Rollstuhl oberhalb von Stufen): Fluggast kann keine Stufen überwinden, sich aber selbständig in der Kabine bewegen

WCMP: Manueller Rollstuhl ohne Batterie
WCBD:  Rollstuhl mit Trockenzellen-Batterie
WCBW: Rollstuhl mit Nasszellen-Batterie