Vor der Abreise

Dass ich ein Erasmus-Semester mache, war mir schon zu Beginn des Studiums klar. Beide Schwestern hatten es vorgemacht und kamen mit tollen (wenn auch sehr unterschiedlichen) Geschichten nach Hause. Ich wollte also auch eine Sprache perfekt beherrschen, internationale Freunde gewinnen und ein bisschen Globetrotter-Lifestyle leben. Soweit meine Idee. Lass uns mal gucken, was daraus geworden ist.
 
Zum anfänglichen Bewerbungsprozess zählt unter anderem ein Bewerbungsschreiben für deine Wunschstadt sowie das Einreichen von Universitätszeugnissen und eines Lebenslaufes. Dazu kam bei mir noch ein Gespräch mit der zuständigen Koordinatorin, in dem ich erklären musste, warum meine Studienleistungen im zweiten Semester deutlich schlechter waren als im ersten. Die Erklärung war einfach: „Zu viel Sommer!“ Das Gekicher war groß, aber was sollte ich machen.
 
Jede deutsche Universitätsstadt bekommt nur begrenzt Studienplätze für ihre Studenten an anderen Erasmus Universitäten, weswegen ich nicht in meine Wunschstadt Aberystwyth, Wales kam. Ich bekam also die Zusage für Alicante in Spanien, zusammen mit einem guten Freund. Nach einer großen Abschiedsparty flog ich Ende August los, einen großen Rucksack auf dem Rücken, alle T-Shirts und jede Menge Bock im Handgepäck.
Flughafen Gate
Bereit zum Abflug Foto: pixabay.com/pexels

Das gibt es vor deinem Erasmus-Aufenthalt zu beachten

Das Erasmus-Programm wird von der Europäischen Kommission angeboten und gilt für Studienaufenthalte und Praktika bis zu zwölf Monaten. Ein großer Vorteil sind die monatliche Förderung und die wegfallenden Studiengebühren. Für Bafög-Studenten und Studierende mit Kind gibt es noch zusätzliche Förderung. Um am Erasmus-Programm teilzunehmen, musst du dich direkt bei deiner Universität beziehungsweise Hochschule bewerben.
 
Wende dich für weitere Informationen an das International Office oder das Akademische Auslandsamt deiner Universität. Jetzt musst du noch dein Bewerbungsschreiben, deine Zeugnisse und deinen Lebenslauf einreichen und los geht’s.
 
Du solltest dir im Vorfeld überlegen, was dir für dein Auslandssemester wichtig ist und danach deine Wunschstädte wählen. Falls dir Strand und Nachtleben nicht liegen, solltest du dich vielleicht eher für eine ruhigere Stadt entscheiden. Falls diese Dinge genau deins sind, ergibt für dich ein Aufenthalt in Barcelona oder Alicante total Sinn. Weitere Tipps rund um den Auslandsaufenthalt hat der DAAD in einer Checkliste gesammelt.

Die ersten Tage

Nach unserer Ankunft bezogen wir erst einmal ein Hostel, das wir uns vorher gebucht hatten. Danach ging es zügig an den Campus, der wirklich ein Highlight ist. Dort herrschen amerikanische Größenverhältnisse und du fühlst dich wie in einer eigenen Stadt.
 
Wir waren jedoch auf der Suche nach einer Wohnung, was sich als überraschend simpel erwies. Nach zwei Anrufen und leichten Sprachschwierigkeiten konnten wir direkt am zweiten Tag eine besichtigen. Wir hatten Glück, die Zimmer waren verhältnismäßig geräumig, die Wohnung sauber und gut ausgestattet. Nach zwei Tagen waren die restlichen drei Zimmer mit weiteren Erasmus-Studenten aus Italien belegt, die Party konnte also losgehen.

 

Und wie sie losging. Ganz dem Erasmus-Klischee entsprechend probierten wir erstmal unsere Spanischkenntnisse an den Barkeepern aus, was über Cerveza (Bier) und Chupito (Kurze) nicht wirklich hinausging.

Allerdings war das auch die beste Gelegenheit, um direkt weitere Erasmus-Leute kennenzulerne. Und so waren wir schon nach wenigen Tagen eine größere Gruppe, die sich regelmäßig zum Chillen am Strand und zum Essen und Trinken traf.

 

In der Uni war ich natürlich auch. Zu Beginn des Semesters mussten diverse Unterlagen ausgefüllt und abgegeben werden und an die zuständigen Behörden weitergeleitet werden. Dazu musste ich einige Kurse wählen, meine Sportkarte abholen und es gab die obligatorische Campus-Führung. Ich war nun offiziell ein Erasmus-Student.

Tipps für die Erasmus-Zeit vor Ort

Egal ob du in Schweden, Frankreich oder Spanien bist, als Erasmus Student dürfte am Anfang die Suche nach einem Zimmer stehen. Falls du dich nicht im Vorfeld schon darum gekümmert hast oder die Austausch-Uni passende Angebote bietet, helfen dir meistens Facebook-Gruppen oder ganz klassisch das Schwarze Brett an der Uni.
 
Zu Unibeginn solltest du all deine Unterlagen beisammen haben und dir die notwendigen Stempel und Unterschriften holen, damit die Anrechnungen und andere Formalitäten ohne Komplikationen funktionieren. Auf der Plattform mystipendium.de findest du dazu ein paar Tipps.

Visiting my old university with my friend #oldmemories #universityofalicante #universitymemories #ua #alicante

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Alltag? Eher nicht

Okay okay ... In der Uni war ich nur zum Sport machen, essen und um auf der Wiese in der Sonne zu liegen. Kurse habe ich nur äußerst sporadisch besucht, obwohl der Sprachkurs wirklich nett war. Es ging mir mehr darum, Land und Leute kennenzulernen. Und genau das würde ich jedem anderen Erasmus-Studenten ebenfalls empfehlen.
 
So verbrachte ich viel Zeit in Cafés (der beste Ort, um mit Spaniern ins Gespräch zu kommen), in Tapas-Läden, in Bars und Diskotheken. Nebenbei sind wir gereist und haben uns viel von Spanien angeguckt. Reisepartner fanden sich immer, da wir bereits nach wenigen Tagen eine große Gruppe aus den unterschiedlichsten Nationen waren.
 
Spannend waren auch die Paarungskonstellationen (aber diese Erfahrung wird jeder Erasmus-Student für sich selbst machen) ... An dieser Stelle nur soviel dazu: Wenn du vergeben bist, bleib standhaft. Solltest du single sein, herzlichen Glückwunsch, deine Durststrecke ist vorbei.

More than friends ❤️ thank you for the memories you're giving me ???????????? #MyBirthday #ErasmusFamily

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Erasmus: Nutze deine Zeit

Es ist eine sehr individuelle Angelegenheit, wie Erasmus-Studenten ihre Zeit verbringen. Du wirst schnell merken, ob du komplett frei von Unistress dein Semester genießen willst oder ob dich vielleicht gerade die Zeit an der Universität im Ausland bereichert. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

Ein Semester geht jedoch schnell vorbei und du solltest dir vorher überlegen, ob du bestimmte Orte sehen möchtest oder gewisse Dinge erleben willst. Häufig gibt es nette Kooperationsangebote von Universität und International Office, erkundige dich also nach coolen Möglichkeiten. Erasmus machst du (normalerweise) nur einmal, also nutze deine Zeit.

Spaßige Zeiten mit meinem holländischen Kumpel
Ausflug nach Sevilla Foto: Adrian Tamm

Der Abschied von Spanien

„All good things must come to and end …“ Und so ging auch meine Alicante-Zeit zügig vorbei. Schneller als erwartet waren fünf Monate um und ich verließ meine temporäre Heimat wieder. Auch wenn ich im Nachhinein dazu neige, meine Erasmuszeit zu romantisieren, kann ich guten Gewissens sagen, dass es eine unvergessliche Erfahrung war und ich diese Zeit des Öfteren vermisse.

Andererseits war ich aber auch froh, wieder nach Hause zu fliegen und in den ruhigeren Alltag zurückzukehren. Kulturschock mal anders, hier war ich auf einmal nicht mehr der deutsche Casanova. Aber auch daran habe ich mich wieder gewöhnt. Die fetten Jahre sind nun mal vorbei.